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Chemieparks Für die Chemie bereit

| Redakteur: Redaktion PROCESS

Kooperation wird im mitteldeutschen Chemiedreieck großgeschrieben. Getreu dem Motto „Gemeinsam sind wir stärker“ haben die sechs Standorte das Netzwerk CeChemNet gegründet, um im Wettbewerb ihren entscheidenden Vorteil herauszuarbeiten. Denn im internationalen Wettbewerb stehen die Asiaten mit gewaltigen Kapazitäten unter anderem in Shanghai Gewehr bei Fuß und bilden mittlerweile eine ernstzunehmende Konkurrenz.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Kooperation wird im mitteldeutschen Chemiedreieck großgeschrieben. Getreu dem Motto „Gemeinsam sind wir stärker“ haben die sechs Standorte das Netzwerk CeChemNet gegründet, um im Wettbewerb ihren entscheidenden Vorteil herauszuarbeiten. Denn im internationalen Wettbewerb stehen die Asiaten mit gewaltigen Kapazitäten unter anderem in Shanghai Gewehr bei Fuß und bilden mittlerweile eine ernstzunehmende Konkurrenz.

Als Chemiestandort hat das mitteldeutsche Chemiedreieck mit Bitterfeld, Leuna, Schkopau und Zeitz eine große Vergangenheit und, seit die Treuhand das Chemieparkkonzept entwickelt hat, auch wieder eine Zukunft - und die sieht gar nicht schlecht aus. Die rostigen und tropfenden Rohrleitungen, die Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee auf der Feier zum zehnjährigen Bestehen von Infraserv Leuna heraufbeschwor, sind mittlerweile Vergangenheit. Heute stehen in Leuna moderne Anlagen, verbunden durch ein ober- und unterirdisches, dicht gepacktes Netz an Rohrbrücken und -leitungen.

Seit Beginn der 90er Jahre flossen nach Leuna, Bitterfeld-Wolfen, Schkopau und Zeitz, nach Böhlen (Sachsen) und nach Schwarzheide (Brandenburg) Investitionen in Höhe von 16,6 Milliarden Euro, um die Produktionsanlagen und die Infrastruktur sowie die Produktionsanlagen so auf Vordermann zu bringen, dass sich ansiedlungswillige Unternehmen finden. Zehn Jahre nach Gründung der InfraLeuna macht z.B. die Infrastukturgesellschaft mit 600 Mitarbeitern 200 Millionen Euro Umsatz, und Geschäftsführer Andreas Hiltermann sieht Leuna „gut aufgestellt“.

Insgesamt haben Ansiedler seit 1990 immerhin 5,5 Milliarden Euro investiert. Dass der Standort attraktiv ist, zeigen auch die Investitionen in den kommenden Jahren. Die Quinn-Group aus Nordirland errichtet für rund 150 Millionen Euro eine Anlage zur Produktion von Ausgangsmaterial zur Herstellung lichtdurchlässiger und unempfindlicher Kunststoffe, mit der gleichzeitig 100 neue Arbeitsplätze entstehen. Und Linde wird weitere 22 Millionen Euro investieren und bis 2007 eine Wasserstoff-Verflüssigungsanlage am Standort Leuna errichten.

Östlicher Exportschlager

Mittlerweile ist das Chemieparkkonzept ein echter Exportschlager, und Chemieparks sprießen in aller Welt wie Pilze aus dem Boden. Nicht nur in Deutschland und Europa öffnen Konzerne ihre Standorte für externe Ansiedler, vor allem die Asiaten rüsten gewaltig auf. 60 Chemieparks auf der grünen Wiese gibt es dort mittlerweile, darunter Caojing 50 Kilometer von Shanghai, wo auch deutsche Konzerne hohe Summen investieren.

Der Konkurrenzdruck ist erheblich, und wer mithalten will, muss neue Ideen entwickeln. „Vor dem Hintergrund der Globalisierung müssen wir in Zukunft gesamteuropäisch denken“, fordert deshalb Matthias Gabriel, Geschäftsführer P-D Chemiepark Bitterfeld-Wolfen. In Sachsen-Anhalt setzen die Verantwortlichen auf Netzwerke und Kooperationen zu Hochschulen und Instituten. CeChemNet wurde im Jahr 2002 mit Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt gegründet und vernetzt seither die beteiligten Chemieparkgesellschaften und Unternehmen.

„Jeder der Chemiestandorte und Chemieparks verfolgt dabei eine spezifische Entwicklung. Die Zusammenarbeit der Chemiestandorte im Rahmen unseres Netzwerkes CeChemNet wollen wir stärker auch in Richtung eines Innovationsstandortverbundes profilieren“, erklärt Hiltermann die Intention des Netzwerkes.

