Linde-Praxair Fusion Jetzt doch: Linde und Praxair einigen sich über Fusion

Redakteur: Gerd Kielburger

Die Elefantenhochzeit der Gasriesen steht bevor: Nach zähen Verhandlungen haben sich Linde und der US-Konkurrent Praxair über die Bedingungen für eine Fusion geeinigt. Damit entstünde eine neue Nummer 1 der Gasfirmen…

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Der deutsche Gasspezialist Linde will mit seinem US-Konkurrenten Praxair fusionieren. Immerhin: Der Traditions-Name Linde soll erhalten bleiben.
Der deutsche Gasspezialist Linde will mit seinem US-Konkurrenten Praxair fusionieren. Immerhin: Der Traditions-Name Linde soll erhalten bleiben.
(Bild: Linde)

München – Die Traditionsfirma Linde und die US-amerikanische Praxair könnten doch gemeinsame Sache machen: Berichten zufolge haben sich beide Firmen auf die Bedingungen einer Fusion einigen können. Gemeinsam kämen die Gasriesen auf einen Umsatz von 28 Milliarden Euro – damit lägen sie deutlich vor dem stärksten Konkurrenten, der französischen Air Liquide, die durch die Übernahme von Airgas auf 21,2 Milliarden Euro kommen.

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Unternehmerisch spricht einiges für die Fusion, so Marktkenner: Nicht nur, dass damit wieder die Weltspitze der Gaskonzerne erobert werden könnte, auch ergänzt sich das Portfolio beider Firmen gut. So steht Praxair mit einem Gewinn von 1,5 Milliarden Euro wirtschaftlich glänzend da (Linde: 1,15 Mrd. Bei einem fast doppelt so hohen Umsatz). Besonders das Industriegase-Geschäft der Amerikaner ist hochprofitabel.

Linde hingegen ist in Europa und Asien gut aufgestellt und verfügt über eine starke Anlagenbau- und Medizingas-Sparte. Ein Teil dieses Knowhows könnte jedoch der Fusion geopfert werden: Experten gehen davon aus, das Linde die Anlagenbausparte Linde Engineering mittelfristig selbstständig machen wird.

Fusion unter Gleichen? Die Bedingungen des Deals

Vergangene Dienstag war es soweit: Beide Firmen haben sich auf die Eckpunkte einer Fusion geeinigt. Der neue Konzern soll unter dem Namen Linde firmieren und wird vermutlich in der Schweiz, zumindest aber in Europa seinen Hauptsitz haben. In München, seit 2008 Hauptsitz von Linde, sollen aber wichtige Funktionen verbleiben.

Geführt werden soll der neue Konzern von Praxair-Chef Steve Angel, der als zukünftiger CEO seinen Sitz in den USA behält. Der bisherige Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle wird auch für die neue Holding diesen Posten bekleiden. Das übrige Management soll sich paritätisch aus Mitgliedern der bisherigen Vorstände der Partner zusammensetzen.

Erst vergangene Woche hatte sich Linde von Finanzvorstand Georg Denoke und Vorstandschef Wolfgang Büchele getrennt, um - wie es heißt - die Kontinuität bei den anstehenden Verhandlungen mit Praxair zu gewährleisten. Bücheles Nachfolger wurde der langjährige Linde Vorstand Dr. Aldo Belloni (66), der für die Übergangszeit in das Unternehmen zurückkommen soll.

Lesen Sie mehr über den Wechsel an der Linde Spitze in unserem Artikel:

Über einen Aktientausch sollen die bisherigen Aktionäre beider Firmen je 50 % an dem entstehenden Gaskonglomerat halten, hieß es aus München. Dabei sollen Linde-Anteilseigner je 1.54-Anteile pro Aktie, Praxair-Shareholder je einen erhalten. Die möglichen Synergien der Fusion werden auf eine Milliarde Dollar pro Jahr geschätzt.

Hochzeit im Himmel oder vorprogrammierte Probleme?

Auch Praxair musste im Vorfeld Zugeständnisse machen: So wurden eigentlich bereits beschlossene Einschnitte bei Linde abgesagt und betriebsbedingte Kündigungen bis 2021 ausgeschlossen. Auch der Standort Dresden bleibe erhalten, hieß es aus Konzernkreisen. Das € 300-Mio Sparprogramm soll jedoch fortgesetzt werden.

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Ob die Mega-Gasfusion kommt, entscheiden jetzt die Kartellbehörden. Geben Sie grünes Licht, könnte ein neuer Platzhirsch bei Industriegasen und Gastechnik entstehen. Zumindest die deutschen Arbeitnehmer sind noch skeptisch, was die zukünftige Unternehmenskultur und –Ausrichtung angeht. Konzernbetriebsratschef Katte sprach in diesem Zusammenhang von „erheblichen Spannungspotenzial“.

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