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Arzneimittelfälschungen

Interpack: Verpackungsindustrie wehrt sich gegen Arzneimittelfälschungen

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25 Apotheken im schwedischen Stockholm testeten vier Monate lang ein System zum Schutz von Patienten vor gefälschten Medikamenten. Über die Kennzeichnung der Verpackungen mit dem GS1-Datamatrix verifizierten die Apotheker die Echtheit der Medikamente und identifizierten ablaufende und zurückgerufene Arzneien. Insgesamt durchliefen knapp 100 000 Arzneipackungen von insgesamt 14 Herstellern den Prozess. Medikamente, die in Frankreich auf den Markt gebracht werden, müssen übrigens seit Anfang dieses Jahres mit dem GS1-Datamatrix gekennzeichnet sein.

Experten rechnen daher fest damit, dass Track and Trace schon bald in ganz Europa umgesetzt wird. Die Maschinen- und Anlagenbauer wären für eine Umstellung bestens gerüstet. Die Optima Group Pharma aus Schwäbisch Hall beispielsweise, spezialisiert auf die Abfüllung und das Verschließen von Spritzen und Ampullen, bietet bereits auf den Kundenwunsch abgestimmte Track and Trace-Lösungen für Pharmahersteller an. Fertigspritzen werden in speziellen Spritzennestern in Kunststoffboxen, sogenannten Tubs, gelagert und transportiert. Die Maschinen kennzeichnen die Behältnisse, sodass sie jederzeit zurückverfolgt werden können.

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Auch Bosch Packaging Technology hat Maschinen zur Kennzeichnung und Rückverfolgung im Portfolio. Über ein Bandsystem werden bis zu 400 Faltschachteln pro Minute mit hoher Geschwindigkeit durch einen Drucker geleitet, der den Datamatrix-Code mit Herstellernummer, Verfallsdatum und Seriennummer aufdruckt. Anschließend prüft und verifiziert eine Kamera den Code.

Sicherheit im Prozess

Der Verpackungsprozess selbst wird ebenfalls streng überwacht, etwa ob die richtige Anzahl an Tabletten abgepackt wurde. Romaco zeigt mit der Vibrationszählmaschine Bosspak VTC 80 erstmals seine neueste Entwicklung zum elektronischen Zählen von Tabletten und Kapseln: Selbstregulierende Infrarotsensoren mit einer Leistung von bis zu 34 000 Scans pro Sekunde passen das Zählsignal während der laufenden Prozesse automatisch an die Produktionsbedingungen an. Zudem verbessert ein Vorzählsystem mit Zwischenbehältern sowohl die Zählgenauigkeit als auch die Füllgeschwindigkeiten.

Sicherheit von Arzneimitteln beginnt zudem im Herstellprozess. Wie müssen Anlagen konstruiert werden, damit sie während des Abfüll- und Verpackungsprozesses nicht mit unerwünschten Fremdstoffen verunreinigt werden? Wie lassen sich Reinigungskonzepte in die Anlagen integrieren?

Konzepte dazu zeigt GEA Tuchenhagen, die Prozessventile, Pumpen, Reinigungstechnik, Molchtechnik, In-line Prozessanschlüsse, Dehnungskompensatoren und Tanksicherungssysteme fertigen und liefern. Auf der Interpack wird das Unternehmen beispielsweise eine Tankreinigung mit motorgetriebenen Orbitalreinigern präsentiert. Orbitalreiniger arbeiten als Standardausführung mit einem Betriebsdruck bis zu 25 bar und Durchflüssen von 0,5 bis 30 m3/h pro Stunde. Damit können Tanks und Behälter bis zu einem Durchmesser von 12 Metern problemlos gereinigt werden.

Für viele Jahre wurden pharmazeutische Gefriertrockner mit SIP-Systemen (Sterilisation in Place) ausgerüstet, die mit Dampf als Sterilisierungsmedium arbeiten. Die Folge war, dass die Anlagen auf höhere Druck- und Temperaturbereiche ausgelegt werden musst. GEA Lyophil stellt nun mit Vapovac eine neue Technologie für die H2O2-Gas-Sterilisation vor, die kürzlich die FDA-Zulassung erhalten hat. Das Verfahren ist ideal für empfindliche Produkte, die keine hohen Drücke und Temperaturen vertragen.

Diese wenigen Beispiele zeigen, dass die Interpack mit spannenden Entwicklungen für die Pharmaindustrie aufwartet. In Düsseldorf werden etwa 2700 Aussteller aus ca. 60 Ländern erwartet, die mit gut 174 000 Quadratmetern Nettofläche alle 19 Hallen des Messegeländes belegen. Platz genug, Innovationen und Trends im Umfeld der Pharmaverpackungen aufzuspüren.

* Die Autorin ist freie Mitarbeiterin bei PharmaTEC.

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