RFID-Technologie Funktechnologie sorgt für mehr Sicherheit

Autor / Redakteur: Jürgen Manz / Dr. Jörg Kempf

Besonders die Chemie- und Pharmaindustrie muss ihre Geschäftsprozesse aktuellen Vorschriften und Gesetzen anpassen und steht damit ständig vor neuen Herausforderungen. Dies treibt die Entwicklung innovativer Technologien voran. So implementieren IT-Dienstleister neuerdings Radio-Frequency-Identification (RFID) in Chemie- und Pharmaunternehmen. Auch für ex-geschützte Bereiche bieten sie Lösungen an.

Anbieter zum Thema

Die Kunden erwarten qualitativ hochwertige Medikamente, die Gesetzeslage fordert hohe Sicherheitsstandards bei Produktion und Transport von Arzneimitteln und Chemikalien, die Globalisierung treibt den internationalen Wettbewerb voran: Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss die Chemie- und Pharmabranche neue Wege gehen. Damit beispielsweise die Verbraucher keine gefälschten Medikamente einnehmen, rief etwa die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) einen „Compliance Policy Guide“ ins Leben. Dieser fordert, dass sich die Produkte über Tracking & Tracing eindeutig identifizieren und zurückverfolgen lassen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind nämlich rund zehn Prozent aller Medikamente weltweit gefälscht. In den Entwicklungsländern liegt die Zahl sogar bei 25 Prozent.

Damit die Branche die aktuellen Anforderungen erfüllen kann, kommt neuerdings RFID zum Einsatz. Die Technologie trägt nicht nur zur eindeutigen Erkennung von Medikamentenfälschungen bei, sondern erfasst und verfolgt zudem die im Chemiebetrieb eingesetzten Behälter und Container entlang der gesamten Lieferkette. In Echtzeit überträgt die Funktechnologie Daten über den Zustand und den Inhalt der Behälter und informiert die Kunden über den Verbleib der Ware. Das IT-System bildet somit die Materialbewegung genau ab.

Offene Kreisläufe schaffen

Bisher dominiert RFID in der Chemie- und Pharmaindustrie noch die so genannten „Closed Loops“ – also die geschlossenen Kreisläufe innerhalb eines Unternehmens. Im Hinblick auf die Optimierung der gesamten Supply Chain gewinnt der Einsatz der Funktechnologie über mehrere Kreisläufe hinweg aber zunehmend an Bedeutung. Full-Service-Betreiber wie Siemens bieten hierfür RFID-Betreibermodelle mit flexiblen Service- und Abrechnungsmodellen. Für eine lückenlose Kontrolle des Rohstoffeingangs bis hin zur Auslieferung des Endprodukts erhalten die Kunden eine komplette RFID-Infrastruktur mit Transpondern sowie Schreib- und Lesegeräten. Zudem liefert das Unternehmen ganzheitliche Services für die automatische Identifikation – zugeschnitten auf die speziellen Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden. Siemens IT Solutions and Services ist dabei für die Prozessberatung, Systemintegration sowie IT-Lösungen wie die RFID-Middleware und branchenspezifische Anwendungen verantwortlich.

RFID-Chips für alle Fälle

Seit 1. Juni 2007 gilt für alle Unternehmen der chemischen Industrie mit Sitz in Europa die EU-Richtlinie REACH. Danach muss jeder Hersteller selbstverantwortlich für die Sicherheit seiner Chemikalien über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg sorgen. Für bestimmte, gefährliche Stoffe muss er zudem angeben, wie sich diese sicher verkaufen, transportieren und einsetzen lassen. Auch Bestimmungen bezüglich Explosionsschutz sowie Beständigkeit gegen UV-Licht, Temperatureinflüsse, Feuchtigkeit und Erschütterung müssen beachtet werden. Besonders für die Bauart der RFID-Chips sind diese Vorschriften von Bedeutung. So benötigt der Transponder für ex-geschützte Bereiche eine spezielle Oberfläche bzw. muss entsprechend in Schutzgehäuse verpackt werden. Um sicher zu stellen, dass die RFID-Tags den Bedingungen und Einflüssen in der Chemieindustrie standhalten, muss ein IT-Dienstleister die Anforderungen an die Branche genau kennen und mit geeigneten Lösungen darauf reagieren. Fehlinformationen, beispielsweise über den Inhalt von Behältern oder deren Verwendung, können dann nahezu ausgeschlossen werden. Ein weiterer Sicherheitsaspekt der Funktechnologie ist ebenfalls zu berücksichtigen: Produkte und Prozesse lassen sich mit RFID berührungslos kontrollieren bzw. durchführen. Ein Auslesen der Etiketten durch das menschliche Auge ist nicht mehr notwendig. Häufige Kontakte mit Chemikalien werden dadurch vermieden.

Zur Erfüllung der speziellen Anforderungen der Pharma-Industrie setzt Siemens auf technische Innovation. Zusammen mit einem Schweizer Verpackungshersteller entwickelte das Unternehmen eine Lösung, um RFID-Chips beispielsweise an Glasflaschen, Ampullen oder Faltkartons anbringen zu lassen, ohne die Produktions- und Befüllungsprozesse zu beeinflussen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Zudem läuft derzeit die Serialisierung von E-Pedigree, einer Art Lebenslauf für die Medikamentenverpackung, der als elektronischer Sicherheitsnachweis gilt. Durch E-Pedigree kann sowohl die Echtheit eines Medikaments überprüft als auch der Weg des Präparats durch alle Stationen der Lieferkette nachvollzogen werden. Somit wird die Lösung hauptsächlich gegen Produktfälschungen und Produktpiraterie eingesetzt. Momentan scheint eine Einzelbestückung von Arzneimitteln mit Transpon-dern zu Sicherheitszwecken aufgrund der geringen Gewinnspannen pro Packung nicht rentabel.

Daten zweidimensional

Alternativ wird daher die neue Technologie des Datamatrix-Codes eingesetzt. Damit lässt sich auf kleinster Fläche eine Fülle von verschlüsselten, elektronischen Informationen unterbringen. Dies ist möglich, weil das Verfahren die Daten zweidimensional und damit platzsparend darstellt. Experten gehen davon aus, dass sich die automatische Identifizierung (AutoID) mittels RFID insbesondere aufgrund ihrer Flexibilität als Standard durchsetzen wird. Des Weiteren erwarten sie, dass Kombinationen von RFID und andere automatische Identifizierungstechnologien möglich werden. So könnte beispielsweise ein Datamatrix-Code auf die Sichtverpackung der Medikamente aufgedruckt werden, während ein RFID-Tag auf der Umverpackung angebracht ist.

Der Autor ist Director Tracking and Tracing, Siemens IT Solutions and Services.

(ID:228129)