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Smart Process Manufacturing Kongress 2019

Herausforderung Integrated Engineering - Warum der Mensch die entscheidende Rolle spielt

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Wer Integrated Engineering über den gesamten Anlagenlebenszyklus betreiben will, steht vor der Herausforderung alle Projektdaten in einer gemeinsamen Datenbasis zu vereinen. Seit zwei Jahren sammelt Infraserv Gendorf Erfahrungen mit dem Einsatz einer Planungssoftware und dem damit verknüpftem Change Prozess. Auf dem Smart Process Manufacturing Kongress zieht Engineeringleiter Mickael Planasch, Leiter Engineering bei Infraserv Gendorf ein vorläufiges Fazit und erklärt, wie er künftig Fallstricke umgehen will.

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Dr. Mickael Planasch leitet das Engineering bei Infraserv Gendorf.
Dr. Mickael Planasch leitet das Engineering bei Infraserv Gendorf.
(Bild: Untsch)

Integrated Engineering im Anlagen Life Cycle – Erfahrungen mit und aus der Praxis. So heißt eine der Fachsessions auf dem Smart Process Manufacturing Kongress am 24. und 25. September. Einer der Highlight-Vorträge ist der von Dr. Mickael Planasch. Er leitet das Engineering bei Infraserv Gendorf und erklärt in dem Vortrag, welche Erfahrungen sein Team und er bei der Einführung eines Integrated Engineering-Systems gemacht haben.

Die Erwartungen an Integrated Engineering Systeme in der chemischen Prozessindustrie sind hoch – die Herausforderungen ebenfalls: Projektdaten sollen in einer gemeinsamen Datenbasis gesammelt und für den kompletten Lebenszyklus einer Anlage genutzt werden, von der Konzept- und Basisplanung über die Ausführungsplanung und Errichtung bis hin zum Betrieb und Instandhaltung der Anlage. Ziel ist es, alle Daten und Informationen im aktuellen As-built-Status den Projektbeteiligten zur Verfügung zu stellen.

Event-Tipp der Redaktion Auf dem 3. Smart Process Manufacturing Kongress am 24. und 25. September in Würzburg erleben Sie zukunftsweisende Impulse, lösungsorientierte Best Practices und können sich live mit den führenden Köpfen der Prozessindustrie austauschen. Von Digitalem Engineering, über Data Analytics und Predictive Maintenance bis hin zu KI, Blockchain und Virtuell Reality - der Kongress behandelt die Zukunft der Branche.

Die Aktualität und Durchgängigkeit der Informationen soll zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein, Fehlentscheidungen vermieden und Kosten sowie Zeit für Engineering- und Instandhaltungsmaßnahmen gesenkt werden. Aktuelle Daten, die im PLS oder MES gespeichert werden, werden dabei häufig nicht berücksichtigt. Der Grund: Der Großteil der Anlagen- und Assetinformationen wird im Rahmen von Anlagenplanungsprojekten erstmalig erstellt und findet somit keine Berücksichtigung. Dabei sind gerade ERP-Systeme, die eine Brücke zwischen der Planungs- und der Produktionsebene bauen, ein wichtiger, aussagekräftiger Bestandteil des gesamten Life-Cycles.

Um auch diese Herausforderung zu lösen, treibt die Infraserv Gendorf seit mehreren Jahren die Entwicklung und den Einsatz einer Planungsarchitektur (Stichwort Gendorf CAX 4.0) mit intelligenten Planungswerkzeugen voran, die darauf abzielen, sämtliche Daten aus dem gesamten Anlagen-Life-Cycle zu vernetzen und einzubetten. Allein in den letzten beiden Jahren wurden dafür sehr hohe Investitionen getätigt. Im Mittelpunkt des Vortrags stehen ein erstes Fazit sowie die Auswertung der Erfahrungen mit der neuen Planungsarchitektur und die daraus abgeleiteten Maßnahmen.

Und das erfahren Sie im Vortrag

Die Entscheidung der Produktionsbetriebe der ISG, für den gesamten Anlagen-Life-Cycle die neuen Planungswerkzeuge zu nutzen, war eine zentrale Voraussetzung für ein Integrated Engineering: Dadurch konnte eine Automatisierung des Datentransfers der Planungsergebnisse zwischen Engineering, Asset Management und der Instandhaltung erfolgreich umgesetzt werden. In allen Projekten kamen intelligente Engineering-Werkzeuge zum Einsatz.

Im Ergebnis konnten die Kosten für Planungsprojekte durch eine erfolgreiche Standardisierung und Nutzung phasenübergreifender Effekte signifikant reduziert werden. Durch neue und optimierte Schnittstellen waren auf Einzelleistungen in den Projekten Einsparungen von mehr als 80 Prozent möglich.

Doch trotz der Erfolge und des sehr hohen Levels an Fachwissen der wichtigsten Protagonisten, blieben die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück. Verantwortlich dafür zeigten sich ganz unterschiedliche Faktoren: Zum einen führte eine fehlende Standardisierung wiederholt dazu, dass ähnliche Inhalt neu erarbeitet werden mussten. Der zunächst geschaffene Mehrwert war somit nicht zu halten.

Zum anderen wirkte sich auch der Faktor Mensch aus: Handelnde Personen mit einem starken Fokus auf „Detailfragen“ konnten den Mehrwert für Mitarbeiter außerhalb des direkten eigenen Wirkungsbereichs nicht erkennen. Aber auch eine sehr gute Auftragslage sorgte dafür, dass Mitarbeiter so stark im Tagesgeschäft eingebunden waren, dass zu wenig Zeit für die Einführung und Nutzung neuer Werkzeuge und Prozesse blieb.

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Im Ergebnis dauerte es trotz offenen Mindsets vieler Mitarbeiter signifikant länger als geplant, alte Strukturen aufzubrechen. Zusammengefasst war die Einschätzung bezüglich der Überwindung der „Gewohnheit“ der Organisation zu optimistisch.

Um den Aufbau eines Integrated Engineering Systems über den Anlage-Life-Cycle weitere voranzutreiben, wird eine CAX Gruppe bestehend aus sechs Experten dieses zentrale Thema weiterentwickeln – ohne Kostendruck.

Konkret geplant sind zudem weitere neue Software-Produkte, mit denen verstärkt phasenübergreifend Vorteile genutzt werden können. Darüber hinaus wird ein Programm zur Standardisierung der Projektabwicklung mit einer Laufzeit von dreieinhalb Jahren initialisiert und eine Planstelle zur Qualifizierung der Mitarbeiter geschaffen.

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