Kälteanlagen sicher und ordnungsgemäß betreiben Kälteanlagen – Diese Vorschriften müssen Sie beachten

Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Vorschriften zu Bau und Betrieb einer Kälteanlage sind gesetzlich festgeschrieben – ebenso die Frage, welche Kältemittel wie zu entsorgen sind. Doch gerade die Vielzahl an Regelwerken auf europäischer, nationaler und Länderebene erschwert es Betreibern oftmals, wesentliche Aspekte im Auge zu behalten. Was sie in puncto Anlagensicherheit beachten müssen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Oft können Dienstleister bei Wartung, Dokumentation und Inbetriebnahme helfen.
Oft können Dienstleister bei Wartung, Dokumentation und Inbetriebnahme helfen.
(Bild: Gea Refrigeration)

Beim Kälteanlagenbau und -betrieb müssen einige gesetzliche Vorschriften beachtet werden. Unklarheit herrscht z.B. bei der Verantwortung. Wer genau ist per Gesetz Betreiber und ab wann verantwortet er den Anlagenbetrieb? Grundsätzlich ist der Eigentümer der Betreiber.

Was viele oft nicht wissen: Bei dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme bestehen rechtliche Unterschiede. Während für die Erstinbetriebnahme im Laufe des Herstellungsprozesses der Anlagenbauer noch verantwortlich ist, ist der Betreiber bei Inbetriebnahme nach Übergabe bzw. dem Gefahrenübergang während der Probebetriebsphase schon alleine in der Pflicht. Bei Übergabe der Anlage obliegt dem Betreiber auch eine Gefährdungsbeurteilung nach § 3 der Betriebssicherheitsverordnung, aus der gegebenenfalls Maßnahmen für die betriebliche Sicherheit abgeleitet werden müssen.

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Dichtheitstest und Kontrolle von Alarmeinrichtungen

Die Gesetzeslage gestaltet sich – wie so oft – in den europäischen Ländern unterschiedlich. In der Schweiz definiert die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (Chem RRV), welche Kältemittel bei welcher Nutzung und Kälteleistung anzuwenden sind. Für natürliche Kältemittel gilt: Ab einer Füllmenge von über 3 kg ist der Betreiber verpflichtet, ein stets aktuelles Anlagenprotokoll zu führen. Außerdem sind mindestens einmal jährlich vorbeugende Instandhaltungsmaßnahmen vorgesehen, die auch im Anlagenprotokoll dokumentiert werden müssen.

„Hierzu gehören ein Dichtheitstest und die Kontrolle von Alarmeinrichtungen, mechanischer Lüftung, Detektoren und der persönlichen Schutzausrüstung. Weiter ist die jährliche Überprüfung der Sicherheitseinrichtungen Pflicht“, erklärt Raymond Burri, Geschäftsleiter von Walter Wettstein und Mitglied der europäischen Eurammon-Initiative für den verstärkten Einsatz von natürlichen Kältemitteln.

In Deutschland ist der Betreiber gesetzlich verpflichtet, sich bestimmte Kälteanlagen behördlich genehmigen zu lassen. Dies bedeutet auch, Auflagen für Errichtung, Inbetriebnahme und wiederkehrende Prüfungen zu erfüllen. Insgesamt ist die Gesetzeslage allerdings recht kompliziert, denn neben EG-Richtlinien und nationalen Gesetzen für den Bau und die Beschaffenheit gelten länderspezifische Vorgaben für den Betrieb, meint Rainer Brinkmann, Technischer Support Industriekältetechnik bei Johnson Controls – ebenfalls Eurammon-Mitglied.

Aus dem Bereich Arbeitsschutz sind für Betreiber neben dem Arbeitsschutzgesetz und der Gefahrstoffverordnung, die Betriebssicherheitsverordnung und die Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) relevant. Zu beachten sind auch die Berufsgenossenschaftlichen Regeln (BGR) zur Unfallverhütung, die Maßnahmen zur Erfüllung unverzichtbarer Schutzziele aufzeigen. So schreibt etwa BGR 500 Kap. 2.35 „Betreiben von Kälteanlagen und Wärmepumpen“ regelmäßige sicherheitstechnische Unterweisungen für die Beschäftigten vor.

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Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland ist es üblich, dass Betreiber Dritte damit beauftragen, die Anlage in regelmäßigen zeitlichen Intervallen instandzuhalten. In der Regel sind dies die Anlagenbauer. Sollte sich herausstellen, dass angewiesene Instandhaltungsarbeiten trotz vollumfänglichem Auftrag nicht korrekt ausgeführt wurden, ist es möglich, das beauftragte Unternehmen in Regress zu nehmen.

Nichtsdestotrotz gilt: Der Betreiber bleibt gegenüber dem Gesetz in der Pflicht und hierzu gehört es auch, im Schadensfall die Konsequenzen zu tragen, so Burri. Weiter meint der Experte, dass die Gesetzgebung in der Schweiz generell eine gute Basis für ein vorbildliches Sicherheitsmanagement – von Richtlinien und Prüfpflichten bis hin zu regelmäßig durchzuführenden Detektionen biete. Betreiber, die natürliche Kältemittel einsetzen, müssen beim Sicherheitsmanagement weitere Maßnahmen ergreifen. So ist vor allem bei größeren NH3-Anlagen mit einer Füllmenge von über 2000 kg ein Einsatzplan für die Notdienste Pflicht, der in vereinfachten Bauplänen und RI-Schemata z.B. alle sicherheitsrelevanten Handabsperrventile und Komponenten aufzeigt.

Maßnahmen kontrollieren, korrigieren und dokumentieren

Auch in Deutschland ist Sicherheitsmanagement ein laufender Prozess, den der Unternehmer oder eine von ihm beauftragte Sicherheitsfachkraft leitet und in den alle Mitarbeiter einzubeziehen sind, erläutert Brinkmann. Zuerst muss der Betreiber die Gefährdungsbeurteilungen erarbeiten, die anschließend dazu dienen, Sicherheitsmaßnahmen aller Art festzulegen. Zu diesen gehören etwa erforderliche Prüfungen, Kontrollen und regelmäßige sicherheitstechnische Unterweisungen der Mitarbeiter. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen gilt es, im laufenden Betrieb kontinuierlich zu prüfen, Maßnahmen evtl. zu korrigieren und vor allem auch nachvollziehbar zu dokumentieren.

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Website von Eurammon.

* Quelle: Der Artikel beruht auf einem Eurammon-Interview mit Raymond Burri und Rainer Brinkmann.

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