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Zusammenwirken von Pharma und Medizintechnik

Kompromissdenken ist innovationsfeindlich – Potenzial von Kombinationsprodukten

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Aber das birgt natürlich auch Verbesserungspotenzial. Vor allem geht es Hoffmann um die Weiterverfolgung und Bereitstellung von Wirkstoffen, für die Pharmaunternehmen keine Primärzulassung erhalten konnten. „Denn was bei einer systemischen Therapie nicht funktioniert, kann lokal verabreicht zum Volltreffer werden“, sieht Hoffmann erfolgsversprechende Perspektiven. Doch die Praxis sieht anders aus. Einmal eingestellte Entwicklungen werden seitens der Pharmaindustrie nicht wieder aufgegriffen. Dafür ist der Medtech-Markt zu klein, sind die Differenzen zum Potenzial eines neuen Blockbuster-Medikamentes zu groß.

Orphan-Drug-Konzept für Kombinationsprodukte

Und hier sind auch einem innovativen Unternehmen wie Hemoteq Grenzen gesetzt. Zwar hat der Medtech-Dienstleister in den 15 Jahren seines Bestehens große Pharma-Expertise aufbauen können, aber mehr als eine Mediatorrolle ist hier nicht möglich. Und Hoffmann weiß, dass er der Pharmaindustrie einiges abverlangt, wenn er sie ermutigt, die Entwicklung von Produkten ohne Primärzulassung wieder aufzugreifen.

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Für eine Verbesserung könnte hier die Orientierung am Orphan-Drug-Konzept sorgen, das die Entwicklung von Medikamenten für seltene Krankheiten politisch fördert. „Entsprechende Regelungen sollten auch für die Entwicklung von Kombinationsprodukten gelten“, fordert Hoffmann. So könnten auch Wirkstoffe ohne Primärzulassung kontrolliert – aber ohne den ganz großen finanziellen Aufwand – in die Anwendung gelangen. Die Folge: Viele neue Produktkonzepte der KMU könnten endlich umgesetzt werden. „Hier liegt das größte Innovationspotenzial, mehr noch als bei Big Pharma oder Big Medtech“, ist Hoffmann überzeugt.

Nicht nur Stents und Dilatationskatheter gehen als Kombinationsprodukte

Bisher sind Kombinationsprodukte indes erst in wenigen Segmenten erfolgreich, vor allem als Stents und Dilatationskatheter für die interventionelle Kardiologie und die Angiologie. In der Pipeline befinden sich Lösungen für die Ophthalmologie, Otologie und Orthopädie sowie für die lokale Tumortherapie. Die Perspektive ist also da. Es gibt aber auch genügend Hemmnisse. So wurden vor allem die Zulassungsbedingungen jüngst massiv erschwert. Das macht die Entscheidung zur Entwicklung entsprechender Produkte für Unternehmen immer schwieriger – trotz Entlastung für die Patienten. Zudem sind die Prozesse lang und teuer. „Zu lange und zu teuer“, legt Hoffmann den Finger in die Wunde. Die Märkte entwickeln sich daher nicht oder erst verspätet.

Kooperation zwischen Pharma und Medtech früh anlegen

Zudem zeigt die Vergangenheit, dass die Regularien international uneinheitlich ausgelegt wurden, was zum Teil Produkte auf den Markt brachte, denen das besser verwehrt geblieben wäre. „Die große Schwäche im europäischen Regulierungssystem ist die uneinheitliche Interpretation und Umsetzung, nicht aber die Qualität der Regulierung an sich. Wenn hier Gleichheit geschaffen wird, kommen nicht nur mehr Produkte in die Zulassung, sondern auch die richtigen“, so Hoffmann.

Dafür bedarf es einer früh angelegten Kooperation zwischen Pharma und Medtech – vor allem, um den Kreis der verfügbaren Wirkstoffe auf Wirkstoffe ohne unlösbare Investitionshemmnisse zu erweitern. „Zurzeit werden Wirkstoffe für Kombinationsprodukte häufig suboptimal ausgewählt. Dieses Kompromissdenken ist innovationsfeindlich“, wird Hoffmann noch einmal sehr bestimmt.

Skalierbare Leistungsfähigkeit

Dennoch ist Hoffmann nicht um die Zukunft bange. Nicht zuletzt durch die Zugehörigkeit zu Freudenberg Medical (seit August2015) glaubt er weiter an Wachstum und Langfristigkeit. Beides Faktoren, denen vor allem auch die Kunden von Hemoteq als Single Source allerhöchste Bedeutung beimessen. „Durch Freudenberg Medical können wir nicht mehr nur beschichten, sondern auch Produkte bauen, und profitieren natürlich von den Konzern-Kompetenzen in Entwicklung und Vertrieb.“ Klar ist: Die Leistungsfähigkeit eines Michael Hoffmann ist nur bedingt skalierbar, die von Freudenberg Medical dagegen mehr oder weniger uneingeschränkt.

Der Beitrag erschien zuerst auf dem Portal unserer Schwestermarke Devicemed.

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Über den Autor

 Peter Reinhardt

Peter Reinhardt

Chefredakteur, DeviceMed - Für Profis der Medtech-Branche