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Effiziente Rohstoffversorgung im Chemiepark Kostenfalle Hilfsmedien

Autor / Redakteur: Stefan Authier* / Wolfgang Ernhofer

Druckluft, Stickstoff & Co. sind unterschätzte Kostentreiber. Wenn es darum geht, in der Chemieindustrie Energie und damit Kosten zu sparen, steht gewöhnlich der Verbrauch von Strom und Gas im Mittelpunkt. Der Einsatz von Hilfsmedien wie Druckluft, Stickstoff oder auch Wasser wird selten hinterfragt. Doch ein zweiter Blick lohnt, denn Hilfsmedien sind wahre Energie- und Kostenfresser.

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Im Dickicht einer Anlage sind die wahren Kosten von Hilfsmedien nicht sofort sichtbar. Eine systematische Analyse fördert aber oft erstaunliche Einsparpotenziale zutage.
Im Dickicht einer Anlage sind die wahren Kosten von Hilfsmedien nicht sofort sichtbar. Eine systematische Analyse fördert aber oft erstaunliche Einsparpotenziale zutage.
(Bild: Infraserv Gendorf)

Neben Wasserdampf ist Druckluft ein Medium, das in chemischen Anlagen unverzichtbar ist und das deshalb auch nahezu überall zur Verfügung steht. Doch genau in dieser Tatsache liegt eine Gefahr: Es ist immer die einfachere Lösung, vorhandene Druckluft zu verwenden als nach einer Alternative zu suchen, für die man eigens Geräte in Betrieb nehmen muss, die wiederum zu warten sind, ein bestimmtes Ausfallrisiko haben etc. Doch so einfach Druckluft zur Verfügung steht, so energieintensiv ist ihre Erzeugung. Schließlich gehen in den Kompressoren über 90 % der eingesetzten Energie als Abwärme verloren.

Wie lohnend die Suche nach Alternativen zu Druckluft sein kann, zeigt dieses Beispiel: In einer Anlage wird ein pulveriger Stoff von einem Produktbunker in ein Silo befördert. Beim Bau der Anlage setzte man auf Druckluft (6 bar), um dies zu bewerkstelligen. Bei der Analyse zur Energieoptimierung wurde jedoch klar, dass der Förder-Volumenstrom gegenüber der Verwendung von Druckluft auf ein Drittel reduziert werden kann. Dafür reicht ein einfacher Ventilator vollkommen aus.

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So einfach die Lösung ist, so durchschlagend war die Energieeinsparung: Durch den Ventilator konnte pro Jahr auf fünf Millionen Normkubikmeter Druckluft verzichtet werden. Dem gegenüber stand ein Stromverbrauch von nur 17 MWh pro Jahr für den Ventilator.

Wasser sparen bedeutet Energie sparen

Angesichts niedriger Kosten wird Wasser meist als vernachlässigbarer Faktor angesehen, bei dem es auf ein paar Kubikmeter hin oder her nicht ankommt. Doch diese Einstellung kann zu hohen Folgekosten führen: Wasser kostet eben nicht nur im Einkauf, sondern auch in der Aufbereitung und Entsorgung. Gerade in Abwasseranlangen werden regelrechte Stromfresser betrieben, ob Pumpen, Rührer oder Ventilatoren: Jeder Kubikmeter Wasser, der nicht in die Abwasseranlage gelangt, spart deshalb Strom.

Waschwasser ersetzt Umkehrosmose

Ein Beispiel aus dem Betriebsalltag illustriert die hohen Einsparmöglichkeiten in der Abwasserreinigung – selbst durch kleinste verfahrenstechnische Änderungen. Ein Unternehmen stellt ein Pulver her, das am Ende der Produktion aus einer schlammigen Masse herausgefiltert wird. Anschließend müssen Salze komplett aus dem Filterkuchen ausgewaschen werden, um die erforderliche Produktqualität zu garantieren. Bei diesem Entsalzungsvorgang kommt demineralisiertes Wasser zum Einsatz, das in mehreren Stufen durch den Filterkuchen gespült wird und so Schritt für Schritt die Salzlast aufnimmt.

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