Malaria Kommt der Durchbruch in der Malariabekämpfung?

Redakteur: Dana Hoffmann

Der Sommer kann ganz schön nerven. Tagsüber die brütende Hitze, nachts das ewig konstanten Surren der gemeinen Schlafzimmermücke. Aber andere Menschen haben wirkliche Probleme: Malaria. Die Tropenkrankheit kostet in jeder einzelnen Minute ein Kind das Leben. Medikamente schlagen immer schlechter an, aber eine lindernde Impfung könnte bald kommen und auch die Gentechnik arbeitet an Lösungen.

Firma zum Thema

Mücken der Art Anopheles übertragen die Malaria.
Mücken der Art Anopheles übertragen die Malaria.
(Foto: commons.wikimedia.org/Patho (CC BY))

Malaria ist aktuell eine der gefährlichsten vermeidbaren Krankheiten der Welt. Ihr Potential haben sonst nur noch Tuberkulose und AIDS. Nach Schätzungen der WHO gab es 2012 etwa 200 Millionen Infizierte, fast 630.000 Menschen sind an der gefährlichsten Form Malaria tropica gestorben, die weit überwiegende Mehrheit in Afrika.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Zwar ist dies die niedrigste Zahl seit zehn Jahren, aber die Infektionsraten hängen von den Wetterverhältnissen im jeweiligen Jahr ab, die die Entwicklung der übertragenden Mücken beeinflussen. Am häufigsten sind mit 70 Prozent Kinder unter 5 Jahren betroffen. Schwere Malariaformen werden für 20 Prozent der Kindersterblichkeit in diesen Ländern verantwortlich gemacht. Erwachsene Überlebende scheinen im Laufe ihres Lebens in gefährdeten Gebieten eine Teilimmunität zu entwickeln.

Ein Problem der dritten Welt

Malaria ist hauptsächlich dort verbreitet, wo die sozio-ökonomischen Verhältnisse breiter Bevölkerungsschichten äußerst prekär sind – eine vornehme Umschreibung für bittere Armut. Ausgerechnet die Menschen, die wegen der geographischen Verhältnisse am stärksten von Malaria betroffen sind, können sich die Behandlung nicht leisten.

Auch indirekt wirkt sich ihre Armut aus, denn die Pharmafirmen halten sich ob der geringen Gewinnaussichten bei der Forschung zurück. Zwar gehört Malaria nicht zu den vernachlässigten Krankheiten dieser Welt, dennoch geben die Pharmafirmen grundsätzlich mehr Geld für die Erforschung von Wohlstandsleiden auf, die die Lebensqualität oft nur subjektiv einschränken, etwa kosmetische Leiden ihrer solventen Kunden.

Der Plasmodium-Erreger

Der Malaria-Erreger ist ein einzelliger Parasit namens Plasmodium, von dem fünf Typen Malaria auslösen können. Plasmodium falciparum ist am weitesten verbreitet. Sie löst die Malaria tropica mit den schlimmsten Krankheitsverläufen aus. Befallene Mücken infizieren bei ihrer Blutmahlzeit den Menschen, der als Zwischenwirt fungiert. Der Erreger vermehrt sich in der Leber und in den roten Blutzellen, die später aufplatzen. Giftstoffe gelangen in den Blutkreislauf, es kommt zu Fieberschüben.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Schließlich verschlechtert sich die Durchblutung und Nährstoffe sowie Sauerstoff werden nicht mehr ausreichend durch den schwer kranken und stark fiebernden Körper transportiert. Im ungünstigsten Fall treten neurologische Komplikationen wie Krampfanfälle auf. Der Erkrankte fällt ins Koma und stirbt.

Ist ein anderer Erreger für die Erkrankung ursächlich, kann die die Infektion auch immer wieder auftreten und die Infizierten erleben über Wochen hinweg Fieberschübe mit insgesamt milderen Symptomen.

Die Mücke als Überträger und Wirtstier

Zumindest scheint aber eine Infektion von Mensch zu Mensch unabhängig vom Erregertyp praktisch unmöglich, denn der Mensch ist nur Zwischenwirt für die Plasmodien. Eigentliches Ziel der Erreger sind die Stechmücken der Gattung Anopheles. Sie ist der Krankheitsüberträger (Vektor) der Malaria und wird daher auch Malaria-Mücke genannt.

