Dichtungen für Extreme Hochwertige FKM-Werkstoffe können Perfluorelastomere ersetzen

Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Michael Krüger / Anke Geipel-Kern

Der erst kürzlich auf dem Markt eingeführte Hochleistungs-FKM-Compound HF 875 zeichnet sich durch eine sehr hohe Chemikalienbeständigkeit aus, die in Teilbereichen sogar mit der chemischen Beständigkeit von FFKM-Werkstoffen mithalten kann. Dichtungen aus dem Werkstoff haben den Praxistest bereits bestanden.

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Wenn Dichtungsmaterialien Säuren oder Laugen widerstehen müssen, kommen FKM-Werkstoffe ins Spiel.
Wenn Dichtungsmaterialien Säuren oder Laugen widerstehen müssen, kommen FKM-Werkstoffe ins Spiel.
( Bild: C. Otto Gehrckens )

Hochwertige FKM-Werkstoffe werden heutzutage überall dort einsetzt, wo die Dichtungsmaterialien mit aggressiven Medien, z.B. Säuren oder Laugen, in Kontakt kommen. FKM-Werkstoffe basieren auf Fluorkautschukmonomeren und besitzen einen hohen Fluoranteil, der ihnen chemische Beständigkeit verleiht. C. Otto Gehrckens hat jetzt den FKM-Werkstoff HF 875 entwickelt, der eine hervorragende Chemikalienbeständigkeit besitzt und in Teilbereichen FFKM-Werkstoffe (Perfluoelastomere) substituieren kann, zumal er preislich deutlich günstiger ist. Zwar kann dieser HF 875 im Hochtemperatureinsatz nur dauerhaft bis 200 °C eingesetzt werden, aber das ist in den meisten Anwendungen vollkommen ausreichend.

Der Fluoranteil bringts

Generell gilt, dass erstklassige FKM-Werkstoffe sehr hoch mit Fluor angereichert sein müssen, wenn diese eine entsprechende chemische Resistenz aufweisen und somit in einem sehr weiten Medienspektrum einsetzbar sein sollen. Zusätzlich müssen die in der chemischen Industrie verbauten Werkstoffe auch häufig eine hervorragende Dampf- und Lösungsmittelbeständigkeit aufweisen und mit einem sehr niedrigen Druckverformungsrest und hohen mechanischen Eigenschaften überzeugen. Nur so können die hohen Anforderungen erfüllt werden. In der Praxis hat der Anwender verschiedenste FKM-Werkstoffe zur Auswahl, aber nur wenige genügen allen zuvor genannten Anforderungen.

Der hochfluorierte FKM-Werkstoff HF 875 verfügt über eben diese Eigenschaften. Ebenso überzeugend verhält sich dieser Werkstoff bei Einlagerung in unterschiedlichen Medien. Hier konnten nach 72 Stunden Einlagerung bei 23 °C praktisch keine Werkstoffveränderungen hinsichtlich Härte, Reißfestigkeit, Dehnung, Gewicht oder Volumen festgestellt werden. Da moderne FKM-Werkstoffe häufig in außergewöhnlich anspruchsvollen Anwendungen zum Einsatz kommen, wurden die Tests auf Extremsituationen ausgeweitet. Und auch hier liegen die Testergebnisse innerhalb jeder Toleranz, wie die Tabelle zeigt.

In der Chemietechnik tritt häufig die Schwierigkeit auf, dass Dichtungen in den Rohrleitungen bei der Beförderung von Säuren stark angegriffen werden und somit ein langfristiger Einsatz nicht erreicht werden kann. Kürzere Wartungsintervalle mit entsprechenden Betriebskosten, wie u.a. Stillstands- und Personalkosten sind die Folge. Außerdem sind die Säuren bei höheren Temperaturen sehr aggressiv.

Diese Temperatur ist jedoch bei vielen Produktionsprozessen notwendig und unumgänglich. Ebenso wie der Einsatz von elastomeren Dichtungen. Darüber hinaus kommt es in den Chemiewerken zudem vor, dass durch die Rohrleitungen unterschiedliche Medien gefördert werden und zwischen den unterschiedlichen Produktionsprozessen auch noch entsprechende Reinigungsprozesse höchste Anforderungen an alle Bauteile stellen. Aber auch bei Instandhaltungsmaßnahmen kann es unter Umständen von Vorteil sein, bisher eingesetzte FFKM-Dichtungen oder FKM-Dichtungen auszutauschen. In beiden Fällen können die Produktionskosten gesenkt werden. Entweder durch den Preisvorteil beim Austausch von teuren FFKM-Werkstoffen oder aber durch längere Laufzeiten und dementsprechend weniger Wartungsintervallen beim Austausch von FKM-Werkstoffen gegen den FKM-Compound HF 875.

Der Autor ist Leiter Anwendungstechnik der C. Otto Gehrckens GmbH & Co. KG, Pinneberg.

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