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Fracking Kippt der Fracking-Verzicht? Öl- und Gasindustrie droht – Umweltinstitut fordert zügiges Verbot

| Redakteur: Dr. Jörg Kempf

Seit fünf Jahren verzichtet die Öl-und Gasindustrie in Deutschland auf das umstrittene Fracking. Jetzt drohte der Vorsitzende Martin Bachmann auf der Jahrestagung des Bundesverbandes Erdöl, Erdgas und Geoenergie (BVEG) mit dem Bruch des De facto-Moratoriums. Die Antwort des Umweltinstituts ließ nicht auf sich warten.

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Der Frackingprotest wird neu befeuert.
Der Frackingprotest wird neu befeuert.
(Bild: Protecting Gloucester / Kate Ausburn / geändert / BY 2.0)

Hannover, München – Deutliche Worte auf der BVEG-Jahrestagung: Martin Bachmann erklärte, die Industrie würde ab sofort die Bearbeitung von Fracking-Anträgen einfordern, auch wenn das umstrittene Fracking-Gesetzespaket der Bundesregierung weiterhin nicht verabschiedet würde. Und Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies kündigte an, er wolle notfalls ohne den Bund eine Regelung zu Gunsten der Öl- und Gasindustrie auf Länderebene schaffen.

Beim Umweltinstitut München führte dies postwendend zu Unverständnis: Man fordere die Bundesregierung dazu auf, jetzt ein generelles Fracking-Verbot zu beschließen, um endlich Rechtssicherheit zu schaffen. Franziska Buch, Referentin für Energie und Klima beim Umweltinstitut: „Es ist unerhört, dass sich Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies zum Erfüllungsgehilfen der Frackingindustrie macht. Die Regierungsparteien dürfen sich nicht aus wirtschaftlichen Erwägungen von den Drohungen der Gasindustrie unter Druck setzen lassen.“

Laut Umweltinstitut weisen immer mehr aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen die Gefahren von Fracking für Grundwasser und Klima nach. So haben Wissenschaftler des Helmholtz Zentrum München kürzlich herausgefunden, dass auch harmlose Fracking-Chemikalien im Untergrund für den Menschen gefährliche Transformationsprodukte bilden (PROCESS berichtete).

KlimaforscherInnen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hatten Anfang des Jahres mit atmosphärischen Hintergrundmessungen bewiesen, dass der sprunghafte Anstieg des aggressiven Klimagases Methan in der Atmosphäre seit 2007 in direktem Zusammenhang mit dem Fracking-Boom in den USA steht (die Studie finden Sie hier). Sie widerlegten damit ebenso wie Harvard-WissenschaftlerInnen die Angaben der US-Umweltbehörde EPA, dass es keinen signifikanten Methan-Anstieg durch Fracking gebe.

Das Umweltinstitut kritisiert, dass sich die Große Koalition bisher nicht auf ein Fracking-Verbot einigen konnte. Das räche sich jetzt, wie Franziska Buch meint: „Es gibt immer mehr handfeste wissenschaftliche Beweise der Schäden für Umwelt, Gesundheit und Klima durch Fracking. Die Bundesregierung darf das Thema deshalb nicht länger auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben, sondern muss zügig ein generelles Fracking-Verbot beschließen, um dem angekündigten Bruch des Moratoriums zuvor zu kommen.“

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