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Biokraftstoff Kraftstoff aus Stroh

Knapp 60 Millionen Euro wird die Errichtung der Bioliq-Pilotanlage in Karlsruhe kosten, die aus Reststoffen wie Stroh hochwertige Kraftstoffe für Diesel- und Ottomotoren herstellen soll. Jüngst wurde Richtfest gefeiert.

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Die Bioliq-Anlage für Biokraftstoffe wird komplett: Der Rohbau umfasst die noch fehlenden Ausbaustufen II bis IV. (Bild: Markus Breig/KIT)
Die Bioliq-Anlage für Biokraftstoffe wird komplett: Der Rohbau umfasst die noch fehlenden Ausbaustufen II bis IV. (Bild: Markus Breig/KIT)

Karlsruhe – Die Fertigstellung der Bioliq-Pilotanlage am Campus Nord des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) geht mit großen Schritten voran: Das Richtfest für die noch ausstehenden Prozessstufen der Anlage fand kürzlich mit Vertretern des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, des Landes Baden-Württemberg und der beteiligten Industriepartner statt.

Das am KIT entwickelte Bioliq-Verfahren erlaubt es, aus biogenen Reststoffen wie Stroh hochwertige und motorenverträgliche Kraftstoffe für Diesel- und Ottomotoren herzustellen. Der gesamte Prozess besteht aus vier Schritten. Die erste Stufe des Verfahrens dient der Energieverdichtung, da die trockene Restbiomasse räumlich weit verteilt anfällt und einen niedrigen Energiegehalt hat. In dezentralen Anlagen werden Stroh und andere biogene Reststoffe durch Schnellpyrolyse in ein erdölähnliches Zwischenprodukt aus Koks und Öl umgewandelt, das etwa 90 Prozent der in der Biomasse gespeicherten Energie enthält – und damit eine weitaus höhere Energiedichte als die Ausgangsstoffe. Dieser Prozessschritt ist bereits als Pilotanlage realisiert, die seit 2009 in Betrieb ist.

Um daraus einen hochwertigen und besonders reinen Synthesekraftstoff herzustellen, werden noch drei weitere Verfahrensschritte benötigt, für die jetzt der Rohbau auf dem KIT-Campus Nord abgeschlossen werden konnte: Im nächsten Schritt wird das energiereiche Zwischenprodukt mit Sauerstoff vermischt und unter Druck bei über 1000° C in Synthesegas umgewandelt. Bei der anschließenden Heißgasreinigung gilt es, Störstoffe wie Partikel, Chlor- und Stickstoff-Verbindungen aus dem Synthesegas abzutrennen. Am KIT wird dabei eine neue Technik eingesetzt, bei der die Reinigung bei 500 Grad Celsius stattfindet, was gegenüber den konventionellen Prozessen zu Energieeinsparungen führen soll. Im letzten Prozessschritt sollen sich die Grundbausteine gezielt zu maßgeschneiderten Designerkraftstoffen zusammensetzen lassen, je nach Syntheseweg kann Diesel oder Benzin erzeugt werden. „Ziel ist es, hervorragend motorenverträglichen Kraftstoff zu liefern. Dies ist möglich, weil durch die gut einstellbaren Synthesebedingungen eine gleichbleibende Zusammensetzung der Produkte mit hoher Qualität erreicht wird“, betont KIT-Vizepräsident Dr. Peter Fritz.

Die Anlage soll Anfang 2013 ihren Betrieb aufnehmen. Ihre Errichtung wird knapp 60 Millionen Euro kosten, gefördert von Bund und Land mit insgesamt etwa 26 Millionen Euro. Die Kooperationspartner aus der Industrie, Lurgi, MUT Advanced Heating und Chemieanlagenbau Chemnitz, tragen etwa 20 Prozent der Investitionskosten.

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