Eine Marke der PROCESS Gruppe

Honeywell präsentiert sich als I-MAC Honeywell propagierte auf dem europäischen User Meeting seine neue Position als I-MAC

Redakteur: Gerd Kielburger

Mehr als 450 externe Teilnehmer aus Europa, dem Mittleren Osten und Afrika waren der Einladung von Honeywell Process Solutions zum europäischen User Meeting nach Berlin gefolgt. Zu den Top-Themen zählten Wireless, Remote Services, MES sowie Advanced Process Control and Optimization. Honeywell nutzte die Veranstaltung, um sich als Integrierter Main Automation Contractor (kurz I-MAC) zu präsentieren. Welche Strategie sich dahinter verbirgt und welche Innovationen das Unternehmen plant, lesen Sie hier.

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Das Bild von Honeywell Process Solutions (HPS) erinnert an eine Art „Superman in der Produktion“. HPS will die Mitarbeiter in den Produktionsanlagen so unterstützen, dass sie ihre immer umfangreicher werdenden Aufgaben in Zukunft problemlos bewältigen können.
Das Bild von Honeywell Process Solutions (HPS) erinnert an eine Art „Superman in der Produktion“. HPS will die Mitarbeiter in den Produktionsanlagen so unterstützen, dass sie ihre immer umfangreicher werdenden Aufgaben in Zukunft problemlos bewältigen können.
( Archiv: Vogel Business Media )

Fast jeder in der Branche kennt die Situation aus eigener Erfahrung: Die Aufgaben, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten von Betriebsingenieuren und Technikern in einer Produktionsanlage haben sich in den vergangenen Jahren drastisch verändert. Ausscheidende Kollegen und Mitarbeiter werden häufig nicht mehr ersetzt, immer weniger „PLTisten“und andere Mitarbeiter in der Anlage müssen immer mehr Aufgaben in kürzerer Zeit wahrnehmen. Resultat: Die ständig neuen Programme zur Steigerung von Produktionseffizienz und Rendite erfordern ein neues Mitarbeiterbild mit einer Vielzahl spezifischer und übergreifender Fähigkeiten.

Diese dramatische und nicht folgenfreie Entwicklung ist auch den großen Automatisierungskonzernen wie Honeywell Process Solutions (kurz HPS) nicht fremd geblieben, und so hat sich das Unternehmen zur Illustration seines diesjährigen europäischen User Meetings in Berlin (27. bis 30. Oktober 2008) das Bild des „Everyday Hero“ einfallen lassen.

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Mit Prozessautomatisierung Return on Invest der Kunden im Fokus

Um die täglichen Helden bei ihren Aufgaben in den Produktionsanlagen zu unterstützen, zielt die zukünftige Ausrichtung von HPS als Full Service Provider in der Automatsierungstechnik ab. Unternehmens-Chef Jack Bollick erklärte vor diesem Hintergrund zu Beginn des Anwendertreffens die neue Marschrichtung: „HPS sieht sich nicht mehr nur als reiner Anbieter von Prozessautomatisierung, sondern als integrierter Main Automation Contractor (I-MAC). Schließlich beschäftigen wir uns mit viel mehr als nur mit reiner Automatisierung. Unser Fokus ist das Return on Invest (ROI) unserer Kunden. Termintreue und Time to Market sind dabei entscheidende Aspekte unseres Handelns. Unsere Kunden sollen sich nicht einmal Gedanken über Software-Releases machen müssen.“

Damit waren denn auch die Kernthemen des diesjährigen Anwendertreffens unter dem Motto „Power to Perform“ gewählt. Zu den „Winning Innovations“ der Branche zählt der neue Vice President und General Manager von Honeywell Process Solutions EMEA, Norm Gilsdorf, der im vergangenen Jahr vom Raffinerie- und Petrochemiespezialisten UOP wechselte, die Themen Wireless, Remote Services, MES sowie Advanced Process Control and Optimization. Darüber hinaus thematisierten die Teilnehmer in zahlreichen Technologie- und Branchen-Sessions Schwerpunkte wie Systemintegration, funktionale und IT-Sicherheit, Simulation und vieles mehr, um die Leistungssteigerung in derartigen Schlüsselbereichen zu erarbeiten.

