Toptrends der Interpack 2017 Interpack 2017 im Zeichen von Digitalisierung, Industrie 4.0 und Ressourceneffizienz

Autor Anke Geipel-Kern

Eine Interpack der Superlative ist am 10. Mai zu Ende gegangen. Die Messegesellschaft vermeldet die höchste Ausstellerbeteiligung seit Bestehen der Messe und auch die Aussteller waren zufrieden. Wir haben einige Messehöhepunkte für Sie zusammengetragen.

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Datenbrillen erlauben intelligente Servicekonzepte – eines von vielen Topthemen auf der diesjährigen Interpack.
Datenbrillen erlauben intelligente Servicekonzepte – eines von vielen Topthemen auf der diesjährigen Interpack.
(Bild: Messe Düsseldorf / tillmann)

Selbstlob nach einer Ausstellung ist Messegesellschaften in Fleisch und Blut übergegangen und mit Vorsicht zu genießen. Bei der Interpack 2017 ist das anders, Selbst- und Fremdbild stimmen überein und einmal mehr konnte die Muskelschau der internationalen Verpackungsbranche mit glänzenden Abschlusszahlen prunken. Tatsächlich war die Messe mit 2865 Ausstellern und 170 500 Besuchern so groß wie noch nie, und an vielen Messeständen hörte man von erfolgreich abgeschlossen Verkäufen.

Freude bei Gerhard Schubert Verpackungsmaschinen

So wie bei Gerhard Schubert Verpackungsmaschinen: Am Vorabend des ersten Messetages, das Team saß gerade beim Abendessen, da erreichte die Gruppe ein Auftrag in zweistelliger Millionenhöhe, der schon länger in der Schwebe war. Klar, dass Geschäftsführer Gerald Schubert zu Beginn der traditionellen Pressekonferenz am ersten Messetag von einem perfekten Start in die Messe schwärmte.

Impressionen von der Interpack 2017
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Die Stimmung des Geschäftsführertrios war entsprechend gut, zumal auch sonst die Zahlen im Unternehmen stimmen. Im 51. Jahr ihres Bestehens hat die Schubert-Gruppe die Umsatzmarke von 300 Millionen Euro hinter sich gelassen und auch die GmbH ist kurz davor die 200 Millionen-Marke zu knacken.

Toptrend Nr. 1 – Digitalisierung und Service

In den vergangenen beiden Jahren haben zumindest die Branchengroßen, wie Multivac, Schubert oder Krones, an Digitalisierungskonzepten gebastelt, denen heuer auf der Interpack die große Bühne gehörte. Gerhard Schubert setzt auf den digitalen Zwilling und die neue Internet-Plattform „GRIPS.world“.

Auf die Eigenentwicklung, wie bei Schubert üblich, können neben den Mitarbeitern der Schubert-Gruppe auch Kunden, Lieferanten und die TLM-Maschinen selbst zugreifen. Auch predictive Maintanance-Lösungen soll die Plattform künftig ermöglichen, erklärt Geschäftsführer Michael Kiessling.

Basis ist eine Datenbox, die wichtige Maschinendaten analysiert und sowohl dem Maschinenhersteller als auch seinen Kunden ein Interface zur Verfügung stellt, mit dem sich relevante Informationen zu verschiedenen Bereichen wie Wartung, Steuerung und Maschinenleistung abrufen lassen. Aus den Daten lassen sich künftig wertvolles Wissen ableiten, mit dem die Maschinenleistung und die Prozesse bei den Kunden verbessert werden.

Momentan analysieren die Schubert-Spezialisten, welche Daten man braucht, um dem Kunden die relevanten Informationen bieten zu können. Parallel zu diesen Digitalaktivitäten will Schubert auch das Serviceportfolio ausbauen, das künftig aus fünf Segmenten bestehen soll. „Unser Serviceteam soll bis 2019 um 30 Prozent wachsen“, sagt Kiessling.

Ima sucht den Dialog mit dem Kunden

Viel visionäres zum Thema Smart Factory gibt es zur Zeit noch beim italienischen Unternehmen Ima. Aber auch hier hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Dario Rea, Corporate Research & Innovation Director, erläutert: „Die Botschaft an unsere Kunden und Zulieferer geht in diesem Jahr ganz klar auch in Richtung digitale Transformation und Industrie 4.0.“ Ima Digital besteht aus vier Segmenten: Maschinen zur Herstellung intelligenter Produkte, Services und Organisation. Zurzeit packt Rea das Thema Vernetzung mit Zulieferern und Kunden an und spricht deshalb viel mit Kunden über mögliche Konzepte.

Bosch setzt auf das Wissen der gesamten Gruppe

Digitale Services stehen bei Bosch Packaging Technology im Mittelpunkt: „Wir haben 2016 begonnen, das Unternehmen strategisch noch stärker in Richtung Industrie 4.0 und Komplettlösungen auszurichten“, betont Dr. Stefan König, Vorsitzender der Geschäftsführung der Verpackungstechnik- sparte. Dabei greift die Verpackungssparte auf das Know-how der gesamten Bosch-Gruppe zurück.

„Zur Konzeption von Kundenlösungen arbeiten unsere Maschinenexperten und Servicemitarbeiter von Bosch Packaging Technology mit Software-Ingenieuren aus unseren Connected Industry-Softwarehäusern gemeinsam mit Automationsspezialisten von Bosch Rexroth und Data Mining-Spezialisten“, erklärt König.

