Effiziente Logistik Kleine Rädchen – große Wirkung: Logistik optimieren für Salutas Pharma

Redakteur: Marion Henig

Wie macht man etwas gut Funktionierendes noch besser? Die Lager- und Versandabteilung der Salutas Pharma GmbH, ein Musterbeispiel moderner, hochtechnisierter und effizienter Logistik, soll optimiert werden. Eine komplexe und diffizile Aufgabe, die von den Logistikexperten des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg schnell und erfolgreich erfüllt werden konnte.

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Die Salutas Pharma GmbH in Barleben, Sachsen-Anhalt, zählt zu den wichtigsten Generikaherstellern Deutschlands. Das Werk im Norden Magdeburgs ist eines der modernsten und leistungsfähigsten Produktions- und Logistikzentren für Pharmaprodukte in ganz Europa. Die Hexal-Tochter beschäftigt über 1.400 Mitarbeiter, die jährlich mehr als acht Milliarden Tabletten und Kapseln herstellen.

Als Mitglied der Sandoz-Gruppe produziert Salutas Generika für weltweit 70 Schwestergesellschaften des Konzerns. Das eigenständige Tochterunternehmen übernimmt zudem auch Aufträge von Drittkunden. Gleichzeitig lagern in Barleben nicht nur die Produkte aus der eigenen Herstellung. Große Teile stammen von anderen Produktionsstandorten, die im Barleber Logistikzentrum ebenfalls gesammelt und auftragsbezogen neu kommissioniert werden.

364 Millionen Packungen für Tabletten und Kapseln werden so durchschnittlich pro Jahr bearbeitet. Sie werden in riesigen, mehrere Stockwerke hohen Regallagern, die fast 50.000 Europaletten gleichzeitig fassen können, gesammelt. Die Behälterlager, welche die neu kommissionierten Waren anschließend aufnehmen, bieten Platz für 148.000 Mehrwegbehälter. Automatisierte Logistikanlagen sorgen für eine effiziente, reibungslose Lagerung, Verpackung und Kommissionierung der Waren. Die fehlerfreie Handhabung und punktgenaue Versendung der enormen Warenmengen ist eine Aufgabe, die allen Beteiligten viel abverlangt. Hexal hat in dieser Hinsicht einen Ruf zu verlieren. Denn der Arzneimittelhersteller, für den Salutas produziert, wird von den Kunden nicht zuletzt auch wegen seiner Zuverlässigkeit, Liefertreue und -geschwindigkeit geschätzt.

Just-in-Time

Dennoch macht die Entwicklung auch vor keinem noch so hoch technisierten und leistungsfähigen Produzenten und Dienstleister halt. Die gesamte Branche sieht sich dem permanenten Trend zu immer weniger Lagerhaltung und gleichzeitig kürzeren Bestellzyklen gegenüber. Just-in-Time ist auch in der generischen Pharmaindustrie angekommen. Das ist eine große Herausforderung für die Unternehmen und setzt permanente Optimierungen in der gesamten Produktions- und Logistikkette, bis hin zur Auslieferung beim Endkunden voraus. Ein Effekt sind etwa die immer geringer werdenden Transportgrößen, da die Kunden nur noch punktuell und exakt nach ihrem aktuellen Bedarf bestellen. Das heißt aber auch, dass auch die Lieferung selbst noch schneller als bisher erfolgen muss.

Die Regel ist, dass Bestellungen, auch kleinste Größen, einen Tag nach der Order beim Kunden sein müssen. Im Extremfall bedeutet es, dass ein Hersteller von einer Minute auf die andere zu reagieren hat, um alle Produkte in der gewünschten Menge zum frühest möglichen Zeitpunkt zu liefern. Engpässe oder Schwierigkeiten in der logistischen Planung darf sich niemand erlauben. Überall auf der Welt stehen bereits Wettbewerber bereit, um einzuspringen. Der Pharmamarkt, insbesondere für Generika, ist heiß umkämpft.

