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Pharmaforschung in Deutschland Klinische Studien – Deutschland „forscht“ sich auf den zweiten Platz

| Redakteur: Dr. Jörg Kempf

Wie aus einer Auswertung des öffentlichen Studienregisters „clinicaltrials.gov“ hervorgeht, war Deutschland im vergangenen Jahr erneut weltweit die Nummer 2 bei klinischen Arzneimittel-Studien forschender Pharma-Unternehmen. Nationaler Spitzenreiter ist die Hauptstadt. Lesen Sie das Ranking im Detail.

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Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa): „Wir setzen seit einigen Jahren konsequent auf die Nachvollziehbarkeit dessen, was wir tun – auf Transparenz.“
Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa): „Wir setzen seit einigen Jahren konsequent auf die Nachvollziehbarkeit dessen, was wir tun – auf Transparenz.“
(Bild: Dirk Laessig / vfa)

Berlin – Mit 599 Studien liegt Deutschland vor dem Vereinigten Königreich (547 Studien) und wird nur von den USA (2397 Studien) überboten. Berliner medizinische Einrichtungen waren Spitzenreiter: Sie beteiligten sich an 226 Studien. Es folgen Hamburg (153), München (142), Frankfurt a.M. (117), Essen (86), Hannover (81), Köln (79), Dresden (77), Leipzig (69) und Heidelberg (64).

In den meisten Studien ging es um die Erprobung neuer Behandlungen gegen Krebs (136) oder Entzündungskrankheiten wie Asthma, Multipler Sklerose oder Morbus Crohn (111). Insgesamt wurden Studien zu 204 verschiedenen Krankheiten durchgeführt.

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Hintergrund: Clinicaltrials.gov und andere internationale Studienregister

Im Regelfall führen Unternehmen Studien in Kooperation mit Kliniken und Arztpraxen in vielen Ländern zugleich durch; gerade für die großen letzten Studien vor der Zulassung (die Phase-III-Studien) können es bis zu 55 Länder sein. 41 Prozent der Studien, an denen sich deutsche Kliniken und Praxen beteiligen, sind solche Phase III-Studien.

Der Wert klinischer Studien besteht nicht nur darin, zur Entwicklung neuer Therapien beizutragen. Für viele Teilnehmer, denen die bisher verfügbaren Therapien nicht mehr helfen, bedeutet es eine neue Chance, dass sie im Rahmen einer Studie mit einem neuen Medikament behandelt werden. Alle Teilnehmer werden vor, während und nach der Studie in aller Regel umfassender untersucht und intensiver betreut, als das in der Routineversorgung möglich ist – unabhängig davon, ob sie zu den Patienten gehören, die die neue Therapie oder eine Vergleichstherapie nach derzeitigem medizinischem Stand erhalten. Kliniken und Praxen, die an Studien mitwirken, halten sich medizinisch auf dem aktuellen Stand, was auch Patienten außerhalb der Studien zugute kommt.

Clinicaltrials.gov ist ein öffentlich zugängliches Online-Register und eine Ergebnisdatenbank für medizinische Studien aus aller Welt. Es wird von den U.S. National Institutes of Health, also staatlich, betrieben. Hier werden sowohl Studien von Unternehmen wie auch von forschenden Ärzten und Krankenhäusern registriert und nach Beendigung der Studien um Ergebniszusammenfassungen ergänzt. Neben klinischen Studien enthält es auch andere Studienarten wie Anwendungsbeobachtungen und Registerstudien. Zudem sind hier auch Studien zu Diagnostika und medizintechnischen Geräten zu finden.

Clinicaltrialsregister.eu ist ein von der EU betriebenes öffentliches Online-Register, in das automatisch alle in der EU genehmigten klinischen Studien aufgenommen werden. Es wird von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA (European Medicines Agency) betrieben. Es enthält Ergebniszusammenfassungen der seit Mai 2004 in der EU genehmigten klinischen Studien.

Ergebnisse von klinischen Studien, die seit August 2004 mit Beteiligung einer Arztpraxis oder Klinik in Deutschland durchgeführt wurden, finden sich in der öffentlichen Datenbank PharmNet.Bund (www.pharmnet-bund.de), das im Auftrag der Bundesregierung vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Zusammenarbeit mit den Arzneimittelbehörden BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) und PEI (Paul-Ehrlich-Institut) betrieben wird.

Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) kommentiert dazu: „Die vielen Kliniken und Arztpraxen, die am Fortschritt der Medizin mitwirken, sind eine Stärke Deutschlands. Nicht zuletzt deshalb investieren forschende Pharma-Unternehmen hierzulande jährlich rund 5,8 Milliarden Euro in Laborforschung und klinische Studien.“

Fischer weiter: „Möglich ist die Erprobung von Medikamenten in Studien nur, weil Unternehmen eng mit behandelnden Ärzten in medizinischen Einrichtungen zusammenarbeiten können; und weil einige von deren Patienten nach umfassender Aufklärung interessiert sind, an den Studien mitzuwirken. Diese Arbeit am therapeutischen Fortschritt fand jahrelang weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das hat der Akzeptanz unserer Branche nicht gut getan. Deshalb setzen wir seit einigen Jahren konsequent auf die Nachvollziehbarkeit dessen, was wir tun – auf Transparenz.“

Was in Studien geschieht, lässt sich heute schon in öffentlichen Datenbanken gut mitverfolgen. In einem nächsten Schritt würden Fischer zu Folge die forschenden Pharma-Unternehmen bis Ende Juni auch offenlegen, welche Leistungen sie im Rahmen der Zusammenarbeit mit Ärzten zahlen. „Damit werden sie zu einem Vorreiter in der Wirtschaft und im Gesundheitssystem, was Transparenz betrifft.“

(ID:44111414)