Konkret wird das beim Beispiel Augmented und Virtual Reality, die Bosch einsetzt, um das das Personal bei Wartungsarbeiten, der Fehlerbehebung oder beim Training zu unterstützen, indem reale Liveaufnahmen um zusätzliche Informationen angereichert oder gar dreidimensionale Umgebungen komplett simuliert werden.

Neue Generation von Tiefziehverpackungsmaschinen

Vierter Player, der konsequent auf Digitalisierung setzt ist Multivac. Das Unternehmen aus dem behäbigen Wolfertschwenden legt eine beachtliche Geschwindigkeit bei der Entwicklung seiner Maschinen an den Tag und ist nun mit einem Maschinenkonzept vorgeprescht, bei dem der ein oder andere Marktbegleiter große Augen bekommen haben dürfte.

Die X-line steht für eine neue Generation von Tiefziehverpackungsmaschinen, vollgepackt mit Sensoren, digital und mit der Cloud vernetzt. Ein cleveres Feature ist der Pack Pilot, der Zugriff auf die Prozessdaten (Packungs-, Packstoff- und Produktmerkmalen, Werkzeugdaten) von über 1000 neuen Verpackungslösungen hat und mit dessen Unterstützung sich die Maschine beim Anlegen neuer Rezepte selbst parametriert und Verluste beim Anfahren verringern soll.

Toptrend Nr. 2 – modular und flexibel

Der Wunsch der Kunden, bei Losgrößenänderungen oder Produktvarianten, Maschinen schnell umstellen und parametrieren zu können, hat also viele Entwicklungen beflügelt.

Eng verknüpft damit ist der zweite große Trend auf der Interpack, der eigentlich kein neues Phänomen ist sondern lediglich die Ausprägung geändert hat. Modularität und der schnellere Wechsel von Faltungs- und Formatarten, begleiteten die Branche eigentlich schon seit zehn Jahren, erklärt Markus Rustler, Geschäftsführer Theegarten-Pactec. In Düsseldorf zeigte das Dresdner Unternehmen u.a. die CWM2 mit erweitertem Einsatzportfolio: Die kompakte und flexible Verpackungsmaschine verarbeitet Schokolade und kann verpackte Produkt nun zusätzlich mit einer Banderole versehen.

Die Maschine schafft bis zu 500 Produkte/Min und ist damit im mittleren Leistungsbereich angesiedelt. Die modulare Bauweise kombiniert mit einer Roboterzuführung ermöglicht den schnellen Wechsel des Formates. Damit können Schokoladenhersteller ihre Papiere sehr variantenreich falten: Doppeldreheinschlag, Top Twist, Side Twist, Top Clip, Brieffaltung und Bunch sind möglich.

Keime müssen draussen bleiben

Mit einem neuen, modularen Anlagenkonzept will Bosch in der aseptischen Lebensmittelproduktion die Lieferzeiten erheblich verkürzen. Umgesetzt ist das in der Anlage von Ampack: Die FCL 3080 A verfügt über eine kleinere aseptische Kammer, als konventionelle Maschine. Das Risiko, dass Nahrungsmittel verunreinigt werden, sinkt damit schon einmal erheblich. Außerdem ist die Maschinenkette außerhalb der aseptischen Kammer angebracht, um der Bakterienbildung vorzubeugen. Die wahlweise in zwei Hygienestufen (ultra-clean oder aseptisch) erhältliche Ausführung eignet sich für Produkte, die über einen längeren Zeitraum haltbar bleiben müssen. Der Hersteller verspricht eine Mindesthaltbarkeit von vier bis sechs Wochen, die auf bis zu zwölf Monaten erweitert werden kann.

Partnerschaften schaffen Mehrwert

Dass eins und eins nicht immer nur zwei ist, sondern unter Umständen auch einmal drei oder vier sein kann, erkennen offenbar immer mehr Unternehmen: Partnerschaften liegen im Trend. Nicht nur Gerhard Schubert präsentierte das Ergebnis einer Kooperation mit KHS, auch Theegarten-Pactec hat sich mit Romaco Kilian zusammen getan und eine Neuentwicklung zur Messe mitgebracht: Eine neue Hochgeschwindigkeitslinie, die Suppenwürfel presst und anschließend in Schlauchbeutel verpackt. Speziell für diese Anwendung sei die Technologie die derzeit schnellste am Markt, erklärt das Entwicklerduo. Die Presse stammt dabei von Romaco Kilian, die Schlauchbeutelmaschine steuert Theegarten-Pactec zu.

Ebenfalls ein Dauerbrenner ist das Thema Nachhaltigkeit. Konservendosen oder Senftuben können dank verbesserter Produktionsprozesse mit dünneren Wandstärken als zuvor hergestellt werden. Aber auch bei der Verpackung kommt der Ökötrend an.

BASF hat ein vollkommen neues und zum Teil biobasiertes Copolyamid entwickelt. Weich und transparent sei das Material, sagen die Entwickler, das sie für Käsereifebeutel oder Modified Atmosphere Packaging empfehlen. Und gemeinsam mit Mondi und Mars tüftelt der Folienhersteller Taghleef Industries an einer biologisch abbaubaren Umhüllung für Schokoriegel.

Vielleicht können die Besucher auf der Interpack in drei Jahren das Ergebnis besichtigen – wie immer im Mai und in Düsseldorf, aber nächstes Mal mit zwei neuen Eingängen.

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