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Streit um Wireless-Standard

Interview mit der Namur zum Wireless-Clash

| Redakteur: Frank Jablonski

PROCESS: Verfechter der unterschiedlichen Standards behaupten jedoch, jeweils ihr Favorit verfüge über eine entsprechend große installierte Basis. Wer hat Recht?

Morr: Die installierte Basis ist derzeit sehr überschaubar. Das ist ja gerade einer der Gründe dafür, dass Konvergenzbemühungen jetzt überhaupt noch Sinn machen. Wenn bereits eine große Zahl von Lösungen installiert wäre, dann wäre es sehr zweifelhaft, ob unsere Bemühungen Erfolg haben könnten.

PROCESS: Zählt aus Ihrer Sicht dieses "Killer"-Argument (die Anwender hätten sich durch die installierte Basis sozusagen schon für einen Standard entschieden) aus Ihrer Sicht? Oder sind andere Aspekte nicht wichtiger, wie Security, Konfigurationsfähigkeit, Verfügbarkeit oder Zuverlässigkeit?

Morr: Unabhängig davon, wie man die Größe der installierten Basis einschätzt, muss man davor warnen, diesen Kampf gewinnen zu wollen. Wir reden die ganze Zeit über WirelessHART und ISA100. Es gibt aber auch einen "chinesischen Standard" (WIA-PA) für drahtlose Sensornetzwerke, der ebenfalls bereits in die IEC eingebracht wurde. Wir kennen alle die Bedeutung des asiatischen Wirtschaftsraums. Eine Konvergenz von WirelessHART und ISA100 alleine macht deswegen keinen Sinn. Die NAMUR ist mit den chinesischen Institutionen bereits im Gespräch, um auch WIA-PA in die Konvergenzbemühungen einzubeziehen.

Schwibach: Ich würde Ihre Frage nach den technologischen Aspekten der einzelnen Lösungen etwas süffisant so beantworten: jeder Standard muss die Betreiber-Anforderungen erfüllen. Wenn das bei allen auf dem Tisch liegenden Entwürfen beachtet wurde, dann kann es hinsichtlich solcher Aspekte keinen Unterschied geben. Die Produkte allerdings werden sich bei Eigenschaften wie Verfügbarkeit oder einfacher Handhabbarkeit unterscheiden. Aber wie bereits gesagt: da wollen wir ja Wettbewerb.

PROCESS: Welche Schritte plant die Namur nun, um die beteiligten Firmen zu einem Umlenken zu bewegen?

Schwibach: Wir werden in Kürze die NE133 veröffentlichen, die eindeutig die Konvergenz zu einem Standard fordert. Diese NE wird nicht nur ein Dokument der NAMUR sein, sondern sie ist gemeinsam mit der WIB erarbeitet worden. Zusätzlich haben wir eine Vielzahl von offiziellen Unterstützern für dieses Dokument gefunden. Dazu zählen der ZVEI, ExxonMobile, Shell, Mitglieder der ISA100.12 und die HART Foundation (HCF). Aber auch Vertreter namhafter Hersteller wie Emerson, Endress&Hauser, Honeywell, Invensys, Pepperl&Fuchs, Siemens und Yokogawa sind derzeit bereits offizielle Unterstützer der NE133. Sollte es nun nicht gelingen, dass die Vertreter der verschiedenen Lager aufeinander zugehen und gemeinsam eine klare Roadmap für einen Standard formulieren, wäre dies ein eindeutiges - negatives - Signal an uns Anwender, wie unsere Anforderungen auf Herstellerseite wirklich gewichtet werden.

PROCESS: Herr Dr. Morr, Herr Schwibach, vielen Dank für das Gespräch.

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