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Gefahrstofflagerung - Aktiv und geschützt Gefahrstofflagerung im Fokus: Wie unterscheiden sich aktive und passive Lagerung?

Autor / Redakteur: Marc Platthaus* / Dominik Stephan

Für die aktive und passive Lagerung von Chemikalien gelten teils stark unterschiedliche Anforderungen an Technik und Dokumentation. Wann spricht man von aktiv, wann von passiv? Erfahren Sie, worauf es bei der sicheren Gefahrstofflagerung ankommt.

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Kanistertausch – hier von einer HPLC-Anlage – ist ein sicherheitsrelevanter Schritt beim Umgang mit Lösemitteln.
Kanistertausch – hier von einer HPLC-Anlage – ist ein sicherheitsrelevanter Schritt beim Umgang mit Lösemitteln.
(Bild: Stefan Stark / Düperthal)

Dichlormethan aus einem Kanister in eine kleinere Vorratsflasche abfüllen – ein Vorgang, der so oder so ähnlich tausende Male in Laboratorien in der ganzen Welt durchgeführt wird. Doch worauf muss der Labormitarbeiter achten, wenn er diesen Vorgang sicherheitstechnisch sauber ausführen möchte?

Wichtig hierbei ist, den Unterschied zwischen aktiver und passiver Lagerung zu kennen. Laut dem Explosionsschutzportal der BG RCI sind „Bei der passiven Lagerung […] die […] Behälter dicht verschlossen und dürfen während des Aufbewahrens im Lager weder befüllt noch entleert noch zu sonstigen Zwecken geöffnet werden.“

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Ausnahmefall passive Lagerung

Betrachtet man diese Vorschrift genauer, dann wird schnell klar, dass passive Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten in Laboratorien eher die Ausnahme als die Regel ist. Aus diesem Grund sollte sich der Anwender auch mit den Vorschriften der aktiven Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten und Gefahrstoffen vertraut machen: Sobald aktiv gelagert wird, sind neben der TRGS (Technische Regeln für Gefahrstoffe) 526 und TRGS 510 Anlage 3 noch zusätzliche Anforderungen aus den Richtlinien TRGS 509, TRBS 2153 und DIN EN 60079-10 in den entsprechenden Gefährdungsbeurteilungen (nach TRGS 400) und den dazu gehörenden und Explosionsschutzdokumenten zu berücksichtigen.

Maßnahmen für die aktive Lagerung

Bei der aktiven Lagerung müssen Sicherheitsschränke zwingend an eine technische Lüftung angeschlossen und überwacht werden. So wird gewährleistet, dass eine Ex-Atmosphäre und Zündgefahren vermieden wird. Um dies baulich umzusetzen, bieten Sicherheitsschränke der Firma Düperthal eine mehrfach wirksame Lüftung:

  • Objektabsaugung,
  • Schrankinnenraumlüftung und bei Untertischschränken zusätzlich eine
  • Bodenabsaugung.

Die Abluftkontrolle zur Überwachung der Lüftungsfunktion und somit die Einhaltung des festgelegten Explosionsschutzkonzeptes erfolgt über das neue Smart Control mit Touchdisplay. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Füllstandkontrolle der im Schrank befindlichen Behältnisse. Das Smart Control beinhaltet zur Überwachung der Abluft auch eine Füllstandüberwachung mit Display zur Fehleranzeige und Protokollierung. Sie warnt vor Überfüllung und leistet einen proaktiven Beitrag zum Arbeits- und Umweltschutz.

Sind Kanister für die Entsorgung von Lösungsmittelabfällen im Einsatz, so sollten sie aus ableitfähigem Material bestehen und für die Füllstandkontrolle mit Sensoren – Schwimmer oder kapazitiven Sensoren – auszustatten sein.

An die Erdung denken

Gerade beim Wechseln (siehe Abbildung oben) spielen leitfähige Kanister ihre Vorteile aus. Neben Füllstandkontrolle und Absaugung ist die optimale Erdung ein wichtiger Faktor, um die Entzündung von Gefahrstoffen zu vermeiden. Hier sollte der Anwender auf ein durchgängiges Erdungskonzept achten: Ableitfähige Oberflächen innen und außen, die Verbindung aller elektrisch-leitfähigen Metallbauteile sowie Potenzialanschluss an Rückwand oder Schrankdecke gehören zu einem solchen Konzept.

Diese Ausstattungsmerkmale bietet Düperthal beispielsweise bei den Disposal UTS Ergo Line und Disposal Bench Line als zertifizierte Systemlösung für Entsorgungsfragen im Umgang mit den unterschiedlichsten Chemikalien.

Spezielle Lösung für HPLC-Anlagen

Für Anwender, die im Labor mit HPLC-Anlagen und den entsprechenden Lösungsmitteln arbeiten, hat das Unternehmen mit der HPLC-Service-Station eine Sonderlösung entwickelt, die alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt.

Das TÜV-baumustergeprüfte System beinhaltet einen integrierten Disposal-UTS-Ergo-Line-Sicherheitsschrank. So erfüllt dieses Einrichtungsobjekt die verschiedensten Anforderungen an HPLC-Anlagen und dient zur Prozesssicherung des Arbeitsumfeldes.

Die HPLC-Service-Station wurde speziell für aktive Lagerungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Ausführungen entwickelt und erlaubt so den Betrieb von zwei HPLC-Anlagen sowie das Sammeln der HPLC- Abfälle über zwei Wochen bei einer Durchflussrate von einem Milliliter pro Minute.

Die „Push-to-open“-Flügeltürtechnik und die automatisch ausfahrenden Auszugswannen ermöglichen den leichten Zugriff auf eingelagerte Medien ebenso wie einen einfachen Wechsel der Kanister. Zum Schutz vor unnötigen Verschmutzungen beim Wechseln ist der Absperrhahn vollständig tropffrei gefertigt.

Sicher ist Sicher

Das System bietet eine optimale Übersicht und ist im Brandfall über Thermoauslösung automatisch selbstschließend.

Diese Beispiele zeigen, wie wichtig es für Anwender und Betreiber ist, sich mit dem Thema Gefahrstofflagerung zu beschäftigen – auch unter Nachhaltigkeits-Aspekten: Denn nur ein sicherer Arbeitsplatz in einer ökologisch und ökonomisch ausgerichteten Arbeitsumgebung ist nachhaltig.

* * Der Autor ist Chefredakteur unserer Schwesterzeitschrift LABORPRAXIS.

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