Einkaufsmanagerindex Konjunktur soll 2015 wieder an Fahrt aufnehmen

Die deutsche Wirtschaft hat im November weiter an Schwung verloren. Der saisonbereinigte Markit/BME-Einkaufsmanager-Index, der die Geschäftslage von über 500 Unternehmen des produzierenden Gewerbes in einem Wert zusammenfasst, sank binnen vier Wochen von 51,4 Punkten auf aktuell 49,5 Zähler, wie der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilt.

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Der Konjunkturzug rollt abwärts, befürchten die deutschen Einkaufsmanager.
Der Konjunkturzug rollt abwärts, befürchten die deutschen Einkaufsmanager.
(Bild: Deutsche Bahn)

Damit liege der viel Konjunktur-Frühindikator erstmals seit September wieder unter der 50-Punkte-Wachstumsmarke. Gleichzeitig sank der Einkaufsmanagerindex damit auf ein 17-Monatstief, wie es in der Mitteilung weiter heißt. Sein bisheriger Durchschnittswert für das vierte Quartal entspreche dem tiefsten Stand seit dem Frühjahr 2013. Der aktuelle Index notiere um sieben Punkte niedriger als noch zu Beginn 2014. Hauptgründe für die sich abzeichnende konjunkturelle Abkühlung seien sinkende Auftragsbestände, schrumpfende Fertigwarenlager und rückläufige Neuaufträge.

Schwacher Euro und niedriger Ölpreis könnten der Konjunktur helfen

„Angesichts geopolitischer Krisen und einer weiter schwächelnden Weltwirtschaft haben zurzeit viele Unternehmen große Schwierigkeiten, neue Aufträge zu gewinnen. Daher habe ich nur wenig Hoffnung, dass die Industrie zum Jahresende noch einmal PS auf die Straße bringt“, sagt Dr. Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des BME. Daran könnten seiner Ansicht nach auch die anhaltend günstigen Rohstoffpreise nichts ändern.

„Wie von mir erwartet, hat der Einkaufsmanagerindex seinen Abwärtstrend noch nicht beendet. Im Oktober konnte er sich zwischenzeitlich zwar stabilisieren, jüngst ist er aber wieder unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen“, sagt Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen. Die konjunkturelle Delle werde sich also voraussichtlich ins nächste Jahr hineinziehen. Allerdings sollte es im weiteren Verlauf eine deutliche Erholung geben. Traud erläutert: „Sowohl die Abwertung des Euros als auch der kräftige Fall des Rohölpreises werden bald wie eine Konjunkturspritze wirken. Das Wachstum wird 2015 mit 1,3 % zwar nicht gigantisch, aber immerhin noch hoch genug sein, um weitere Arbeitsplätze zu schaffen.“ Deutschland werde sich dann auf die Vollbeschäftigung zu bewegen – allerdings bis auf einen Bereich: „Die Einführung des Mindestlohns wird die Beschäftigungsschwelle für Geringqualifizierte weiter erhöhen“, meint Traud abschließend.

Volkswirte erwarten nur zaghaften Aufschwung

„Das Konjunkturjahr endet in Moll, der vorherrschenden Tonart in 2014“, kommentiert Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, die aktuellen Einkaufsmanagerindex-Daten für November. Wenngleich die deutsche Konjunktur in diesem Jahr nicht abgestürzt sei, so sei sie doch auf den Boden der Tatsachen heruntergeholt worden. Kater sagt: „Eine schwache Nachfrage aus dem Ausland, insbesondere aus den europäischen Nachbarländern, konnte durch die Binnennachfrage nur teilweise ausgeglichen werden. In den kommenden Monaten wird die Konjunktur weiterhin schwammig bleiben.“

Die deutsche Wirtschaft gehe daher mit nur wenig Schwung ins neue Jahr. Zurzeit verunsichere der Rohölpreisrückgang als Zeichen nachlassender weltweiter Konjunktur die Unternehmen. 2015 sollte die Konjunktur laut Kater „jedoch bei niedrigen Energiekosten und einem schwachen Wechselkurs wieder Fahrt aufnehmen“.

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