Suchen

Länderreport China

Importe aus Deutschland nach China nehmen zu

| Redakteur: Marion Henig

Nach einem etwas verhaltenen Jahr 2009 mit rückläufigen Einfuhren dürfte der chinesische Chemiemarkt 2010 wieder an alte Wachstumsraten anknüpfen. Der Start ins neue Jahr jedenfalls ist fulminant. Abgesehen von der Düngersparte sind die Lieferchancen in der chinesischen Chemieindustrie für deutsche Hersteller aktuell sehr gut.

Firmen zum Thema

Shanghai/VR China – Der chinesische Markt für chemische Erzeugnisse wuchs 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 13,4 Prozent auf umgerechnet rund 634 Milliarden Dollar. Grund für das unerwartet gute Ergebnis war in erster Linie ein überaus starkes 4. Quartal. So erhöhte sich nach Angaben der "China Chemical Industry News" die Erzeugung in den letzten drei Monaten 2009 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 37,6 Prozent auf 1.140 Milliarden Renminbi Yuan (RMB; etwa 167,2 Milliarden Dollar; durchschnittlicher Wechselkurs Oktober bis Dezember 2009: 1 Dollar = 6,82 RMB). Im gleichen Zeitraum legten die Importe ein sattes Plus von 28,8 Prozent auf 30,8 Milliarden Dollar vor, während die Exporte mit einer Steigerung von 2,4 Prozent auf 17,0 Milliarden Dollar nahezu stagnierten.

Der Chemieverband "China Petrol and Chemical Industry Association" (CPCIA) zeigt sich in seiner jüngsten Analyse des Sektors daher hochzufrieden. Die Branche habe einen V-Aufschwung erlebt, der sich jetzt stabilisiere und fortsetze. Für 2010 gibt sich die CPCIA optimistisch. Vor allem aufgrund staatlicher Maßnahmen stehe man vor einer Wiederbelebung. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband mit einer Steigerung um 14 Prozent. In den ersten zwei Monaten des Jahres lag die Branchenproduktion bereits um 46 Prozent über dem Vorjahreswert, und bei den Importen wurde sogar ein Zuwachs von 62 Prozent gemeldet. Beobachter halten den Chemiesektor aber mittlerweile für stark überhitzt, da solche Steigerungsraten auf Dauer kaum durchzuhalten sind. Alleine 2009 hat das Land neue Raffineriekapazitäten im Volumen von 40 Millionen jato aufgebaut, und in fast allen Segmenten erhöhte sich die Erzeugung in den ersten zwei Monaten 2010 im Vergleich zur Vorjahresperiode zwischen rund 30 und 60 Prozent. Ähnliches zeigt sich beim Chemieaußenhandel. Nach Zollangaben stiegen die Einfuhren im gleichen Zeitraum um 61,7 Prozent auf 20,9 Milliarden Dollar, während die Exporte um 33,8 Prozent auf 11,1 Milliarden Dollar zulegten.

Getragen wird der Aufschwung von zwei wesentlichen Entwicklungen. Das Konjunkturprogramm der Regierung hat die Investitionen der Branche nach oben getrieben. Im Gesamtjahr 2009 stiegen diese (ohne Öl- und Gasproduktion) im Vergleich zur Vorjahresperiode nach Angaben des National Bureau of Statistics (NBS) um 21,7 Prozent auf 1.164 Milliarden RMB. In den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres konnte allerdings der Zuwachs auf 13,7 Prozent begrenzt werden. Ähnlich rasant entwickelte sich der Einzelhandel, der 2009 um 15,5 Prozent auf 12.534 Milliarden RMB zulegte. In den ersten zwei Monaten 2010 belief sich die Steigerung auf 17,9 Prozent, wobei allein der Februar ein Plus von 22,1 Prozent vorlegte.

Es geht bergauf bei Automobil und im Bau

Zwei für den Chemiesektor bedeutende Abnehmerbranchen - die Automobilindustrie sowie die Bauwirtschaft - befinden sich in China weiterhin im Boom. Laut NBS erhöhte sich die Produktion des Kfz-Sektors in den ersten zwei Monaten 2010 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 48,2 Prozent auf 1,38 Millionen Einheiten - ein neuer Rekord.

Ähnlich stellt sich die Entwicklung im Immobiliensektor dar. Die Investitionen im Bausegment erhöhten sich 2009 nach NBS-Angaben im Vergleich zum Vorjahr um 19,9 Prozent auf 4.306 Milliarden RMB. Im Januar und Februar 2010 wurden diese Zuwachsraten noch weit übertroffen: im Vergleich zur Vorjahresperiode stiegen die Immobilieninvestitionen um 31,1 Prozent auf 358 Milliarden RMB.

Abgesehen von der Düngersparte sind die Lieferchancen in der chinesischen Chemieindustrie für deutsche Hersteller aktuell sehr gut. Nahezu sämtliche Segmente befinden sich im Aufschwung. Dies betrifft insbesondere die Spezialchemie, Arzneimittel, Farben und Lacke sowie Waschmittel. Aber auch Kunststoffe in Primärform sowie Halbwaren (Rohre, Schläuche, Platten etc.) finden aufnahmebereite Märkte.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 21931820)