VCI Jahresbilanz: Chemie 2017 Jubeljahr für die Chemie: Umsatz, Produktion und Beschäftigung erreichen neue Höchstwerte

Redakteur: Dominik Stephan

Nach Jahren der Unsicherheit hat die Chemie 2017 in sichere Fahrwasser zurück gefunden: Egal ob Umsatz, Beschäftigung oder Produktion – alle Indikatoren zeigen steil nach oben. Der Ausblick indes ist nicht völlig ungetrübt…

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Die chemisch-pharmazeutische Industrie kann 2017 auf eine erfreuliche Entwicklung zurückblicken. Dank einer guten heimischen Industriekonjunktur und der Belebung der Weltwirtschaft stieg die Nachfrage nach Chemikalien deutlich an.
Die chemisch-pharmazeutische Industrie kann 2017 auf eine erfreuliche Entwicklung zurückblicken. Dank einer guten heimischen Industriekonjunktur und der Belebung der Weltwirtschaft stieg die Nachfrage nach Chemikalien deutlich an.
(Bild: VCI)

Frankfurt – Jetzt ist es offiziell: 2017 wird als Erfolgsstory in die Jahrbücher der chemisch-pharmazeutischen Industrie eingehen. Durch eine starke Industriekonjunktur in ganz Europa, die im Jahresverlauf noch Fahrt aufnahm, steigerte sich die Produktion deutlich und die Auslastung der Anlagen blieb hoch.

Das Ergebnis: Satte 5,5 Prozent Umsatzwachstum und eine deutlich gestiegene Auslastung der Produktionsanlagen. Alle Sparten – auch die Basischemie – verbuchten einen Mengenzuwachs, berichtet der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in seiner heute veröffentlichten Jahresbilanz.

Konjunktur-Indikatoren zur deutschen chemischen Industrie
Konjunktur-Indikatoren zur deutschen chemischen Industrie
(Bild: VCI)

Entsprechend gibt sich der Verband ungewöhnlich positiv: „Nach eher durchwachsenen Ergebnissen in den drei vorherigen Jahren hat 2017 das Prädikat ‚gut‘ ohne Einschränkung verdient“, erklärte VCI-Präsident Kurt Bock. Und die Chemie hat allen Grund zur Freude: Mit einer stabilen Nachfrage aus Schlüsselmärkten in Asien, einer wirtschaftlichen Belebung in den USA und der wirtschaftlichen Stabilisierung in entscheidenden Schwellenländern stehen die Zeichen auf Wachstum.

Schon 2017 stieg die Chemie-Produktion inklusive Pharma um 2,5 Prozent. Der Aufschwung in Deutschlands drittgrößter Branche wird zum Jobmotor: Mit 451.500 Mitarbeitern erreichen die Beschäftigtenzahlen den höchsten Stand seit dreizehn Jahren.

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Chemie peilt 2018 Rekordergebnis an

Angesichts solcher Zahlen geben sich die Branchenverbände ungewohnt optimistisch: Für 2018 geht der VCI von einem weiteren Wachstum im In- und Ausland mit zusätzlichen weiteren 2 Prozent Produktion aus. Bei leicht steigenden Preisen erwartet der Verband ein Umsatzplus von drei Prozent. Damit wäre das Rekordergebnis von 200 Milliarden Euro erstmals in Reichweite.

„Wir sind zuversichtlich, dass sich der Aufschwung im kommenden Jahr fortsetzt. Im Inland bleibt die Dynamik der Industrieproduktion hoch. Gleichzeitig scheint der Aufwärtstrend in Europa intakt, dadurch dürfte das Exportgeschäft weiter Rückenwind bekommen. Aber politisch müssen wir uns weiter auf turbulente Zeiten einstellen“, stellt Bock fest.

Appel an Berlin: Beim Koalieren an die Forschung denken!

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Sorgen bereitet der Branche die schwierige Regierungsbildung in Berlin und Unsicherheiten im Umfeld des britischen EU-Austritts. An die Adresse der Verhandlungsführer in Berlin richtet der VCI den dringenden Appell, die Innovationskraft des Standorts mit einer steuerlichen Forschungsförderung zu stärken: „Die chemisch-pharmazeutische Industrie wird jeden Euro, den die Unternehmen durch die Einführung einer steuerlichen FuE-Förderung erhalten, in zusätzliche Forschungsaktivitäten in Deutschland in mindestens gleicher Höhe investieren“, versicherte Bock.

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Ebenfalls auf der Tagesordnung: Das Dauerbrenner-Thema Energie. Der VCI-Präsident sprach sich gegen eine nationale CO2-Steuer oder einen, aus seiner Sicht „überhasteten“, Ausstieg aus der Kohleverstromung aus. Die Klimaschutzpolitik in Deutschland müsse sich stattdessen auf Sektoren außerhalb des EU-Emissionshandels konzentrieren, forderte der VCI in Frankfurt, schreibe doch bereits die vor wenigen Wochen verabschiedete Reform der entsprechenden EU-Richtlinie der Industrie ab 2021 noch schärfere Emissionssenkungen vor.

Gleichzeitig habe die EU Maßnahmen beschlossen, die den Preis der CO2-Zertifikate und damit die Kosten für die Unternehmen erhöhten. „Nationale Regelungen zusätzlich zum EU-Emissionshandel wären nur Doppelregelungen ohne Nutzen für den Klimaschutz“, betonte der VCI-Präsident.

Die Chemie und der Brexit: Reif für die Insel?

Außerdem gibt es mit den Brexit gleich noch ein Sorgenkind im unmittelbaren EU-Umfeld: Großbritannien ist ein wichtiger Handelspartner und einer der größten Märkte in der EU für Chemikalien und Pharmazeutika.

2016 verkaufte die Branche Produkte im Wert von fast 12 Milliarden Euro auf die Insel (6,7 Prozent der deutschen Chemieexporte). Den größten Anteil machten Spezialchemikalien und Pharmazeutika aus. Gleichzeitig führten deutsche Chemieunternehmen Erzeugnisse für über 6,4 Milliarden Euro (5,2 Prozent) aus dem vereinigten Königreich ein. Dazu gehörten vor allem pharmazeutische Produkte und Petrochemikalien.

Konjunktur-Indikatoren zur deutschen chemischen Industrie
Konjunktur-Indikatoren zur deutschen chemischen Industrie
(Bild: VCI)

Was bleibt nach dem Brexit von REACH?

Wie stark sich der Brexit auf die deutschen Chemieunternehmen auswirkt, hänge vor allem vom Ergebnis der Verhandlungen ab, wie die künftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien ausgestaltet werden. Jährliche Zoll-zahlungen von 200 Millionen Euro sind möglich, sollte die britische Regierung Chemie- und Pharmazölle auf dem Niveau der heutigen EU-Außenzölle einführen.

Noch größere Belastungen seien zu erwarten, wenn sich für die Branche spezifische Regulierungen – wie zum Beispiel das Chemikalienrecht REACH oder die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden – in Zukunft unterschiedlich entwickeln, betonte Bock. „Wir brauchen eine möglichst weitgehende gegenseitige Anerkennung und gleiche Standards.“ Dafür müsse Großbritannien durch ein umfassendes Abkommen möglichst eng an die EU gebunden bleiben – nur ob das die Regierung unter Theresa May mitzugehen bereit ist?

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