VCI-Branchenreport Konjunkturabschwung hat die chemische Industrie erreicht

Redakteur: Marion Henig

Die deutsche Chemie legt eine Wachstumspause ein. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) rechnet in seinem aktuellen Quartalsbericht angesichts der weltweiten Konjunkturschwäche nur noch mit einer Ausweitung der deutschen Chemieproduktion um ein Prozent und einem Anstieg des Branchenumsatzes um 4,5 Prozent.

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VCI-Präsident Professor Dr. Ulrich Lehner: „Trotz des schwierigeren wirtschaftlichen Umfeldes ist die Branche mit der aktuellen Geschäftslage nach wie vor zufrieden. Allerdings beurteilen sie die kommenden Monate zunehmend skeptischer. Das Wachstum wird sich weiter abschwächen. Ein Einbruch ist aber nicht in Sicht.“
VCI-Präsident Professor Dr. Ulrich Lehner: „Trotz des schwierigeren wirtschaftlichen Umfeldes ist die Branche mit der aktuellen Geschäftslage nach wie vor zufrieden. Allerdings beurteilen sie die kommenden Monate zunehmend skeptischer. Das Wachstum wird sich weiter abschwächen. Ein Einbruch ist aber nicht in Sicht.“
( Bild: VCI )

Frankfurt a.M. – Das Wachstum im deutschen Chemiegeschäft hat sich im zweiten Quartal deutlich abgeflacht. Das stellt der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in seinem aktuellen Bericht zur wirtschaftlichen Lage der Branche fest. Die Chemieunternehmen spüren mittlerweile die Folgen der Finanzmarktkrise in den USA und die nachlassende Dynamik der europäischen Industriekonjunktur. Auch die kräftig gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten sowie der starke Euro machten den Unternehmen zu schaffen. Noch sind die Auftragsbücher vieler Abnehmerbranchen gut gefüllt, weil viele Kunden der Chemie nach wie vor vom Investitionsschub in Asien profitieren. Allerdings hat sich das Wachstumstempo mittlerweile in fast allen Regionen verlangsamt. Vor diesem Hintergrund rechnet der VCI für das Gesamtjahr nur noch mit einer Ausweitung der deutschen Chemieproduktion um ein Prozent. Der Branchenumsatz dürfte dabei um etwa 4,5 Prozent steigen.

  • Produktion kaum gewachsen. Im Vergleich zu den Monaten Januar bis März stieg die Chemieproduktion im zweiten Quartal dieses Jahres lediglich um 0,2 Prozent. Auch gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal konnten die Chemieunternehmen ihre Produktion nur um 0,4 Prozent ausweiten. Diese deutliche Verlangsamung erfolgte allerdings auf hohem Niveau.
  • Erzeugerpreise deutlich gestiegen. Im zweiten Quartal 2008 waren chemische Erzeugnisse im Durchschnitt 1,6 Prozent teurer als in den ersten drei Monaten. Im Jahresvergleich stieg das Preisniveau um 4,5 Prozent. Hauptgrund für diese Entwicklung waren die kräftigen Zuwächse der Energie- und Rohstoffkosten.
  • Umsatz legte weiter zu. Die deutsche Chemieindustrie erwirtschaftete im zweiten Quartal einen Umsatz von 44 Milliarden Euro. Damit wurde das Vorquartal um 2,4 Prozent übertroffen. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal erzielten die Unternehmen einen Umsatzzuwachs von 4,7 Prozent. Dieses Plus wurde fast ausschließlich von höheren Erzeugerpreisen getragen, die Mengen entwickelten sich schwach.
  • Beschäftigung blieb konstant. Von April bis Juni beschäftigten die deutschen Chemieunternehmen rund 439 800 Mitarbeiter. Damit blieb die Zahl der Beschäftigten nahezu stabil.