Unterschiedliche Konzepte

So unterschiedlich wie die Profile der Parks im Chemiedreieck sind auch die Konzepte der dahinterstehenden Infrastrukturgesellschaften. Mathias Gabriel in Bitterfeld-Wolfen präferiert z.B. ein offenes Chemieparkmodell, in dem es keine kontrollierten Ein- und Ausgänge gibt. Jedes Chemieunternehmen ist für seine Sicherheitskontrollen allein verantwortlich, ebenso wie für die Verpflichtungen, die sich aus der Störfallverordnung ergeben.

Seit vor fünf Jahren der Chemiepark an den Mittelständler Preiss-Daimler verkauft wurde und Gabriel Geschäftsführer ist, hat die Infrastrukturgesellschaft das Wettbewerbsprinzip auf die Spitze getrieben: Abnahmepflichtige Leistungen, wie in fast allen Chemieparks üblich, gibt es hier gar nicht. Alle Service- und Infrastrukturleistungen können frei hinzugekauft werden. Entsprechend dem offenen Konzept ist das Industrieprofil bunt gemischt.

Neben klassischer Chemie - Bayer stellt hier seit 1991 Methylcellulose, Lackharze, Ionenaustauscher und Aspirin her, und Akzo Nobel betreibt eine neue Chloralkali-Elektrolyse - gibt es Aluminiumfabrikation, und seit Q-Cells vor Ort aus Wafern Solarzellen fertigen, auch ein Unternehmen der Solarindustrie. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist das Chemiepark-Institut für industrielle Vorlaufforschung - als einziger Standort bietet Bitterfeld-Wolfen damit auch Forschungsdienstleistungen an. „Wir schließen damit die Lücke für die Mittelständler, die sich keine eigene Forschung leisten können, aber auch für die großen Chemieunternehmen, die hier über keine eigene Forschung verfügen“, erklärt Geschäftsführer Dr. Bernd Eilhardt.

Integrierte Kette

Einer der Pioniere in Mitteldeutschland ist Dow Chemical, die sich 1994 in Schkopau einkauften. Die vier Dow-Standorte in Schkopau, Luna und Teutschenthal sowie Böhlen in Sachsen sind mittlerweile durch ein Pipelinenetzwerk zu einer hochintegrierten Einheit zusammengewachsen. In Leuna steht das Herz des Verbundes, der Ethylencracker, die Produktionsstandorte sind rohstoffseitig mit Rostock (Ostsee) und Stade (Nordsee) verbunden.

Auf Basis der Petro- und der Chlorchemie werden hier eine Vielzahl Kunststoffe sowie Kautschuk hergestellt. Das Value-Park-Konzept des Dow Olefinverbundes besticht durch seine Konsequenz. „Wir legen für Ansiedler vier Entscheidungskriterien zugrunde. Er muss in die Wertschöpfungskette passen, eine langfristige Beziehung anstreben, integrierbar in den Standort sein und die Standortbedingungen akzeptieren“, erklärt Value-Park-Manager Klaus-Dieter Heinze.

Sei nur eine der Bedingungen nicht erfüllt, sei das bereits ein Ausschlusskriterium. Außerdem strebe man eine ausgewogene Verteilung von Kunststoffverarbeitern, Dienstleistern und Logistikunternehmen an. Wer hier siedelt, ist eng mit dem Verbund verzahnt. So bleiben z.B. 100 Prozent der VC-Monomere in der Wertschöpfungskette des Standortes und 50 Prozent der Dow-Produktion gehen als Just-in-Time-Lieferungen an den italienischen Folienhersteller Manuli Stretch.

Eine ähnliche Philosophie vertritt auch die BASF in Schwarzheide, die streng genommen nicht mehr zum Chemiedreieck gehört, aber in Leuna mittlerweile als Ansiedler vor Ort ist. Das Prinzip hinter den Ansiedlungen erklärt Dr. Volker Knabe, Vorsitzender der Geschäftsführung BASF, Schwarzheide: „Wir wollen gezielt unsere Wertschöpfungskette verlängern und verfolgen die Strategie eines integrierten Produktionsmodells.“ Das soll heißen: Die Ansiedler nutzen Vorprodukte als Ausgangsstoffe, versorgen den Standort mit technischen Gasen und Druckluft oder ergänzen sein Leistungsportfolio als Chemielogistikzentrum.

Für Schwarzheide verfolgt die BASF ambitionierte Ziele - nämlich den Ausbau zur Logistikdrehscheibe: Bis 2010 soll von Schwarzheide aus eine Eisenbahnlinie nach Nanjiing führen und ein in Eigenregie betriebener Ganzzug Chemikalien nach China bringen. „Wir glauben, dass China logistisch per Bahn erreichbar ist“, sagt Knabe. Fazit: Die Konkurrenz schläft nicht, aber das Beispiel BASF zeigt, dass auch im Osten Ideen entwickelt werden, um am Ball zu bleiben.

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