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Hüttengase chemisch nutzen Klima Expo.NRW nimmt Projekt "Carbon2Chem" auf

| Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Für das Engagement im Klimaschutz wurde das Forschungsprojekt Carbon2Chem im Rahmen des 21. Fachkongresses Zukunftsenergien der Energie Agentur.NRW in die Klima Expo.NRW aufgenommen. Das von Thyssenkrupp initiierte Projekt soll über einen Zeitraum von zehn Jahren Lösungen entwickeln, wie Hüttengase aus der Stahlproduktion als Rohstoffe für chemische Produkte genutzt werden können.

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Hüttengase aus der Stahlproduktion sollen als Rohstoffe für chemische Produkte dienen. Das Verbund-Forschungsprojekt Carbon2Chem beschäftigt sich mit der technischen Umsetzung.
Hüttengase aus der Stahlproduktion sollen als Rohstoffe für chemische Produkte dienen. Das Verbund-Forschungsprojekt Carbon2Chem beschäftigt sich mit der technischen Umsetzung.
(Bild: gemeinfrei / CC0)

Essen – Das Forschungsprojekt Carbon2Chem beschäftigt sich damit, wie Hüttengase aus der Stahlproduktion als Rohstoffe für chemische Produkte genutzt werden können. Auf diese Weise würde ein großer Teil des darin enthaltenen Klimagases CO2 nicht mehr in die Atmosphäre abgegeben. An dem Projekt sind weitere 16 Partner aus der Grundlagen- und Anwendungsforschung sowie aus verschiedenen Industriebranchen beteiligt. Carbon2Chem wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Für dieses vorbildliche Engagement im Klimaschutz nahm Dr. Heinrich Dornbusch, Vorsitzender Geschäftsführer der Klima Expo.NRW, das Projekt offiziell im Rahmen des 21. Fachkongresses Zukunftsenergien der Energie Agentur.NRW in die Klima Expo.NRW auf. Um diesen 221. von „1000 Schritten in die Zukunft“, die die Klima Expo.NRW bis zum Jahr 2022 aufzeigt, auch symbolisch zu würdigen, nahm Dr. Heinrich Dornbusch die Schuhabdrücke von Dr. Reinhold Achatz, Technologiechef von Thyssenkrupp, ab.

In zehn Jahren zur industriellen Anwendung

Bislang werden Hüttengase aus der Stahlproduktion hauptsächlich genutzt, um in Kraftwerken elektrische Energie und Wärme für die Fertigungsprozesse zu erzeugen. Dabei könnten die Prozessgase - darunter CO2 - auch als Rohstoff genutzt werden. So würde auch das Klimagas CO2 nicht mehr in die Atmosphäre abgegeben. Für die chemischen Prozesse soll Überschussstrom aus erneuerbaren Quellen eingesetzt werden. Bis die Technologie industriell anwendbar ist, soll es etwa zehn Jahre dauern.

Neue Katalysatoren und Verfahren gesucht

Die grundlegenden chemischen Abläufe und die benötigten Technologien für die industrielle Nutzung der Hüttengase sind bereits weitestgehend bekannt. Schon jetzt ist die Umwandlung von Prozessgasen aus der Hütte in Ammoniak als Vorprodukt für Düngemittel technisch machbar, wenn auch noch nicht wirtschaftlich. Dabei würde auch ein Teil des in den Hüttengasen enthaltenen CO2 verwertet. Möglich wäre aber auch die Erzeugung von Methanol, dabei würden die enthaltenen CO2-Anteile fast vollständig verwertet.

Die schwankende Energieerzeugung aus Erneuerbaren Energien ist dagegen noch eine Herausforderung: Hierbei werden bei der chemischen Umwandlung Katalysatoren gebraucht, die starke Schwankungen im Prozess verkraften. Speziell in diesem Bereich besteht noch Forschungs- und Entwicklungsbedarf.

Außerdem müssen wirtschaftliche Verfahren zur Herstellung von Wasserstoff entwickelt werden, die auch bei stark schwankender Energieversorgung funktionieren. Die Reinigung und Aufbereitung der Hüttengase bietet ein weiteres Forschungsfeld.

Carbon2Chem als Pilotprojekt

Auf dem Gelände von Thyssenkrupp Steel Europe in Duisburg hat im vergangenen November der Bau eines neuen Technikums begonnen. In dem Gebäudekomplex mit circa 2600 m2 Nutzfläche sollen die Carbon2Chem-Prozesse im Pilotmaßstab erprobt und Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in den industriellen Maßstab überführt werden. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2018 geplant. BMBF fördert Carbon2Chem mit mehr als 60 Millionen Euro.

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