Optimale Logistik ist besonders marktrelevant

Trotz eines ausgeklügelten Logistikkonzeptes ist man bei Salutas deshalb ständig bestrebt, die Outputleistung des Werkes immer weiter zu optimieren. Das resultierte schließlich im Jahr 2009 in einem Auftrag für das Fraunhofer-Institut in Magdeburg. Es wurde damit betraut, im Rahmen eines auf drei Monate begrenzten Projektes die Potenziale des Barleber Werks zu prüfen und Vorschläge für eine Effizienzsteigerung der Logistikleistung des Unternehmens zu entwickeln. Ein Auftrag, der vom Fraunhofer IFF mit Freude angenommen wurde. Es war das erste Mal, dass die Logistikexperten des Magdeburger Fraunhofer-Instituts einen solchen Auftrag aus der Pharmabranche erhielten. Ein besonderer Vertrauensbeweis in die Fähigkeiten und das zuvor vorgelegte Konzept der Forscher. Der Auftrag lautete, den Verschickungsprozess vollständig zu optimieren und zu beschleunigen. Das beinhaltet den gesamten Prozess, beginnend beim Eingang der Waren im Lager, bis hin zum Abtransport durch die Spediteure. Leistungsverbesserungen in diesem Bereich sind von erheblicher Bedeutung für das Gesamtunternehmen. Nicht nur wegen der Tatsache, dass es sich bei der weiteren Flexibilisierung und Beschleunigung der Versandabläufe um einen besonders marktrelevanten Aspekt handelt. Es ist auch der Bereich, in dem letztlich der Umsatz generiert wird. Jede Packung mehr, die in der gleichen oder in kürzerer Zeit verschickt werden kann, bedeutet auch ein Mehr an Umsatz.

Kleine Rädchen – große Wirkung

Das Projekt begann mit einer intensiven Prozessanalyse sämtlicher Arbeitsabläufe und Warenströme innerhalb des Werkes. Das betraf die Untersuchung des Wareneingangs, des Warenausgangs und aller Zwischenschritte. Die Lagerung, die Verteilung oder die Neukommissionierung für den Kunden – alles wurde einer Prüfung unterzogen. Darauf aufbauend schloss sich ein sogenanntes Mapping an, also eine Visualisierung der dokumentierten Abläufe. Dieses Mapping schließlich bildete die Grundlage für eine detaillierte Defizitanalyse. Schnell konnten die Logistikexperten einige entscheidende Positionen identifizieren. Zum Teil waren es nur kleine Rädchen, an denen es zu drehen galt. Doch schon allein mit solch ersten Optimierungen ließ sich eine deutliche Verbesserungen der Logistikleistung erzielen.

Umstellung der Ablauforganisation

Bei der Überarbeitung der logistischen Abläufe war von den Forschern jedoch stets auch eine Reihe von Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Zum Beispiel die regelmäßig auftretenden Schwankungen der Auftragsmengen, etwa aufgrund der wechselnden saisonalen Nachfrage. Um dem richtig zu begegnen, muss eine Vielzahl weiterer Aspekte in die Überlegungen mit einbezogen werden. Etwa die Personalplanung, die Lieferantensteuerung, die Bevorratungsstrategie oder die Steuerung der Spediteure. Vor allem Letztere stellen eine wichtige, aber leider oft unbekannte Größe dar. Sie sind nicht unmittelbar im System verankert und als externe Elemente somit auch schwierig zu steuern. Ihre perfekte Einbeziehung in die Abläufe einer modernen Just-in-time-Produktion und -Lieferung ist für jeden Hersteller eine enorme logistische Herausforderung. Sie sind die Schnittstelle. Sie müssen letztlich den Liefertermin einhalten. Daher muss auch die Übergabe der Ware an sie extrem pünktlich vonstatten gehen.

In der Folge wurde im Fraunhofer IFF ein mehrstufiges Modell entwickelt, nach dem die Anpassungen im Logistikzentrum vonstatten gehen sollten. Eine erste Stufe konnte in Teilen schon während der noch laufenden Analyse initiiert werden. Sie betraf vor allem die Optimierung der kleineren Arbeitsabläufe, die sich ohne Probleme und größere Umstellungen vornehmen ließen. Erwartungsgemäß konnte in der Summe jedoch bereits durch ihre Umstellung eine spürbare und gewinnbringende Effizienzzunahme in der Ablauforganisation verzeichnet werden.

Anlagenoptimierung

In einer nächsten Stufe wird die Anlagentechnik selbst in den Mittelpunkt gestellt werden. Ein mit Sicherheit kein besonders einfaches Vorhaben. Schließlich handelt es sich bei der hochautomatisierten Anlage des Barleber Salutas-Werkes um eines der modernsten Logistikzentren Europas. Technische Veränderungen würden nicht nur, zumindest partiell, die Abläufe tangieren. Sie sind auch mit Investitionen verbunden. Außerdem wird Zeit benötigt, die notwendigen Schritte einzuleiten.

Eine wahre Herausforderung also für Verantwortliche und Mitarbeiter, die sich aber lohnen wird. Nach ihrer Umsetzung ist mit einer weiteren deutlichen Effizienzsteigerung zu rechnen. Wird das zu erwartende Ergebnis erreicht, ließe sich die geplante Investition in die Umstrukturierung der Logistikanlage nach kürzester Zeit amortisieren. Mit den dann zu erwartenden Absatzerhöhungen werden alle Beteiligten mehr als zufrieden sein können.

* Dr.-Ing. Frank Ryll, Dipl.-Ing. Eyk Flechtner, Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF

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