Weltwirtschaft: Chemiemärkte wuchsen nur noch moderat

Im zweiten Quartal ist die Weltwirtschaft zwar weiter gewachsen. Die dunklen Wolken am Konjunkturhorizont waren aber nicht zu übersehen. Im Gegenteil: Sie kamen immer näher. Die weltweit anhaltende Finanz- und Immobilienkrise hinterließ deutliche Bremsspuren im Weltwirtschaftsgefüge. Das hohe Rohstoffpreisniveau und stark gestiegene Inflationsraten belasteten zusätzlich. Das Wachstumstempo hat sich mittlerweile in fast allen Regionen deutlich verlangsamt. Die immer noch kräftige Investitionsnachfrage in China und Indien konnte die Schwäche der US-Konjunktur bisher zwar weitgehend ausgleichen. Aber auch hier war zuletzt eine Drosselung des Wachstumstempos zu beobachten.

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Dennoch bleibt Asien weiterhin die Region mit dem größten Wirtschaftswachstum. Die anhaltende Industrialisierung führte zu positiven Wachstumsimpulsen und äußerte sich in einem kräftigen Rohstoffhunger. Hiervon profitierte auch die Chemienachfrage in der gesamten Region. Lediglich in Japan konnte die Industrieproduktion zuletzt nur leicht zulegen.

Die Vereinigten Staaten befinden sich weiterhin in einer schwierigen Lage. Zwar hellte sich das Konjunkturbild im zweiten Quartal wieder etwas auf. Die wirtschaftliche Dynamik blieb aber gering. Die beiden wichtigsten Kunden der Chemieindustrie, die Automobilhersteller und die Bauindustrie sind in besonderem Maße von der Krise betroffen. Entsprechend schwach entwickelte sich die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen.

In Lateinamerika, Russland und im Nahen Osten führten die hohen Rohstoffpreise zu kräftigen Einnahmen und damit zu positiven Wachstumsimpulsen. Die Nachfrage nach chemischen Produkten in diesen Ländern stieg deutlich.

Demgegenüber blieb die Wirtschaft in der Europäischen Union nicht von den weltwirtschaftlichen Turbulenzen verschont. Der starke Euro belastete zusätzlich. Die europäische Industrieproduktion wuchs daher im zweiten Quartal nur noch geringfügig. Auch in Deutschland war die Abschwächung der konjunkturellen Dynamik in den vergangenen Monaten nicht zu übersehen.

Leichter Anstieg der Chemieproduktion

Die weltwirtschaftlichen Turbulenzen haben die deutsche Chemieindustrie erreicht. Das Wachstum hat sich deutlich abgeschwächt. Im zweiten Quartal stieg die Chemieproduktion gegenüber den vorangegangenen drei Monaten saisonbereinigt nur um 0,2 Prozent. Auch im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal steht nur ein bescheidenes Wachstum zu Buche. Die Produktion lag zuletzt nur 0,4 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Diese deutliche Verlangsamung erfolgte allerdings auf hohem Niveau. Daher waren die Produktionskapazitäten der deutschen Chemieunternehmen mit 86,4 Prozent weiterhin gut ausgelastet.

Preise für Chemikalien erneut deutlich gestiegen

Im zweiten Quartal 2008 hat sich der Preisauftrieb in der chemischen Industrie beschleunigt. Angesichts kräftiger Zuwächse der Energie- und Rohstoffkosten haben viele Unternehmen die Chemikalienpreise deutlich erhöht. Von April bis Juni waren chemische Erzeugnisse durchschnittlich 1,6 Prozent teurer als in den vorangegangenen drei Monaten. Das Preisniveau des entsprechenden Vorjahresquartals wurde sogar um 4,5 Prozent übertroffen. Im zweiten Quartal 2008 musste man für das „schwarze Gold“ erneut tief in die Tasche greifen. Mit durchschnittlich 122,4 Dollar pro Barrel kostete Rohöl der Sorte Brent knapp 26 Dollar oder knapp 27 Prozent mehr als in den vorangegangenen drei Monaten. Zwar konnte der starke Euro die Verteuerung des Rohöls etwas abfedern.

