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Entwicklung Chemiebranche Halbjahreszahlen des VCI belegen Bedeutung des Exportgeschäfts für Chemiebranche

| Redakteur: Marion Wiesmann

Trotz des starken Euros und massiv steigender Energie- und Rohstoffkosten hat die chemische Industrie ihre Produktion im ersten Halbjahr 2008 ausgeweitet. Die Wachstumsgeschwindigkeit hat sich allerdings in Deutschlands viertgrößter Branche spürbar verringert.

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VCI-Präsident Prof. Dr. Ulrich Lehner: „Noch vor wenigen Jahren wären wir bei so widrigen Umständen wesentlich pessimistischer in eine Pressekonferenz gegangen. Heute können wir verkünden: Wir werden 2008 trotzdem 2,5 Prozent Wachstum haben und das ausgehend von einem hohem Niveau.“
VCI-Präsident Prof. Dr. Ulrich Lehner: „Noch vor wenigen Jahren wären wir bei so widrigen Umständen wesentlich pessimistischer in eine Pressekonferenz gegangen. Heute können wir verkünden: Wir werden 2008 trotzdem 2,5 Prozent Wachstum haben und das ausgehend von einem hohem Niveau.“
( Bild: VCI )

Frankfurt – Die chemische Industrie in Deutschland hat sich in den letzten Jahren klare Vorteile im weltweiten Wettbewerb erarbeitet, berichtete der Verband der Chemischen Industrie (VCI) vor der Presse in Frankfurt. Seit Beginn des Konjunkturaufschwungs 2003 sei die deutsche Chemie mit über vier Prozent im Jahresdurchschnitt deutlich dynamischer gewachsen als die Branche in den USA, Japan oder den restlichen Mitgliedstaaten der EU. Dort habe die jährliche Wachstumsrate der Chemie von 2003 bis 2007 im Mittel nur bei 2,6 Prozent gelegen.

Wie der VCI in Frankfurt berichtete, stieg die Chemieproduktion im ersten Halbjahr 2008 um drei Prozent. Zum Vorjahreszeitraum hat sich die Wachstumsrate exakt halbiert. Der VCI rechnet mit einer weiteren Abschwächung der Chemiekonjunktur in den kommenden Monaten. Ein Einbruch sei jedoch nicht zu erwarten. Für das Gesamtjahr 2008 prognostiziert der VCI einen Produktionsanstieg von 2,5 Prozent. Der Umsatz der Branche könnte dagegen um 5,5 Prozent zulegen.

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Daten und Fakten des 1. Halbjahres 2008 auf einen Blick (Veränderung gegen 1. Halbjahr 2007):

  • Produktion: plus 3 Prozent
  • Erzeugerpreise: plus 3,5 Prozent
  • Beschäftigte: minus 0,3 Prozent auf 439 000 Beschäftigte
  • Umsatz: plus 5,5 Prozent auf 88,9 Milliarden Euro (Inland plus 5 Prozent auf 38,7; Ausland plus 6 Prozent auf 50,2)
  • Export: plus 11,5 Prozent auf 70,5 Milliarden Euro
  • Import: plus 6 Prozent auf 47,8 Milliarden Euro

VCI-Prognose der Indikatoren für das Gesamtjahr 2008

  • Produktion: plus 2,5 Prozent (Vergleich 2007: plus 5 Prozent)
  • Erzeugerpreise: plus 3,5 Prozent (Vergleich 2007: plus 2,1 Prozent)
  • Umsatz: plus 5,5 Prozent (Vergleich 2007: plus 7,1 Prozent auf 173,6 Milliarden Euro)

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die deutsche Chemie robuster geworden ist, robuster als sie es früher unter ähnlich schwierigen Bedingungen war“, stellte VCI-Präsident Prof. Dr. Ulrich Lehner fest. Viele deutsche Chemieunternehmen hätten ihre Verfahren, Strukturen und internen Prozesse in den letzten Jahren so optimiert, dass die Produktionskosten an den Standorten erheblich gesunken seien. Die Ertragskraft habe dadurch deutlich zugenommen. Lehner sieht die deutsche Chemie daher auch langfristig gut gewappnet, um weiteres Wachstum zu schaffen: „Wir sind heute deutlich besser aufgestellt als in den 90er Jahren. Deshalb trauen wir uns zu, die Produktion in der deutschen Chemieindustrie bis 2020 um durchschnittlich drei Prozent pro Jahr zu steigern.“

„Wir rechnen damit, dass wir in den kommenden Monaten die Auswirkungen der extrem hohen Rohstoff- und Ölpreise, des starken Euros und des Konjunkturrückgangs in den USA stärker als bislang zu spüren bekommen“, erklärte VCI-Präsident Prof. Dr. Ulrich Lehner auf der Pressekonferenz. Dies werde sich vor allem im Geschäft mit den Industriekunden in Europa bemerkbar machen. Doch trotz des schwierigen Umfelds erwartet Lehner, dass die Nachfrage nach Chemikalien einigermaßen stabil bleibt. „Dabei helfen uns das konjunkturunabhängige Pharmageschäft und die weiterhin boomenden Volkswirtschaften Asiens.“

Exportgeschäft belebt deutsche Chemiebranche

Eine der großen Stärken der deutschen Chemie sei das Exportgeschäft. Die Exportquote der Branche liege inzwischen bei rund 75 Prozent. Mittel- und Osteuropa haben als Absatzmärkte für die deutsche Chemie erheblich an Bedeutung gewonnen. Die Branche profitiere dabei von der Nähe zu den neuen Mitgliedstaaten der EU und ihrer rapide steigenden Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen. Im letzten Jahr machten die Ausfuhren nach Mittel- und Osteuropa bereits mehr als 12 Prozent der gesamten deutschen Chemieexporte aus. Das waren umgerechnet über 16 Milliarden Euro.

Wichtigster Faktor für einen nachhaltigen Erfolg auf den Weltmärkten blieben jedoch innovative Produkte, stellte der VCI-Präsident fest. Die Unternehmen hätten deshalb die Forschungsetats kräftig aufgestockt. Dies gelte besonders für die Pharma-Sparte. In den letzten zehn Jahren sind die Forschungsausgaben der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland um 2,5 Milliarden Euro auf zuletzt 9,5 Milliarden Euro gestiegen.

Emissionshandel bremst Wachstum aus

Die größte Bedrohung für das langfristige Wachstumsszenario von drei Prozent bis 2020 sieht Lehner zurzeit in den Plänen der EU-Kommission für den Emissionshandel. „Da rollt eine riesige Kostenlawine auf die chemische Industrie zu. Die Belastungen aus dem Emissionshandel werden bereits 2013 allein für die deutschen Firmen über eine Milliarde Euro betragen und bis 2020 auf fast zwei Milliarden Euro pro Jahr steigen“, so der VCI-Präsident.

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