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Insolvenzantrag des FIZ

Innovationsfähigkeit am Standort Deutschland gefährdet

| Redakteur: Dr. Jörg Kempf

Die Nachricht vom Insolvenzantrag des Fachinformationszentrums Technik (FIZ Technik) hat hohe Wellen geschlagen. Einhelliger Tenor: Mit einem „Aus“ für den renommierten Anbieter technischwissenschaftlicher Fachinformationen ginge dem Standort Deutschland ein entscheidendes Stück Innovations- und Zukunftsfähigkeit verloren.

Frankfurt am Main – Die überraschende und kurzfristige Entscheidung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi), sämtliche Fördermittel für das FIZ Technik zu streichen, hat die Einrichtung Ende April in finanzielle Schwierigkeiten gebracht.

Die Sorgen um den Fortbestand des FIZ Technik sind begründet, denn im deutschsprachigen Raum gibt es für Forschung, Entwicklung, Wissenschaft und Lehre kein vergleichbares Angebot. Seit über 30 Jahren sammeln die Frankfurter Informationsspezialisten ingenieurwissenschaftliche Veröffentlichungen, bereiten diese auf und stellen sie in präzise recherchierbaren Fachdatenbanken zur Verfügung. Der Datenbestand weist heute über 4 Millionen Literaturveröffentlichungen nach. In vielen Industrieunternehmen bilden die FIZ-Technik-Wissensquellen die Basis der Informationsbeschaffung für F&E-Ingenieure, welche unter anderem vor Projektbeginn sicherstellen, dass keine Doppelentwicklung betrieben wird.

Anke Lambeck, vom Anlagenbauer SMS-Siemag bringt die Bedeutung des Informationsanbieters für den Technik- und Wissenschaftsstandort Deutschland auf den Punkt: „Muss das FIZ Technik tatsächlich aufgeben, kriegen wir ein großes Problem.“ Die Datenbanken des FIZ Technik gehören für die Ingenieure bei SMS-Siemag zum täglichen Arbeitswerkzeug.

Peter Schwartze, Präsident des Gesamtverbandes textil + mode schlägt ähnliche Töne an. Er sieht in FIZ Technik „einen bedeutenden Baustein im Netzwerk der Fachinformationsversorgung.“ Für ihn ist dieses Informationsnetz die unentbehrliche Grundlage für die Entwicklung neuer, innovativer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen.

Harter Schlag auch für die akademische Welt

Neben der Industrie würde ein Ende des FIZ Technik auch die akademische Welt hart treffen. Nahezu alle Universitäten und Hochschulen in Deutschland mit technischen Studienrichtungen nutzen FIZ Technik, um aktuelle Fachliteratur zu recherchieren. Die Verantwortlichen in den Bibliotheken der Universitäten und Hochschulen fürchten umgehend negative Einflüsse auf die Qualität bei der Ausbildung in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen, sollte das FIZ Technik gezwungen sein, seinen Betrieb einzustellen.

Allein an den 16 bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften wurden im vergangenen Jahr 52.000 Recherchen in den Datenbanken des FIZ Technik durchgeführt. Das sind über 230 Recherchen pro Arbeitstag. Für Günter Höld, Sprecher der bayerischen Hochschulbibliothekare, ist eine wissenschaftliche Literaturversorgung ohne die Datenbanken des FIZ Technik nicht denkbar. Sein Kollege Werner Reinhardt von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher, Österreichischer und Schweizer Konsortien für den Einkauf an Hochschulen teilt diese Ansicht. Er schätzt das Informationsangebot des FIZ Technik als ein „unentbehrliches Hilfsmittel für die Bewältigung anstehender Aufgaben in Studium und Beruf.“

Noch besteht Hoffnung

Noch besteht Hoffnung für das Traditionsunternehmen und dessen 50 Mitarbeiter an den Standorten Frankfurt und Hannover. Unterstützt von den vorläufigen Insolvenzverwaltern Frank Schmitt (Schultze & Braun) und Dr. Holger Lessing (Lessing Trebing Bert Rechtsanwälte) führt die FIZ-Technik-Geschäftsführerin Ursula Deriu derzeit intensive Gespräche mit potenziellen Partnern und Investoren. Erklärtes Ziel ist nach wie vor, das FIZ Technik zu erhalten und zu sanieren, so dass es auch ohne staatliche Fördermittel bestehen kann. Die bisherigen Gespräche stimmen durchaus optimistisch. Sollte sich bis Ende Juli eine positive und zukunftsfähige Lösung abzeichnen, kann FIZ Technik seinen Eigenantrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens sofort zurückziehen. In diesem Fall würde das Insolvenzverfahren erst gar nicht eröffnet werden.

Ergänzendes zum Thema
 
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