Dennoch stiegen auch die Euro-Preise für alle Rohöderivate kräftig. Naphtha, der wichtigste Rohstoff der chemischen Industrie, war im zweiten Quartal 2008 über 12 Prozent teurer als in den vorangegangenen drei Monaten. Mit dem Ölpreis kletterten auch die Preise für Gas, Heizöl und Strom. Die Marktteilnehmer hatten überwiegend nicht mit derart kräftig steigenden Ölpreisen gerechnet. Den Petrochemieunternehmen fiel es schwer, deutliche Preiserhöhungen durchzusetzen. Die Kontraktpreise für das zweite Quartal 2008 stiegen daher nur moderat. Ethylen verteuerte sich gegenüber den vorangegangenen drei Monaten nur um 1,5 Prozent, während die Propylenpreise sogar leicht rückläufig waren. Allein die Aromatenpreise legten deutlich zu. Insgesamt dürfte sich jedoch der Margendruck in der Grundstoffchemie im zweiten Quartal verschärft haben.

Das Preisniveau auf den Rohstoff- und Energiemärkten wird voraussichtlich auch in den kommenden Monaten hoch und volatil bleiben. Die Kontraktpreise für das dritte Quartal 2008 stiegen bei allen wichtigen Primärchemikalien deutlich.

Chemieumsatz legte im In- und Ausland gleichermaßen zu

Der Umsatz der deutschen Chemieunternehmen legte auch im zweiten Quartal 2008 deutlich zu. Die Verkäufe der Branche lagen mit 44 Milliarden Euro saisonbereinigt um 2,4 Prozent höher als in den vorangegangenen drei Monaten. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal entspricht dies einem Zuwachs von 4,7 Prozent. Das Wachstum wurde fast ausschließlich von höherenErzeugerpreisen getragen. Die Verkaufsmengen entwickelten sich hingegen schwach.

Das Inlandsgeschäft verlief im zweiten Quartal genauso dynamisch wie die Verkäufe jenseits der Landesgrenzen. Gegenüber den vorangegangenen drei Monaten erreichte der Inlandsumsatz mit insgesamt 19,3 Milliarden Euro ein Plus von 1,6 Prozent. Das entsprechende Vorjahresquartal wurde um 4,3 Prozent übertroffen. Im Vergleich zu den vorangegangenen Quartalen hat die Dynamik leicht nachgelassen. Die Abkühlung der Weltkonjunktur hat inzwischen zahlreiche industrielle Kunden der chemischen Industrie erreicht. Diese dehnten ihre Produktion nur noch wenig aus. Gleichzeitig zogen die Chemikalienpreise an. Entsprechend zurückhaltend fielen Chemikalienbestellungen aus. Der deutsche Chemieverbrauch stieg im zweiten Quartal 2008 gegenüber den vorangegangenen drei Monaten um 1,5 Prozent. Er lag damit 4,5 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Das Exportgeschäft verlief nach wie vor positiv. Deutsche Chemikalien sind weiterhin sehr gefragt – trotz des starken Euro. Die Verkäufe deutscher Chemieunternehmen jenseits der Landesgrenzen stiegen im zweiten Quartal 2008 gegenüber dem Vorquartal um 2,8 Prozent auf insgesamt rund 24,7 Milliarden Euro. Das Umsatzniveau des entsprechenden Vorjahresquartals wurde um 4,9 Prozent übertroffen. Ein Blick auf die Exportstatistik, die zusätzlich zum Auslandsumsatz auch Chemie-Exporte Dritter und Re-Exporte umfasst, zeigt, dass derzeit alle Auslandsmärkte dynamisch wachsen: Deutschlands Chemie profitierte von der anhaltend starken Chemienachfrage in Europa. Die Chemieexporte in die Kernstaaten der EU erhöhten sich im bisherigen Jahresverlauf um knapp 8 Prozent, in die neuen Mitgliedstaaten sogar um mehr als 16 Prozent. Damit wächst Europa, der mit Abstand wichtigste Auslandsmarkt, weiterhin dynamisch. Auch in Übersee blieb die Nachfrage nach deutschen Chemikalien hoch. Weder die Schwäche der US-Wirtschaft noch der starke Euro führten zu einem Rückgang der Ausfuhren in die Vereinigten Staaten.

