Petrochemie im Iran

Kühne Investition oder Goldgrube?

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Smith: „Handelsunternehmen werden begierig darauf sein, auf diese Mengen an iranischem Ethylen und PE zuzugreifen, aber die erwarteten Auswirkungen auf die globale Produktionskapazitäten werden der Analyse von IHS Chemicals zufolge nicht dramatisch sein — weniger als 1 Prozent als derzeit geplant. Nichtsdestotrotz könnte das zusätzliche iranische Ethylen in Form von Polyethylen genau dann auf den Markt kommen, wenn die globalen Produktionskapazitäten in den Jahren 2017-2018 ohnehin auf einem sehr niedrigen Stand sind, was einen gewissen Druck auf die Preise ausüben würde.“

Ein weiteres wichtiges Exportgut für den Iran ist Methanol. Der Iran ist mit einer Kapazität von 5 MMT ein wichtiger Produzent und Exporteur von Methanol, und Methanol-Produzenten profitieren im Iran zusätzlich von äußerst günstigen Produktionskosten. Die Aufhebung der Sanktionen würde die iranischen Planungen in der Methanolproduktion weiter vorantreiben und die Umsetzung zahlreicher vorgeschlagener Projekte beschleunigen. Während der Iran Projekte im Umfang von insgesamt mehr als 20 MMT neuer Methanol-Kapazitäten vorgeschlagen hat, hält IHS eine Erweiterung um ca. 10 MMT bis 2025 für realistischer.

Auswirkungen der Sanktionen auf die petrochemische Industrie im Iran

Der Iran begann Anfang der 2000er Jahre aufgrund der reichen Erdgasvorkommen des Landes mit einem ehrgeizigen Programm zum Ausbau der petrochemischen Industrie. Der ursprüngliche Plan war es, die petrochemische Produktionskapazität von 9 MMT im Jahr 2001 bis zum Jahr 2015 auf 100 MMT jährlich zu erweitern. Aufgrund der strengeren Sanktionen im Bezug auf den Kapital- und Warenfluss sowie dem eingeschränkten Zugang zu erforderlichen Technologie, Teilen und Materialien hat der Iran dieses Ziel jedoch bei weitem verfehlt, so IHS.

Bevor die Sanktionen in Kraft traten, war der Iran ein wichtiger Lieferant von petrochemischen Produkten nach Europa, insbesondere von Ethylen, PE und Methanol. Allerdings sind die Exporte im Bereich der petrochemischen Industrie als direkte Folge der Sanktionen insgesamt nicht signifikant zurückgegangen. Angesichts der Sanktionen wurden diese Produkte einfach nach Asien, Afrika und in einige südamerikanische Länder umgeleitet, hauptsächlich jedoch nach China und Indien. Das Geschäft mit Europa ist jedoch praktisch zum Erliegen gekommen.

Große iranische Cracker-Projekte liegen auf Eis

Eine viel größere Auswirkung der Sanktionen war, dass der Iran nicht mehr in der Lage war, seine Infrastruktur zur Gewinnung und zum Export seiner Öl-/Gas- und Petrochemie- Ressourcen zu erhalten bzw. ausreichende Investitionen zu tätigen, was eine chronisch geringe Auslastung zur Folge hatte, nicht zuletzt bedingt durch regelmäßige Engpässe bei der Versorgung mit Ethan. Die Entwicklung des iranischen Energiesektors wurde durch internationale Sanktionen insofern behindert, als diese verhinderten, dass die notwendigen ausländischen Investitionen und Technologie ins Land kamen.

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