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Großanlagenbau Krisenherde setzen dem deutschen Großanlagenbau zu

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Die fetten Jahre scheinen für den deutschen Großanlagenbau erst einmal vorbei zu sein. Der Auftragseingang ist im letzten Jahr um sieben Prozent gesunken und 2015 sieht es nicht besser aus. Auch der Chemieanlagenbau musste Federn lassen, auch wenn, die Branche immer noch vom amerikanischen Schiefergas profitiert.

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(Bild: PROCESS)

Frankfurt – Wie lange kann der deutsche Großanlagenbau mit Innovation und Technologieführerschaft noch punkten? Was überzeugt den Kunden, eine teure deutsche Anlagen dem des Wettbewerbs vorzuziehen? Ist eventuell das Servicegeschäft die Rettung? Der deutsche Großanlagenbau sucht gerade nach Rezepten, die stärker werdende Konkurrenz in ihre Schranken zu weisen und der wirtschaftlichen Krisenstimmung zu entkommen. Das wurde bei der diesjährigen Präsentation des Lageberichts der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (AGAB). deutlich.

Zum letzten Mal und gewohnt präzise präsentierte Helmut Knauthe, AGAB-Sprecher und Chief Technology Officer der Thyssen Krupp Industrial Solutions die Zahlen und Fakten des Jahres 2014 und die waren dieses Mal eher unerfreulich.

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Ein Auftragseingang in Höhe von 19,6 Milliarden Euro, der 2014 um sieben Prozent unter dem Vorjahr liegt, kann die in den letzten Jahren erfolgsverwöhnte Branche nicht glücklich machen. „Die Branche ist mit dieser Entwicklung nicht zufrieden. Vor dem Hintergrund niedriger Wachstumsraten, vielfältiger geopolitischer Risiken sowie starker Schwankungen an den Devisen- und Rohstoffmärkten konnten unsere Mitglieder diese Situation dennoch meistern“, sagte Knauthe.

Betroffen ist auch der Chemieanlagenbau – der Ordereingang sank 2014 gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent. Trotz einer Überhitzung, die zur Einstellung einzelne Projekte geführt habe, sende jedoch die USA bedingt durch Fracking und Schiefergas nach wie vor positive Signale. „Düngemittel- und Ethylenprojekte gehen weiter“, betonte Knauthe.

China sei trotz rückläufiger Wachstumsraten immer noch der größte Produktionsstandort für Chemikalien. Allerdings will die chinesische Regierung die Wertschöpfungstiefe der heimischen Chemieindustrie erhöhen, um sie von Importen unabhängiger zu machen. Die Folge sind weniger Projekte für ausländische Unternehmen.

Die Autoren des Lageberichts gehen davon aus, dass chinesische Großanlagenbauer in den nächsten Jahren Weltmarktanteile gewinnen und sich stärker als bisher als Wettbewerber positionieren.

Auslandsaufträge gesunken

Insgesamt sanken die Auslands-Auftragseingänge im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 15,9 Milliarden Euro (2013: 16,7 Milliarden Euro), was laut Verband vor allem auf die schwache Nachfrage aus großen Schwellenländern zurückzuführen sei.

Die Bestellungen aus China, Indien und Brasilien notierten 2014 auf langjährigen Tiefstständen. In der Türkei, Indonesien und Mexiko gab es ebenfalls rückläufige Buchungen. Wachstumsmärkte für den Großanlagenbau waren Südostasien und Osteuropa. Russland war infolge mehrerer Großprojekte aus der chemischen Industrie der wichtigste Absatzmarkt weltweit. Die Nachfrage aus den USA lag wie schon 2013 auf einem hohen Niveau. Die niedrigen Energiepreise wirkten sich dort insbesondere auf die Bestellungen von Hütten- und Walzwerken positiv aus.

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