EMEA-Chef Gilsdorf bringt selbst reichlich Erfahrungen und Know-how aus den Bereichen Öl/Gas, Refining und Petrochemie ins Automatisierungsgeschäft von Honeywell. Da auch UOP mittlerweile zum Honeywell-Konzern gehört, ist sich Gilsdorf sicher, zukünftig einen deutlichen Wettbewerbsvorteil zu haben: „In der Kombination Honeywell und UOP haben wir eine herausgehobene Alleinstellung gegenüber unseren Wettbewerbern. Schließlich können wir dem Kunden deutlich mehr Service bieten und ihn damit mehr und mehr von Arbeiten befreien, die er aufgrund fehlender eigener Kapazitäten nicht mehr leisten kann.“

Verschmelzung von Experion PKS und TPS angekündigt

Eine wichtige Aussage zur Honeywell Technologie-Roadmap kam von Sales Support Director Jean-Marie Alliet: Danach soll bereits zum Jahr 2010 das Prozessautomationssystem Experion Process Knowledge Systems (PKS) mit dem TPS zu einem System Experion R 400 verschmolzen werden. TPS ist das offene, auf Windows 2000 basierende Automationssystem von Honeywell. Es verbindet in einem einheitlichen System die robusten Funktionen eines verteilten Prozessleitsystems mit den erweiterten Applikationen der Prozessführung wie Multivariable Regelung, Automation von Chargenprozessen, Prozessoptimierung, anlagenweite Historisierung und Informations-Management. Als wesentliche TPS-Komponenten werden Windows-Bedienstationen und -Applikationsplattformen direkt mit dem leittechnischen Netzwerk gekoppelt.

Erst im Sommer dieses Jahres hatte das Unternehmen seine neueste Version Experion PKS vorgestellt. Das System ermöglicht Anlagenfahrern eine abgestimmte Koordination von Prozesssteuerung, Sicherheitsabschaltungen sowie von Maßnahmen zur Schadensminimierung durch Feuer und Gas. Experion bietet nach Angaben von HPS nicht nur eine Integration von Sicherheits-Systemen (SIS), sondern unterstützt den Betrieb auch durch eingebettete Simulationsfunktionen, die zur umfassenden Bedienerschulung, zur Prozessführung sowie zur Validierung von Bediengrafiken und Ablaufprozeduren verwendet werden. Darüber hinaus wurden neue integrierte Funktionen für die Automation von Chargenprozessen eingeführt, mit denen sich die Produktionsrate sowie die Zuverlässigkeit in Chemie- und Biotechunternehmen erheblich erhöhen lässt, so Alliet.

Das System soll dem Anlagenbedienern einen besseren Einblick in die ablaufenden Prozesse geben, leitet dabei kritische Daten von Subsystemen direkt an die Bediener, um so die Entscheidungsfindung in der Messwarte zu verbessern und zu beschleunigen.

Experion wurde ursprünglich konzipiert, um die Prozessabläufe in Anlagen zu rationalisieren. Auch die neueste Version führt dieses Prinzip fort, die Verwendung zusätzlicher Komponenten für die Übertragung wichtiger Informationen an die entscheidenden Stellen in der Anlage soll nun nicht mehr notwendig sein.

Wichtige Informationen zur Prozesssicherheit

Durch die Einbindung der neuesten Safety Manager Plattform von Honeywell liefert Experion über gängige Prozessgrafiken wichtige Informationen zur Prozesssicherheit sowie zu Gefahren durch Feuer und Gas, beispielsweise in Form von Hinweisen zu frühzeitigen Abschaltungen. Experion versorgt die Bediener mit anlagenweiten Daten von SIS-Punkten sowie mit Diagnose- und Systeminformationen. Es informiert über Alarme und Ereignisse, über Bedienermeldungen und die zeitliche Ablauffolge von Ereignissen. Darüber hinaus trägt das System zu einer Reduktion der allgemeinen System- und Wartungskosten bei, da sich die Anzahl der installierten Feld-Sensoren verringert.

Dank der neuen Rezeptverwaltung in Experion kann zudem die Produktionskapazität erhöht werden. Die im Basissystem installierte Funktion zur Chargensteuerung ermöglicht es den Chemie- und Biotechunternehmen, ihre Chargen auf der Leitebene zu steuern und dadurch auf einen separaten Server zu verzichten. Das erhöht die Zuverlässigkeit, verringert die Komplexität und vereinfacht die Wartung. Wie man bei HPS betont, habe ein Kunde eine Einsparung von mehreren Millionen Euro durch die Nutzung dieser Funktion auf der Ebene der prozessnahen Komponente errechnet.

