Suchen

Shalegas vs. Bio-Basiert

Kopf an Kopf: Shalegas vs. Nachwachsende Rohstoffe – Wem gehört die Zukunft?

| Autor/ Redakteur: Dominik Stephan* / Dominik Stephan

Shale-Gas oder biobasierte Rohstoffe liefern sich ein heißes Kopf-an-Kopf Rennen  — Wer über Trends spricht, kommt an Rohstoffen nicht vorbei: Während Rohöl an Bedeutung verliert, legen Alternativen für Kraftstoffe und Grundchemie deutlich zu. Erdgas oder Biomasse – wer hat am Ende die Nase vorn? Oder sind es nur zwei Gesichter derselben Münze?

Firmen zum Thema

(Bilder: © JRB, © sezer66, © photocrew, © Africa Studio, © PhotoGraphyca, © Calin Tatu - Fotolia)

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben – und die Chemieindustrie wandelt sich immer schneller: Noch ist Erdöl der bestimmende Rohstoff für Energie und Grundchemie, aber Erdgas und nachwachsende Rohstoffe sägen am Thron der Scheichs. Langjährig erprobte Produktionsverfahren, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle stehen auf dem Prüfstand und immer neue Mitspieler drängen mit revolutionären Technologien auf den Markt.

Kein Zweifel: Der Wandel in der Chemie kommt – und er wird umfassend und tiefgreifend. Selbst traditionelle Petrochemiecluster müssen mit der Zeit gehen – Cluster wie Sarnia im kanadischen Bundesstaat Ontario. Hier, wo bereits 1858 Erdöl entdeckt wurde, entstanden im vergangenen Jahrhundert große Raffinerien und Petrochemieanlagen. Kunststoffe, Synthetikkautschuk oder Benzin und Schmierstoffe – Sarnia belieferte die Industrie in Kanada und Nordamerika mit dringend benötigten Grund- und Rohstoffen.

Bildergalerie

Die Stadt war eine der ersten, die voll auf die Ölkarte setzte. Jetzt wollen die Kanadier auch beim Ende des Petrozeitalters Vorreiter sein. Immerhin ist Ontario, mit seinem stark agrarisch geprägten Hinterland und der Nähe zu den großen Gasfeldern in den USA und Kanada perfekt gelegen, um vom Gas- und Bio-Boom zu profitieren. Und der Wandel ist nicht aufzuhalten…

Ein ungewöhnliches Angebot...

Thom Thompson, Produktionsleiter bei Nova Chemicals, sucht einen Käufer. Aber nicht für ein gebrauchtes Auto – Thompson hat etwas anderes im Angebot: Einen Rohölcracker. Zerlegt, aber immer noch voll funktionsfähig, wie er versichert. Die Anlage, die bis vor kurzem in einer Petrochemie-Produktion in Corunna – 10 Meilen außerhalb Sarnias – lief, hat ausgedient. 2013 begann man bei Nova, Ethan aus Schiefergas als Crackerrohstoff zu nutzen. Ende 2014 wurde das letzte Barrel Rohöl durch den Cracker geschickt.

Jetzt läuft die Anlage zu 100 % mit Rohstoffen aus dem Marcellus Schiefergasfeld in den USA. Obwohl die Entscheidung für den Bau des Ethancrackers für 250 Millionen Dollar 2011 getroffen wurde, als die Ölpreise wesentlich höher waren, hat Thomspon den Schritt nie bereut: „Mein Chef fragte mich, wie tief der Ölpreis sinken muss, damit wir den Rohölcracker wieder zusammensetzen. Dabei würden wir das nicht einmal tun, wenn sie uns das Zeug hinterherwerfen würden“, erklärt er scherzend.

Immerhin sei Erdgas kostengünstig, flexibel und durch Pipelines jederzeit zuverlässig verfügbar. Jetzt soll in einer geplanten zweiten Phase die Ethancracker-Kapazität bis 2019 noch einmal um 50 % gesteigert werden.

Shalegas macht Schule

Ein mutiger Schritt – aber einer, der Schule machen könnte. Immerhin sind die Bedingungen für den Umstieg auf Gas in Ontario günstig. Die kanadische Provinz grenzt direkt an die großen Shalegas-Lagerstätten Marcellus und Bakken. Darüber hinaus liegt nicht weit entfernt einer der drei großen Knotenpunkte des Nordamerikanischen Gasnetzes: das Dawn Hub.

Mehr über das Nervenzentrum des Gasbooms auf Seite 2!

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 43590951)