Engineering Summit Geopolitik, Rohstoffpreise und neue Konkurrenz: Großanlagenbau vor neuen Herausforderungen

Redakteur: Dominik Stephan

Keine Erholungspause für den Großanlagenbau: Nachdem zuletzt immer mehr asiatische Großkonzerne als Generalunternehmer die Branche aufmischten, machen nun geopolitische Risiken und starke Preisschwankungen bei Währungen und Rohstoffen den Anlagenbauern zu schaffen.

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Aktuelle Situation im Großanlagenbau: Der Wettbewerbsdruck im Anlagenbau hat signifikant zugenommen (gar nicht, hellblau bis sehr stark dunkelblau).
Aktuelle Situation im Großanlagenbau: Der Wettbewerbsdruck im Anlagenbau hat signifikant zugenommen (gar nicht, hellblau bis sehr stark dunkelblau).
(Bild: VDMA/Klaus Gottwald)

Frankfurt – Der Wettbewerbsdruck im Großanlagenbau wird auch in den kommenden Jahren zulegen, erklärte die VDMA Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (AGAB) anhand einer aktuellen Umfrage unter den Teilnehmern des 4. Engineering Summit. In Zeiten verschärfter Konkurrenz und volatiler Märkte setzten Unternehmen deswegen besonders auf neue Technologien sowie Dienstleistungen und Services.

„Neben Unternehmen aus Europa und Nordamerika treten zunehmend technologieungebundene Generalunternehmer aus Asien als neue Konkurrenten auf. An erster Stelle sind Anlagenbauer aus China und Südkorea zu nennen. Doch auch Anbieter aus Indien werden zunehmend international spürbar“, erklärte Thomas Waldmann, Geschäftsführer der AGAB. Ferner erschweren geopolitische Risiken sowie starke Schwankungen an den Devisen- und Rohstoffmärkten langfristige Planungen. Waldmann: „Dieses Umfeld stellt den auf stabile Rahmenbedingungen angewiesenen Großanlagenbau vor erhebliche Herausforderungen.“

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Politik gefragt: Exportkreditversicherung und Finanzierung im Fokus

Dabei mache besonders die lokale Leistungserbringung, die Kunden in Schwellenländern in den Katalog der Anlagenbauer schrieben, der Branche Kopfzerbrechen: “Deshalb muss eine wettbewerbsfähige deutsche Exportkreditversicherung und -finanzierung dringend deutlich höhere lokale Kosten und ausländische Zulieferungen berücksichtigen“, erklärte Waldmann.

Doch auch das Thema neue Technologien stand im Mittelpunkt des Engineering Summit: Die AGAB-Studie „Industrie 4.0 im Industrieanlagenbau – Revolution oder Evolution?“ untersucht, wie die Effizienz der Planungs- und Abwicklungsprozesse im Anlagenbau verbessert werden kann.

Waldmann: „Der Großanlagenbau sieht im Einsatz von Industrie 4.0-Technologien einen zusätzlichen Hebel, um wettbewerbsfähiger zu werden. Besonders groß ist das Potenzial in der Logistik, auf der Baustelle und im Engineering.“ Darüber hinaus wird auf dem Engineering Summit über strategische Wettbewerbsfaktoren, Möglichkeiten zur Reduzierung der Durchlaufzeiten bei Großprojekten und das Potenzial von Kooperationen zwischen Lieferanten und mittelständischen Anlagenbauern gesprochen.

USA und Iran werden zu Hoffnungsträgern der Branche

Für 2015 rechnet die Arbeitsgemeinschaft mit leicht rückläufigen Auftragseingängen – und eine grundlegende Trendwende ist auch 2016 nicht in Sicht. Die nachlassende Investitionstätigkeit in zahlreichen Schwellenländern, der zunehmende Wettbewerb aus Asien sowie die Baisse an den Rohstoffmärkten erschweren den Erfolg der Großanlagenbauer in ihren jeweiligen Märkten.

Es gibt aber auch Lichtblicke: Die Reindustrialisierung der USA bietet der Branche gute Absatzperspektiven. Ferner besteht im Zuge des politischen Wandels Hoffnung auf ein Wiedererstarken des iranischen Marktes. Schließlich verspricht das Servicegeschäft stabil steigende Umsätze. „Für 2016 erscheint daher ein moderates Wachstum möglich. Laut unserer Umfrage gehen 70 Prozent der Befragten für das kommende Jahr von anziehenden oder zumindest konstanten Aufträgen aus“, so das Fazit von AGAB-Geschäftsführer Waldmann.

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