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Chemisches Recycling Igus investiert in Chemical Recycling-Pionier

Redakteur: MA Alexander Stark

Um die Circular Economy von Kunststoffen zu unterstützen, hat Igus 4,7 Millionen Euro in ein Unternehmen investiert, das in Großbritannien die erste kommerzielle Cat-HTR-Anlage in Betrieb nehmen will.

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Gemeinsam wollen Steve Mahon, Geschäftsführer von Mura Technology (links), Oliver Borek, Geschäftsführer Mura Europa (rechts), und Frank Blase, Geschäftsführer igus (Mitte), Kunststoffe recyceln und ihnen einen neuen Lebenszyklus geben.
Gemeinsam wollen Steve Mahon, Geschäftsführer von Mura Technology (links), Oliver Borek, Geschäftsführer Mura Europa (rechts), und Frank Blase, Geschäftsführer igus (Mitte), Kunststoffe recyceln und ihnen einen neuen Lebenszyklus geben.
(Bild: Igus)

Köln – Jedes Jahr geraten acht Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere . Zeitgleich liegt der Wert dieser verloren gegangen Ressourcen bei rund 72 Milliarden Euro . Das Problem: bisher wird ein Großteil der Kunststoffe verbrannt und nur 14 % recycelt .

Beim klassischen Recycling werden Kunststoffe geschreddert und wiederverwertet. In diesem Bereich sorgt Igus im Rahmen des Prigramms „e-chains“ für das Recycling von Hochleistungskunststoffen.

Weltweit bleiben aber auch immer Mischabfälle übrig, bei nicht-technischen Kunststoffen in 100 bis 1000-fach größeren Mengen. Hier bietet das ‚chemische Recycling‘ laut Blase neue Lösungen. Mitte des Jahres ist er in einem Artikel der FAZ auf die Catalytic Hydrothermal Reactor Technologie aufmerksam geworden und hat mit dem deutschen Erfinder Professor Thomas Maschmeyer in Sydney den Kontakt aufgenommen. Sieben Monate später investiert sein Unternehmen jetzt 4,7 Millionen Euro in die Mura Technology Limited und damit auch in den Bau der ersten Cat-HTR-Anlage.

Die patentierte Catalytic Hydrothermal Reactor wurde 2007 entwickelt und über 10 Jahre in einer Pilotanlage in Australien getestet. Mit Cat-HTR lassen sich klassisch nicht-recycelbare Kunststoffabfälle innerhalb von 20 Minuten wieder in Erdöl umwandeln und das ressourcenschonender im Vergleich zur Gewinnung fossiler Erdöle. Lediglich Wasser, hohe Temperaturen und Druck wird für das Trennen und Neuverbinden der Zellen eingesetzt. Eine Anlage allein kann in einem Jahr 20.000 Tonnen Plastik verarbeiten und damit 28.180 Tonnen CO2 reduzieren. Das entspricht dem jährlichen Verbrauch von 5.983 Autos oder dem jährlichen Energiebedarf von 4914 Haushalten .

Der neue Kunststoff-Lebenszyklus: Mit der Catalytic Hydrothermal Reactor Technologie lassen sich Plastikabfälle in Erdöl umwandeln, so können wieder neue Polymer-Produkte entstehen.
Der neue Kunststoff-Lebenszyklus: Mit der Catalytic Hydrothermal Reactor Technologie lassen sich Plastikabfälle in Erdöl umwandeln, so können wieder neue Polymer-Produkte entstehen.
(Bild: Igus)

Kunststoffrecycling mit Cat-HTR-Anlage

Die erste kommerzielle Cat-HTR-Anlage ist derzeit in Wilton, Großbritannien, in Planung. Der Bau soll in diesem Jahr starten. Abfallunternehmen liefern den Müll, um ihre Recyclingziele zu erreichen. Anschließend wird Erdöl wiedergewonnen, welches der Kunde zu einem ähnlichen Preis wie fossiles Erdöl beziehen kann. Insgesamt vier Catalytic Hydrothermal Reaktoren sollen in Wilton entstehen, um jährlich über 80.000 Tonnen Kunststoffmüll verarbeiten zu können. Im nächsten Schritt plant Mura weltweit Lizenzen zu vergeben und Anlagen zu bauen.

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