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KPMG erwartet 2015 rege M&A-Aktivitäten bei Chemie und Pharma

| Redakteur: Tobias Hüser

(Bild: Freshidea/Fotolia.com)

Die Chemie- und Pharmabranche hat im abgelaufenen Jahr Fusionen und Übernahmen im Wert von 214 Milliarden Dollar verzeichnet. Im Vergleich zu 2013 (123 Milliarden Dollar) ist das eine Zunahme um 74 %. Wesentliche Ursache für den starken Anstieg waren einige große Deals im Pharma-Sektor.

Berlin – Der Gesamtwert der abgeschlossenen M&A-Deals in der Pharmabranche belief sich auf 162 Milliarden Dollar, das ist der höchste Wert seit 2009. An sämtlichen der zehn größten Transaktionen 2014 in der Pharmaindustrie waren US-Unternehmen beteiligt.

Ausschlaggebend hierfür dürften auch die oft hohen Bargeldreserven im Ausland gewesen sein, die zu steuerlich motivierten Inversions-Transaktionen verleiteten. Am dritt- und viertgrößten Deal waren mit Bayer und Roche zwei europäische Firmen beteiligt: Bayer übernahm für 14,2 Milliarden Dollar das Consumer Care-Geschäft des US-Pharmakonzerns Merck, während Roche für 8,3 Milliarden Dollar das Unternehmen Intermune kaufte.

„Wir erwarten, dass dieser Aufwärtstrend 2015 anhält, weil viele pharmazeutischer Unternehmen durch gezielte Transaktionen ihre strategische Neuausrichtung vorantreiben dürften. Der dreiseitige Deal zwischen Novartis, GSK und Eli Lilly im vergangenen Jahr ist ein gutes Beispiel dafür, wie Firmen strategische Ziele durch Veräußerung und Tausch von Assets realisieren können“, sagt Vir Lakshman, Leiter des Bereichs Chemie und Pharma bei KPMG Deutschland. Das erhöhe zwar die Komplexität, doch gerade bei weiterhin hohen Bewertungsmultiplikatoren dürfte man solche Deals künftig noch öfter sehen, so Lakshman.

Demografische Trends lassen Medikamenten-Nachfrage steigen

Die pharmazeutische Industrie bietet vor allem in den Emerging Markets attraktive Wachstumsraten. Hier prognostizieren Experten für die nächsten drei Jahre jeweils 6 %. „Demografische Trends sowie eine Zunahme an sogenannten Lifestyle-Krankheiten in den Emerging Markets werden die Nachfrage an Medikamenten steigen lassen, auch wenn der Druck auf die nationalen Gesundheitsbudgets Preise deckeln wird“, erklärt Lakshman.

Die Chemieindustrie verzeichnete 2014 mit Deals im Wert von 52 Milliarden Dollar ein ähnliches Niveau wie 2013. Am meisten gesucht waren Unternehmen in den USA, China, Kanada und Südkorea. Das deutsche Unternehmen Merck wiederum konnte eine der größten Transaktionen für sich verbuchen: die Akquisition von AZ Electronic Materials für umgerechnet 2,5 Milliarden Dollar. Darüber hinaus hat Merck bekanntlich bereits angekündigt, Sigma-Aldrich für 17 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen.

Chemieunternehmen sind heute weniger fremdfinanziert als noch vor einem Jahr. Dazu kommt das niedrige Zins-Niveau, das auch größere M&A-Deals begünstigt. Angesichts der Überkapazitäten dürfte der Transaktionsmarkt weiterhin durch Konsolidierungsaktivitäten gekennzeichnet sein“, sagt Lakshman.

Auf beiden Seiten des Atlantik lasse sich zudem beobachten, dass große Konglomerate nicht zum Kerngeschäft gehörende Bereiche abstoßen, so Lakshman: „DuPont und Dow Chemical ordnen ihre Portfolios strategisch neu, und Bayer hat bereits den Spin-Off der MaterialScience-Sparte angekündigt. Interessant zu beobachten ist, dass Deals in der Chemiebranche immer höher in der Wertschöpfungskette angesiedelt sind. Mehrere angekündigte Deals in der zweiten Jahreshälfte betreffen die Bereiche in den späteren Schritten der chemischen Verarbeitung bis hin zur Anwendung.“

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