Nach Aussage von Jason Urso, Chief Technology Officer des Unternehmens, besteht zudem die Möglichkeit, die UniSim-Simulation von Honeywell direkt in Experion zu integrieren. Dies kann für die Schulung von Bedienern vor der Einführung neuer Prozesse in einer Anlage genutzt werden. Bediener können sich so auf alle normalen und anormalen Betriebssituationen vorbereiten und damit die Zuverlässigkeit der Anlage verbessern, da die Anzahl der Bedienungsfehler sinkt. Die umfangreiche Simulationsfähigkeit von Experion führt darüber hinaus zu einer Steigerung der Effizienz in der Projektierung, da Steuerungsstrategien, Bedienbilder und Prozeduren vor ihrer Anwendung in der Anlage genau überprüft werden können.

Studentenförderung über Wettbewerb

Erstmals wurden in diesem Jahr die Gewinner eines Studenten-Wettbewerbes zum Thema „Innovationen in der Prozessindustrie“ in den Kategorien Prozesssimulation und drahtlose Technologien eingeladen. Die Ausschreibung richtete sich an Technologie-Studenten in Europa, im Mittleren Osten und Afrika (EMEA). Anne Müller, Studentin der Technischen Universität Dresden, gewann in der Kategorie Prozesssimulation, Mohamed Abdul Galeel Salih Mohamed sowie Mohamad Tamer Nader Chaklab, vom Petroleum Institute in Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate, gewannen in der Kategorie drahtlose Technologie. Die Gewinner wurden von einem Gremium aus Honeywell-Experten ausgewählt und präsentierten ihre Arbeiten auf der Users’ Group Konferenz in Berlin.

Ziel des Wettbewerbs für Prozesssimulation war es, die Herausforderungen bei der Entwicklung von Prozesssimulationen mit Hilfe von Honeywells UniSim Design Software zu meistern. Der Beitrag von Anne Müller „Testing Automation Software with Dynamic Process Models” untersuchte die kritische Rolle der Prozessführung in modernen Industrieanlagen. Der Zweitplatzierte, Devon Clark von der Universität Pretoria, Südafrika, überzeugte mit seinem Beitrag „Getting the most from a UniSim Design Simulation“.

Der Wettbewerb für drahtlose Technologien diente der Veranschaulichung zukünftiger Auswirkungen drahtloser Technologien in der Prozessindustrie. Die prämierte Arbeit von Mohamed Abdul Galeel Salih Mohamed und Mohamad Tamer Nader Chaklab „The Future Impact of Wireless Technology in the Process Industry“, setzt sich mit dem Potential der drahtlosen Technologie für Industrie sowie Alltagsgebrauch auseinander. Der Zweitplatzierte ist Johannes Leithner, Student der Fachhochschule Technikum in Wien, mit seinem Beitrag „The Future Impact of Wireless“.

Warum dieses Engagement von HPS? „Die Prozessindustrien sehen sich mit einem Mangel an Fachkräften konfrontiert“, sagte Norm Gilsdorf. „Unser neuer EMEA-weite Wettbewerb hilft dabei, Talente zu fördern und die Führungskräfte von morgen in der Prozessindustrie auszumachen – ganz gleich aus welchem Land oder akademischer Einrichtung. Darüber hinaus wird die akademische Ausbildung mit der Realität und den Herausforderungen der Branche zusammengeführt.“

„Jeder der Gewinner und der Zweitplatzierten analysierte, wie Spitzentechnik auf neue Art angewendet werden kann, um reale Herausforderungen zu lösen, und hat somit ein außergewöhnliches Maß an kritischem Denken in seiner Arbeit bewiesen. Ich freue mich zu sehen, dass Studenten ihr theoretisch erworbenes Wissen in die Praxis umsetzen“, so Gilsdorf. Damit auch das Thema keine Eintagsfliege bleibt, plant Honeywell weitere Wettbewerbe für Studenten im nächsten Jahr. Auf diese Art und Weise können sich die „Everyday Heros“ der kommenden Generation bereits mit dem Automatisierungsstrategien von Honeywell Process Solutions vertraut machen.

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