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12. Schüttgut-Forum in Würzburg Wie Sie Unwägsamkeiten im Schüttguthandling begegnen

Autor / Redakteur: Sabine Mühlenkamp / Dr. Jörg Kempf

Sicher, schonend und effizient sollte der Transport eines Produktes von einer Anlage zur nächsten vor sich gehen. Doch Schüttgüter lassen sich ungern in standardisierte Abläufe pressen. Um mit solchen Unwägsamkeiten umzugehen, benötigt man Erfahrung. Und wo könnte man diese besser sammeln als auf dem diesjährigen Schüttgut-Forum in Würzburg (15./16. November 2018).

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„Nach wie vor wird das Silo als verfahrenstechnischer Apparat unterschätzt. Schüttgutprozesse lassen sich aber nur optimieren, wenn das Silo als Teil der Gesamtanlage verstanden wird.“ Harald Heinrici, Sachverständiger und Geschäftsführer bei Schwedes und Schulze, Programmbeirat des Schüttgut-Forums
„Nach wie vor wird das Silo als verfahrenstechnischer Apparat unterschätzt. Schüttgutprozesse lassen sich aber nur optimieren, wenn das Silo als Teil der Gesamtanlage verstanden wird.“ Harald Heinrici, Sachverständiger und Geschäftsführer bei Schwedes und Schulze, Programmbeirat des Schüttgut-Forums
(Bild: PROCESS)

Welches Schräubchen dreht man, wenn es klemmt? Diese Frage ist bei Schüttgütern nicht einfach zu beantworten, vor allem weil durch eine Aktion eine ganze Reihe an nicht einschätzbaren Reaktionen in Gang gesetzt wird, die wiederum zum Problem für den Gesamtprozess werden können.

Zudem handelt es sich in der Schüttgutindustrie beim vielzitierten Schräubchen immer noch häufig um einen Hammer, der eher Schaden verursacht als Nutzen bringt. Harald Heinrici, Sachverständiger und Geschäftsführer bei Schwedes und Schulze und Programmbeirat des Schüttgut-Forums (www.schuettgut-forum.de), hält seit Jahren ein Plädoyer dafür, das Silo im Spannungsfeld der gesamten Anlage zu betrachten.

Event-Tipp der Redaktion Das 12. Schüttgut-Forum findet auch 2018 wieder im Rahmen der Förderprozess-Foren statt. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie auf unserer Eventseite. Programm, Erfahrungsaustausch und Rahmen des Forums sind top, wie uns Teilnehmer dieser Nutzwertveranstaltung bestätigen. Unsere Bildergalerien zum letztjährigen Event zeigen Impressionen der Veranstaltung sowie die

PROCESS: Herr Heinrici, Sie begleiten nun schon zum vierten Mal das Schüttgut-Forum als Programmbeirat. Was ist für Sie das Besondere an der zweitägigen Veranstaltung?

Heinrici: Das Forum begleitet den Anwender durch den gesamten Schüttgut-Prozess. Dabei wird in den Vorträgen immer die Balance zwischen Theorie und Praxis gefunden. Ohne fundierte Grundlagen lassen sich viele Phänomene in der Schüttgutverabeitung nicht verstehen, daher kommt die Theorie nicht zu kurz. Gleichzeitig bleibt während des Forums sehr viel Raum, diese praxisnah zu erklären und typische Situationen und Probleme im Prozessalltag zu diskutieren. Diese Diskussionen werden im Übrigen häufig in die Pausen hinein getragen.

PROCESS: Wie gehen denn die meisten Anwender mit einem Problem am Silo um?

Heinrici: Die Menschen sind sehr kreativ und versuchen erst einmal selbst beispielsweise einen stockenden Fluss in Gang zu bringen. Instinktiv würde wohl jeder erst einmal dagegen klopfen, ob das dann mit einem Hammer passiert oder mit der Faust, sei einmal dahingestellt. Häufig wird auch Luft hinein geblasen oder wahllos eine andere Austragshilfe versucht. Aber diese Versuche können die Situation noch verschlimmern, und vor allem handelt es sich oft um keine langfristige Lösung.

PROCESS: Welche Probleme begegnen Ihnen am häufigsten?

Heinrici: Dass überhaupt nichts mehr aus dem Silo herauskommt, ist selten. Viel problematischer sind scheinbar kleine Probleme, die jedoch große Auswirkungen auf die spätere Produktqualität haben. Dazu gehört ein ungleichmäßiger Massenstrom, der beispielsweise den gesamten Prozess durcheinanderbringt, weil direkt nach dem Silo ein Durchlaufmischer angeschlossen ist. Ein weiteres Problem vor allem aus Sicht der Qualitätssicherung sind Entmischungen im Prozess.

PROCESS: Welche Branchen sind denn häufig von Entmischungsvorgängen betroffen?

Heinrici: Eigentlich jede. Nehmen wir die Futtermittelindustrie – Futtermittel bestehen aus hochkomplexen Produktzusammensetzungen, die penibel eingehalten werden müssen. Oder Mörtelzusammensetzungen, die allesamt Hightech-Produkte sind. Und nicht zuletzt Waschmittel, bei denen jeder eine gleichmäßige Durchmischung von weißen und bunten Partikeln in der Endverpackung erwartet. Die besondere Herausforderung dabei ist, dass diese Produkte aufgrund der leichteren Handhabbarkeit sehr fließfähig sind. Eine Produkteigenschaft, die eine Entmischung forciert. All diese sehr unterschiedlichen Branchen sind durch ein gemeinsames Problem verbunden. Um hier den richtigen Weg zu finden, müssen das Silo und alle dazugehörigen Komponenten gut aufeinander abgestimmt sein.