Sie entwickelt sich in stehenden Gewässern in den heißen Regionen der Welt, vor allem Afrika. Die Weibchen brauchen für die Ei-Entwicklung hochwertiges Eiweiß, das sie in Form von Blutmahlzeiten an Säugetieren zuführen. Sie nehmen Plasmodien auf, wenn sie einen infizierten Menschen stechen. Der Erreger breitet sich in ihrem Körper aus und wird bei weiteren Stichen durch den Speichel auf andere Menschen übertragen.

Verlässliche Vorbeugung – zumindest für die Reichen

Eine Möglichkeit der Vorbeugung von Malaria bietet die Chemoprophylaxe. Sie besteht üblicherweise in der prophylaktischen Gabe der üblicherweise auch im Erkrankungsfall eingesetzten Medikamente. Bei geplanten Reisen in Risikogebiete beginnt der Einnahmezeitraum einige Tage vor Antritt und endet erst Wochen nach der Rückkehr. Reisenden wird außerdem empfohlen, eine Stand-by-Therapie mitzunehmen, die sie im Verdachtsfall einnehmen, um auch jenseits von ärztlicher Versorgung schnell eingreifen zu können. Von ärztlicher Seite sind für die Diagnostik Schnelltests verfügbar, die allerdings nicht vollkommen zuverlässige Ergebnisse liefern. Sicher ist nur der Nachweis des Erregers im Blut.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Der flächendeckende Einsatz, der Medikamente auch zur Prophylaxe bringt aber auch Nachteile mit sich. Einerseits ist sie für die erwachsene Bevölkerung in den Risikogebieten nicht sinnvoll, weil diese im möglichen Maß bereits selbst teilimmun ist. Zum anderen führt der massenhafte Einsatz in letztlich oft unbegründeten Fällen zu Resistenzen des Erregers gegenüber den bekannten Behandlungsmethoden

Impfung bald verfügbar

Gegen Malaria gibt es derzeit keine marktreife Impfung. Es muss davon ausgegangen werden, dass künftige Impfungen keinen 100-prozentigen Schutz bieten – zwischen 20 und 50 Prozent der Geimpften werden trotzdem erkranken, bei Säuglingen bis zu 75 Prozent. Die kommenden Impfungen können dennoch zur Bekämpfung der Malaria beitragen, indem sie die weitere Übertragung des Virus beeinträchtigen.

Der Pharmariese GlaxoSmithKline Biologicals arbeitet mit einer NGO und Geldern der Gates-Stiftung an RTS,S/AS01. Die WHO unterstützt die Entwicklung des Mittels Mosquirix ausdrücklich. Der Wirkstoff befindet sich in der abschließenden Erprobungsphase 3 und ist das derzeit aussichtsreichste Projekt dieser Art. Es setzt am Plasmodium falciparum, dem häufigsten und gefährlichsten Erregertyp an. Wenn alle weiteren Tests positiv ausfallen, soll das Mittel schon im nächsten Jahr regulär eingesetzt werden.

Medikamente: mit Kombinationen gegen Resistenzen

Für die pharmakologische Bekämpfung der Malaria stehen mehrere Mittel zur Auswahl, die je nach Einsatzgebiet, benannten Resistenzen, dem Grundzustand des Patienten, vermuteten Erregertyp und Krankheitsfortschritt sowie der konkreten Verfügbarkeit vor Ort zum Einsatz kommen. Die verschiedenen Gruppen wirken auf unterschiedlichen Wegen. Bei manchen ist die genaue Wirkungsweise noch nicht einmal sicher zu bestimmen und die Behandlung beruht auf klinischen Erfahrungen. Es gibt Varianten, bei der sich die Giftstoffe, die beim Stoffwechsel des Parasiten entstehen, gegen ihn selbst wenden. Andere unterbinden seine Atmung oder Nahrungszufuhr oder bilden freie Radikale, die den Erreger angreifen. Die Wirkstoffe werden als Tablette verabreicht, bei schweren und fortgeschrittenen Infektionen auch intravenös.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Ein zunehmendes Problem sind die Resistenzen, die die verschiedenen Erreger gegen das Arsenal an Malariamitteln entwickeln. Deshalb werden die Wirkstoffe kombiniert. Die genaue Zusammensetzung muss aber regional individuell untersucht und eingestellt werden. Auch erste Resistenzen gegen Wirkstoffkombinationen sind bekannt. Die bereits bestehenden und absehbaren Resistenzen machen deutlich, dass auch an andere Wege der Eindämmung der Malaria gedacht werden muss.