Das liegt vor allem an dem hohen Anteil der konjunkturunabhängigen Pharmaexporte. Lateinamerika dehnte im bisherigen Jahresverlauf seine Importe von Chemikalien aus deutscher Produktion um mehr als 23 Prozent aus. Auch die aufstrebenden Länder Asiens benötigten verstärkt Chemikalien aus Deutschland. Die Exporte in die Region wuchsen daher rasant.

Belegschaftszahlen blieben stabil

Die amtliche Statistik weist für das zweite Quartal 2008 lediglich einen leichten Rückgang der Beschäftigung in der deutschen Chemieindustrie aus. Von April bis Juni 2008 beschäftigte die Branche rund 439.800 Mitarbeiter. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal blieb die Beschäftigung nahezu stabil. Die Zahl der Chemiebeschäftigten sank nur um 900 Mitarbeiter oder 0,2 Prozent. In Teilen der Chemie wurden sogar neue Jobs geschaffen. Derzeit sind Ingenieure und Toxikologen besonders gefragt.

Nur Pharma und Grundstoffchemie blieben auf Wachstumskurs

Im zweiten Quartal 2008 entwickelte sich die wirtschaftliche Lage in den einzelnen Chemiesparten unterschiedlich. Die Pharmaproduktion wuchs weiterhin kräftig. Auch die Grundstoffsparten konnten gegenüber dem Vorjahr noch einmal zulegen. Demgegenüber mussten die übrigen Chemiesparten Produktionsrückgänge verkraften. Die Produktion von Konsumchemikalien wie auch von Fein- und Spezialchemikalien verfehlte das Vorjahresniveau im zweiten Quartal deutlich.

Die Produktion chemischer Grundstoffe, zu denen Anorganika, Petrochemikalien und Polymere zählen, lag im zweiten Quartal 2008 durchschnittlich 0,5 Prozent höher als in den vorangegangenen drei Monaten. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum kletterte die Produktion um 1,5 Prozent. Dabei war die Entwicklung innerhalb der Sparten sehr unterschiedlich.Während die Anorganika insbesondere bei den Industriegasen und Düngemitteln Produktionseinbußen zu verzeichnen hatten, konnten die Petrochemikalien sowie die Polymere zulegen. Insgesamt steht die Grundstoffsparte deutlich besser da, als noch in den zurückliegenden Monaten. Die Umsätze wuchsen sowohl im In- wie auch im Ausland sehr dynamisch. Hierzu haben neben der guten Nachfrage auch die kräftigen Preiserhöhungen beigetragen. Die Hersteller von chemischen Grundstoffen konnten ihre Preise um durchschnittlich knapp 8 Prozent gegenüber Vorjahr erhöhen. Ein Teil der gestiegenen Rohstoffkosten konnte so an die Kundenindustrien weitergegeben werden.

Für die Produzenten von Fein- und Spezialchemikalien verlief das zweite Quartal 2008 enttäuschend. Sowohl im Vorjahres-, wie auch im Vorquartalsvergleich verzeichneten sie Produktionseinbußen. Dank leicht steigender Erzeugerpreise konnte der Umsatz mit Fein- und Spezialchemikalien immerhin noch um zwei Prozent gegenüber Vorjahr ausgeweitet werden. Dabei entwickelten sich das In- und Ausland in etwa gleich.

Das Pharmageschäft blieb unbeeindruckt von der Konjunkturabschwächung und setzte seinen Aufwärtstrend fort. Mit einem Produktionsplus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist die Pharmasparte nach wie vor der Wachstumspfeiler im deutschen Chemiegeschäft. Gegenüber dem Vorquartal entspricht dies einem Zuwachs von 1,4 Prozent. Das Inlandsgeschäft mit pharmazeutischen Produkten entwickelte sich erfreulich. Der Binnenumsatz kletterte um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im Vergleich dazu wuchs der Auslandsumsatz nur um 0,7 Prozent.

