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Lebensmittelsicherheit Hält die neue Mineralölverordnung, was sie verspricht?

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Aromatische Kohlenwasserstoffe und/oder Mineralölreste haben in Lebensmitteln nichts zu suchen. Doch wie verhindert man die Migration der in unserer Umwelt allgegenwärtigen Chemikalien? Helfen soll die neue Mineralölverordnung, für die es mittlerweile einen Entwurf gibt. Experten kritisieren die Verordnung und sehen die Lebensmittelbranche in der Pflicht.

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So gelangen Mineralöle ins Lebensmittel.
So gelangen Mineralöle ins Lebensmittel.
(Bild: Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft)

Wurst, Käse, Nüsse, Schokolade – alles liegt sauber in Plastik verpackt in der Theke. Ein Griff und das Lebensmittel liegt im Einkaufswagen. Über den Chemikaliencocktail, der bei der Lagerung aus der Packung in das Lebensmittel hinüber wandern könnte, denken die wenigsten Verbraucher lange nach. Und doch nimmt jeder Konsument im Laufe seines Lebens mit dem abendlichen Wurstbrot oder der Knabberei vorm Fernseher eine erkleckliche Menge an Chemikalien auf, die z.B. aus der Verpackung in die Chips wandern.

Migration – neues, altes Thema

Das Thema Migration macht der Lebensmittelbranche seit langem zu schaffen und hat erneut an Brisanz gewonnen: Tester von Foodwatch, Ökotest und Stiftung Warentest entdeckten vor drei Jahren Kohlenwasserstoffe in Chips, Kinderschokolade und anderen Fertiglebensmitteln. Die Laborfahnder fanden vor allem zwei Substanzgruppen: langkettige Mineralölkohlenwasserstoffe, kurz MOSH (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons), und aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe, kurz MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons). Beide werden leicht aus Lebensmitteln in den Körper aufgenommen und verursachen bei Ratten Krebs. Ähnlich wie polyzyklische Kohlenwasserstoffe, kurz PAKs, reichern sich die Chemikalien im Körperfett an und werden dadurch auch in der Muttermilch gefunden.

Das Problem sei mindestens 30 Jahre alt, erzählt Koni Grob vom Kantonalen Labor in Zürich im letzten Jahr auf einer Fresenius Fachkonferenz. Schon 1989 entdeckten die Lebensmittelchemiker in Zürich Mineralölkohlenwasserstoffe in Haselnüssen, Kakaobohnen (Schokolade), Reis, Ölsaaten und Kaffee. Aber jetzt haben die Kampagnen der großen Verbraucherorganisationen das Thema erneut auf die Tagesordnung gebracht und die großen Lebensmittelkonzerne und Handelsketten aufgeschreckt.

Selbst der Gesetzgeber hat reagiert. Im letzten Jahr hat die Regierung den Entwurf zu einer neuen Mineralölverordnung aus dem Boden gestampft, von der es mittlerweile einen Entwurf gibt. Als Hauptkontaminationsquelle hat der Gesetzgeber Kartons aus Recylingmaterial ausgemacht, die mit mineralölhaltiger Druckerschwärze verunreinigt sind.

Das Gesetzesvorhaben ist unter dem sperrigen Namen Bedarfsgegenständeverordnung veröffentlicht worden und fordert als erste Maßnahme, dass Hersteller künftig Lebensmittel in Innenbeutel verpacken oder die Innenseite von Recyclingkartons so beschichten müssen, dass Mineralölrückstände nicht aus der Verpackung austreten können.

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