Wasserforschung KIT koordiniert Netzwerk Wasserforschung in Baden-Württemberg

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Die immer größer werdende Lücke zwischen Wasserangebot und -nachfrage durch die steigende Weltbevölkerung und Urbanisierung ist ein zentrales Thema der Umweltforschung. Um die vielfältigen Aktivitäten der deutschen Universitäten auf diesem Gebiet stärker zu vernetzen, hat das Netzwerk Wasserforschung Baden-Württemberg jetzt seine Arbeit aufgenommen.

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Wissenschaftler des Forschernetzwerks Eff-Net untersuchen Wirkungen von Chemikalien auf Lebewesen im Ökosystem Wasser.
Wissenschaftler des Forschernetzwerks Eff-Net untersuchen Wirkungen von Chemikalien auf Lebewesen im Ökosystem Wasser.
(Bild: KIT)

Karlsruhe – Die Initiative des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) hat seine Geschäftsstelle am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eingerichtet, Sprecher für die ersten drei Jahre ist Prof. Harald Horn vom KIT. Mit der Geschäftsstelle wird für die Wissenschaft wie für die Gesellschaft eine zentrale Anlaufstelle für die Wasserforschung in Baden-Württemberg geschaffen.

„Die Verbindung unterschiedlicher Disziplinen und Themenschwerpunkte in der Wasserforschung – wie sie sich auch unter dem Dach des KIT abbildet – bietet eine ausgezeichnete Basis, um das Netzwerk zu vertreten, komplementäre Ressourcen zu bündeln und weitere gemeinsame Forschungsperspektiven in Baden-Württemberg zu entwickeln“, so Prof. Detlef Löhe, Vizepräsident des KIT für Forschung und Information.

Vielfältige Herausforderungen

Die Herausforderungen für die Wasserforschung sind dabei vielfältig: Die Lücke zwischen verfügbarem Wasserangebot und steigender Wassernachfrage wird größer. Ein Drittel der Weltbevölkerung, so die Global Water Partnership (GWP), lebt bereits heute unter „Wasserstress“, sowohl im Hinblick auf die Wassermenge als auch die Wasserqualität, Wasser ist damit auch eine Ressource mit Konfliktpotenzial.

„Schon aus regional baden-württembergischer Perspektive spiegeln zahlreiche Umweltprobleme das komplexe Spannungsfeld zwischen der Nutzung der Ressource Wasser einerseits und deren Schutz andererseits“, so Horn. Oft seien Nutzungskonflikte die Folge, etwa zwischen Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung wie bei Nitrat- und Pestizideinträgen in das Grundwasser, zwischen Raumplanung und Hochwasserschutz wie beim Bau von Poldern in Auen, oder zwischen Energieversorgung und Gewässerschutz wie bei der Kühlwassernutzung thermischer Kraftwerke während Hitzeperioden.

Projekt „Eff-Net“ – Risikobewertung von Chemikalien in Gewässern

Drei standortübergreifende Projekte fördert das MWK nun für fünf Jahre als Forschernetzwerke mit jeweils rund zwei Millionen Euro. Das KIT ist gemeinsam mit den Universitäten Heidelberg (Sprecherhochschule) und Tübingen am Netzwerk „Eff-Net“ beteiligt (Effect Network in Water Research). Dabei geht es um Wirkungszusammenhänge für die Risikobewertung von vom Menschen in Gewässerökosysteme eingetragenen Chemikalien (Arzneimittel und Lebensmittelzusatzstoffe sowie deren Umwandlungsprodukt). Eff-Net verbindet naturwissenschaftliche Grundlagenforschung mit sozialwissenschaftlichen Ansätzen. Eine solch umfassende Risikobewertung stellt eine Notwendigkeit für weitere Entscheidungsprozesse dar.

Dazu entwickeln die Forscherinnen und Forscher ein analytisches Netzwerk, das es ermöglicht, zunächst Lebensmittelzusatzstoffe (insbesondere künstliche Süßstoffe) und Medikamente (insbesondere Antidepressiva und Antidiabetika) sowie deren Umwandlungsprodukte in Gewässern zu identifizieren und zu quantifizieren. Außerdem werden die Wirkungen dieser Stoffe auf Lebewesen im Ökosystem Wasser auf der Ebene von Molekülen, Zellen und ganzer Organismen untersucht. Die Arbeitsgruppen des KIT beschäftigen sich mit den Wirkungen auf Stoffwechselwege in der Zelle (Rezeptoren und Signalwege) sowie auf bakterielle Gemeinschaften der Darmflora und damit Vitalität höherer Wasserorganismen.

Ziel von Eff-Net ist es nicht nur, biologische Risiken zu identifizieren, sondern auch ihnen entgegenzuwirken. Dazu werden die Forschungsergebnisse gesellschaftlichen Interessengruppen (Konsumenten, politische Entscheidungsträger) vorgestellt und mit ihnen diskutiert, um darauf aufbauend Konzepte zur Steuerung von Konsumentenverhalten und für die Umweltgesetzgebung zu entwickeln.

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