Erkennen Betreiber eigentlich, dass sie ein Problem mit dem Silo haben? Die Antwort lesen Sie auf der nächsten Seite.

Nur selten wird das Silo als Problemursache gesehen

PROCESS: Erkennen denn die Betreiber, dass sie ein Problem mit dem Silo haben?

Förderprozess-Foren 2017: Die Referenten des 11. Schüttgut-Forums
Bildergalerie mit 15 Bildern

Heinrici: Es dauert meist eine Weile, bis die Betreiber auf die wirkliche Ursache kommen. Selbstverständlich wird die Qualitätssicherung Alarm schlagen, wenn eine Entmischung vorliegt. Oder die Instandhaltung, wenn ein Mischer überfahren wird oder es zu großen Staubentwicklungen kommt. Aber selten wird das Silo als Problemursache gesehen.

PROCESS: Wie kommt das?

Heinrici: Das Silo ist ein unterschätztes Bauteil und wird selten als verfahrenstechnischer Apparat angesehen. Dabei kann sich das Schüttgut bei nicht angepasster Siloauslegung verändern und ist nicht mehr in dem Zustand, in dem es eingefüllt wurde. In vielen Fällen liegt es daran, dass ein Silo nur als logistische Komponente wahrgenommen wird. Auch in den Ablaufplänen erscheint es immer nur als Zwischenspeicher. Dies beginnt bereits in der Planung. Bei der Auslegung geht es in erster Linie darum, die geforderten Kubikmeter zu erreichen und darum, eine gewisse Bauhöhe nicht zu überschreiten. Verstärkt wird dies noch dadurch, dass häufig die Lieferanten vom Silo und den umliegenden Apparaten verschiedene sind.

PROCESS: Wie lässt sich diese Situation verändern bzw. verbessern?

Heinrici: Eine erste Maßnahme ist sicher, dass man das Silo im Spannungsfeld der gesamten Anlage betrachtet. Und dass man die Schnittstelle nicht am Siloauslauf, sondern an der Abwurfstelle des Austragsgerätes setzt. Damit erhält man eine Gesamteinheit, die man entsprechend optimieren kann.

PROCESS: Wie sieht es im laufenden Betrieb aus? Muss ein Silo gepflegt werden?

Heinrici: Ein heikler Punkt. Ich treffe immer wieder auf Silos, die jahrzehntelang nicht weiter angeschaut worden sind. Wenn kein Schadensfall auftritt, kommt man damit vermutlich durch. Wenn doch: Dann ist die erste Frage der Versicherungen, ob sie einen Blick in die zyklischen Wartungen und Inspektions-Unterlagen werfen können. Liegen diese nicht vor, hat der Betreiber zumindest eine Teilschuld. Denn es gibt eine Norm, die DIN/EN 617, in denen Inspektionen allgemein vorgeschrieben sind. Und in der VDI-Richtlinie 6200 wird noch genauer darauf eingegangen, in welchen Zyklen, in welchem Umfang und von wem eine solche Inspektion durchgeführt werden soll. Branchen, die Hygieneanforderungen zu erfüllen haben, sind da deutlich weiter. Hier werden nach einer bestimmten Anzahl an Füllzyklen die Silos von innen und außen genau inspiziert.

PROCESS: Wie häufig kommt es denn zu Problemen in Silos?

Heinrici: Da das Silo häufig gar nicht als Ursache für ein Problem in der Produktion wahrgenommen wird, leben wahrscheinlich viele Betreiber mit einem nicht optimal funktionierenden Silo. Aus meiner Erfahrung kann ich es zumindest so formulieren: Bei der Auslegung von Silos ist Massenfluss das magische Wort. Damit lassen sich die allermeisten Siloprobleme vermeiden. Dennoch sind aber wohl 95 Prozent aller Silos Kernflusssilos.

PROCESS: Wie wichtig ist die Digitalisierung für die Optimierung von Schüttgutprozessen?

Heinrici: So manches Konzept, was heute unter dem Stichwort Industrie 4.0 abgehandelt wird, gibt es schon seit einigen Jahren, beispielsweise Vendor-Managed-Inventory, Projekte für eine verbesserte Instandhaltung oder Big Data-Ansätze für die Simulation von Feststoffströmen. Vieles wird allerdings jetzt erst greifbar. Es wird spannend, welche Entwicklungen sich noch ergeben. Ansätze gibt es sicherlich genug.

PROCESS: Was dürfen die Teilnehmer des Schüttgut-Forums am 15./16. November 2018 erwarten?

Heinrici: Zum Silo gehört mehr als nur das Silo an sich. Daher vermitteln wir in zwei Tagen alles, was zu einem funktionierenden Schüttgut-Prozess gehört, vom Silo und seinen Komponenten über die Dosiertechnik und Fördertechnik bis zum Explosionsschutz. In diesem jahr liegt ein Schwerpunkt zudem auf der Digitalisierung: Wie laääst sich die Digitalisierung in Produktionsprozessen gewinnbringend nutzen? Dabei werden Referenten von der Anwender- und Herstellerseite dabei sein, die sich Zeit nehmen, um auf alle Fragen zu antworten. Und zu guter Letzt ist die Atmosphäre an einem historischen Ort wie der Festung Marienberg etwas ganz besonderes.

Sie interessieren sich für das Schüttgut-Forum 2018? Alle Infos finden Sie aufwww.schuettgut-forum.de Das Schüttgut-Forum findet im Rahmen der Förderprozess-Foren 2018 gemeinsam mit dem 16. Pumpen-Forum und begleitender Ausstellung statt. Teilnehmer können beide Foren besuchen.

Impressionen von den Förderprozess-Foren 2017
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