Die Hersteller von Wasch- und Körperpflegemitteln konnten das Produktionsniveau gegenüber den vorangegangenen drei Monaten nur leicht ausweiten. So lag die Ausbringungsmenge zwar 0,5 Prozent über dem ersten Quartal 2008. Gegenüber dem Vorjahresquartal lag die Produktion jedoch um 1,4 Prozent niedriger. Insbesondere die Kosmetikproduktion war rückläufig. Trotz leichter Preiszuwächse lag der Spartenumsatz 2,4 Prozent unter Vorjahresniveau. Insbesondere der inländische Absatz konnte nicht an das gute Vorjahr anknüpfen.

Ausblick: Deutsche Chemie legt Wachstumspause ein

Die Chemiekonjunktur in Deutschland hat sich im bisherigen Jahresverlauf spürbar abgeschwächt. Die Finanzmarktkrise dämpfte die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nicht nur in den USA. Auch eine Reihe europäischer Länder bekam die Auswirkungen deutlich zu spüren, besonders Spanien und Großbritannien. Die europäische Industriekonjunktur verlor an Dynamik. Entsprechend zurückhaltend fiel die Nachfrage der industriellen Kunden nach chemischen Produkten aus.

Zusätzlich sorgten die rasant ansteigenden Ölpreise für einen erheblichen Kostendruck und der starke Euro belastete die preisliche Wettbewerbsfähigkeit europäischer Produzenten. Angesichts dieser Belastungsfaktoren stieg die deutsche Chemieproduktion im laufenden Jahr kaum noch. Im zweiten Quartal schmolz das Wachstum auf gerade einmal 0,4 Prozent ab.

Dennoch war die Stimmung der Branche vergleichsweise gut. Die vom ifo-Institut befragten Chemieunternehmen beurteilten die aktuelle wirtschaftliche Lage weiterhin positiv. Die Gründe: Nach vier erfolgreichen Chemiejahren in Folge konnte man das hohe Produktionsniveau zumindest halten, die Kapazitäten waren gut ausgelastet und der Umsatz lag immer noch fast 5 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Kurzum, man ist mit dem bisherigen Chemiejahr durchaus zufrieden.

Allerdings wurde die weitere Geschäftsentwicklung von den Unternehmen zuletzt deutlich zurückhaltender beurteilt. In den Chefetagen der Chemieunternehmen ist man überwiegend der Meinung, dass sich die Chemiekonjunktur in der zweiten Jahreshälfte weiter abschwächt. Mit einem Einbruch der Chemieproduktion wird aber nicht gerechnet.

Die Konjunkturaussichten haben sich in den letzten Monaten verschlechtert. Im Inlandsgeschäft dämpft die nachlassende Industriekonjunktur die Chemienachfrage. Zwar profitieren derzeit noch viele industrielle Kunden der deutschen Chemieunternehmen vom Investitionsschub in Asien. Die Auftragsbücher vieler Branchen sind noch gut gefüllt. Allerdings rechnet die deutsche Industrie in den kommenden Monaten mit einer deutlichen Abschwächung des Produktionswachstums. Der Auftragseingang ist bereits rückläufig. Die inländische Nachfrage nach Chemikalien dürfte daher im weiteren Jahresverlauf kaum noch zulegen. Auch für das Auslandsgeschäft haben sich die Perspektiven verschlechtert. In den europäischen Nachbarländern, in den USA und zunehmend auch in Asien schwächt sich das Wirtschaftswachstum ab. Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe wird die Dynamik in den kommenden Monaten spürbar nachlassen. Die Auslandsnachfrage nach Chemikalien aus deutscher Produktion wird daher deutlich schwächer wachsen als in den vorangegangenen Jahren. Zudem belastet der starke Euro das Exportgeschäft der deutschen Chemieunternehmen.

Angesichts der weltweiten Konjunkturschwäche legt die deutsche Chemie eine Wachstumspause ein. Für das Gesamtjahr 2008 rechnet der VCI daher nur noch mit einer Ausweitung der deutschen Chemieproduktion um ein Prozent. Die Erzeugerpreise werden im Branchendurchschnitt um 3,5 Prozent zulegen. Der Branchenumsatz dürfte damit um 4,5 Prozent steigen.

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