Mechanische Mückenabwehr

Von der WHO wird der Einsatz von Moskitonetzen gefördert, die oft zusätzlich mit Insektiziden behandelt wurden und die Mücken vergiften. Sie sollen über möglichst alle Schlafstätten in Risikogebieten gespannt werden, da die Mücken vor allem nachts stechen. Einige Länder geben die Netze kostenlos an die Bevölkerung ab und so ist die Abdeckung mit bis zu 88 Prozent recht groß. Allerdings machen die Menschen Anwendungsfehler, etwa weil sie nicht wissen, dass die Netze lückenlos gespannt werden müssen. Sie behindern außerdem die Luftzirkulation und werden wegen der sich stauenden Hitze gelüftet. Wenn die insektizide Wirkung nach wenigen Jahren nachlässt, bleibt zumindest die physische Abwehrfunktion der Netze erhalten.

Mit Insektiziden geht es den Mücken darüber hinaus direkt ans Leben – aber auch nützlichen Insekten. Das früher häufig verwendete DDT erwies sich schon vor Jahrzehnten als schädigend und wird daher nur noch für gezielte und räumlich begrenzte Programme verwendet. Eigens ausgebildete Einheimische besprühen die Innenwände der Hütten mit dem Gift, sodass die Mücken eingehen, wenn sie sich an daran absetzen. Aber sowohl gegen DDT als auch gegen andere klassische Insektizide, etwa Pyrethroide, entwickeln die Mücken in manchen Regionen bereits Resistenzen. Andere chemische Verfahren wie mückenabweisende Hautcremes (Repellents) werden Reisenden empfohlen, spielen aber für die einheimische Bevölkerung keine Rolle.

Umstrittene Gentechnik für den guten Zweck

Die in Deutschland leidenschaftlich umstrittene Gentechnik könnte bei der Malariabekämpfung ebenfalls eine Rolle spielen. Auch hier werden unterschiedliche Ansätze verfolgt. Ganz allgemein wird untersucht, wie die exponierte Bevölkerung im Laufe ihres Lebens eine Teilimmunität erwirbt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Die Mücken selbst sind Gegenstand der Forschung, wenn es um die Ausbreitung des Erregers geht. Männliche Anopheles-Mücken werden im Labor beispielsweise durch Strahlung sterilisiert und in die Natur entlassen. Dort begatten sie die Weibchen, die aber keinen Nachwuchs hervorbringen. Idealerweise können die Mücken-Populationen im Laufe mehrere Generationen um bis zu 80 Prozent reduziert werden.

Erreger schon in der Mücke unterdrücken

Im Inneren des Körpers muss der Plasmodium-Erreger mehrere Wachstumsphasen durchmachen – und zwar sowohl im Menschen als auch in der Stechmücke. Seine Entwicklung kann an einigen dieser Stellen unterbrochen oder so weit eingeschränkt werden, dass die Weitergabe oder eine Erkrankung unwahrscheinlich werden. Der Vorteil dieser Methoden, die keine Chemie oder Pharmazeutika brauchen, liegt vor allem darin, dass sich keine Resistenzen entwickeln können.

Aber alle diese Ansätze sind noch nicht ausgereift. Die Gentechnik trifft außerdem auf grundsätzlichen Widerstand. Gegner bringen vor, dass die Aussetzung gentechnisch veränderter Mücken einen schwer wiegenden Eingriff in das Ökosystem der Anwendungsländer bedeutet. Das ist natürlich richtig und letztlich kann niemand sicherer Vorhersagen über mögliche negative Auswirkungen treffen. Andererseits ist zu bedenken, dass auch die bislang alternativlose Verwendung von giftigen Chemikalien alles andere als umweltfreundlich ist.

Und: Es geht nicht umdas saturierte Deutschland, wo mit Gentechnik an den Erträgen von Futtermais zur Gewinnoptimierung großer Konzerne experimentiert wird. Wer wollte sich ernsthaft gegen die Anwendung aussichtsreicher Maßnahmen stellen, solange noch so viele Menschen einen eigentlich unnötigen Tod sterben?

(ID:42756258)