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Big-Bag-Befüllen Füllanlage für Instantkaffee – kompakt, aber mit vollständiger Nutzung des Big-Bag-Volumens

Autor / Redakteur: Hansjürg Emde* / M.A. Manja Wühr

Im Schüttguthandling sind Big Bags nicht weg zu denken. Doch wenn es um Nahrungsmittel geht, gelten besondere Regeln. Die Schüttgut-Spezialisten von Emde haben für die Befüllung von Big Bags mit Instantkaffee eine kompakte Lösung entwickelt, die das komplette Volumen des Gebindes nutzt.

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Kompakte Füllanlage für Instantkaffee nutzt das gesamte Volumen des Big Bags.
Kompakte Füllanlage für Instantkaffee nutzt das gesamte Volumen des Big Bags.
(Bild: Emde)

Für das sichere und staubarme Handling von Schüttgütern ist der Big Bag nach wie vor die Technik der Wahl – auch in der Nahrungsmittelindustrie. Die Vorteile für den Verarbeiter: Der Big Bag lässt sich mit Standard-Hubgeräten gut bewegen und kann in Standard-Palettenlager eingelagert werden. Zudem ist eine Produktlagerung z.B. in größeren Silos oft unmöglich – etwa wenn schwierige Produkte mit beispielsweise hygroskopischen, temperaturempfindlichen Eigenschaften oder nur kurzfristig lagerbare Produkte wie Aromastoffe verarbeitet werden sollen. Außerdem kann der Big Bag an der Prozessanlage staubarm entleert werden. Aufwändige Reinigungen von langen Förderstrecken werden so vermieden. Damit hat der sauber und standsicher befüllte Big Bag seinen Platz im Markt seit Jahren behauptet.

Voraussetzung für den Einsatz von Big-Bag-Ware in der Nah- rungsmittelindustrie ist eine saubere Belieferung des Kunden. Dazu muss die Anlagentechnik den Anforderungen der Nahrungsmittel­industrie entsprechen. Das schließt gute Zugänglichkeit für regelmäßige Reinigungen sowie ein Verschließen des Gebindes noch möglichst innerhalb der Füllposition oder direkt neben der Abfüllung.

Instantkaffee abfüllen

Die Füllung von Big Bags mit Instantkaffee scheint zunächst eine sehr einfache und leicht zu lösende Aufgabenstellung zu sein – wenn da nicht beengte Platzverhältnisse insbesondere in der Bauhöhe, der Betreiberwunsch nach Füllung eines maximalen Volumens und gleichzeitig noch ungünstige Fließeigenschaften und kaum Verdichtungsmöglichkeit des Produktes dem doch sehr entgegen stehen. Darüber hinaus sind die Anforderungen nach VO 1935/ 2004 für die eingesetzten Werkstoffe als auch ein Gesamtdesign nach den Hygienevorschriften gemäß DIN EN ISO 14159 zu berücksichtigen. Die Anlage wird innerhalb einer Staub-Ex-Zone nach Atex-Vorschrift 94/9 EG bzw. 2014/34 EG betrieben. Eine gute Zugänglichkeit insbesondere zur Reinigung aber auch zum Handling für das Anhängen und zum Abbinden eines Big Bags bzw. zum Andocken von Tote- Bins sind Grundvoraussetzungen dafür, dass das System auch vom Bedienpersonal angenommen wird.

Die installierte Doppelanlage zur Big-Bag-Füllung bzw. zum Befüllen von Tote-Bins zeichnet sich insbesondere auch durch die durchgängige Verwendung von Edelstahl für die Gesamtanlage aus. Von einer mittigen Bedienbühne aus werden Leergebinde in die Füllposition gebracht. Vorfahrbare Lasthaken erleichtern ein Einhängen auch in die hinteren Lasthaken. Der Füllstutzen wird mit einem Blähschlauch sicher und staubdicht angeschlossen. Nach dem Zurückfahren der pneumatisch betätigten Lasthaken wird der Füllzyklus gestartet.

Das in der Anlage integrierte selbsttätige Wiegesystem wird automatisch tariert; anschließend wird der Big Bag gravimetrisch kontrolliert im Grob-/Feinstrom befüllt. Mit im Fallrohr eingebauten Dosierklappen wird eine Füllgenauigkeit von <0,2 % des Füllgewichtes mit 250 bis 500 kg pro Big Bag bzw. Tote-Bin erreicht. Zur Füllung von Tote-Bins wird der Füllkopf mit Schnellverschlüssen gegen einen Füllstutzen mit Dichtplatte gewechselt. Metallische Fremdkörper werden über eine Magnetsuchspule detektiert.

Eine formstabile Füllung der Big Bags wird einerseits über die Aufblaseinrichtung mit Ventilator als auch insbesondere den im Grundrahmen integrierten Vibrationstisch sichergestellt. Dieser dient vornehmlich dazu, den Schüttkegel im Big Bag bzw. Tote-Bin zu minimieren. Somit wird das Volumen des Gebindes maximal genutzt. Eine elektrische Höhenverstellung des Hubrahmens sichert eine ständige Straffung des Big Bags während des Füllvorgangs. Die wichtigsten Steuerungsbefehle können direkt am Bedienterminal vor Ort eingegeben werden. Nach dem Füllprozess öffnen die Klapphaken automatisch, der Blähschlauch entlüftet und der Hubrahmen fährt automatisiert in eine obere Endlage damit das Zubinden des Big Bags in der Station erleichtert ist. So kann anschließend der Big Bag samt Palette oder der Tote-Bin mit einem Gabelhub- stapler zwecks Einlagerung entnommen werden.

Der kompakte Aufbau der Füllstationen mit weitestgehender Vorverkabelung aller Verbraucher bis auf die Vorort-Bedienterminals erlaubte sowohl einen Contai­ner-Versand nach China als auch einen Aufbau des Gesamtsystems vor Ort durch vom Kunden gestellte versierte Fachkräfte.

Innerhalb kürzester Zeit wurde die Anlage dann durch Emde Industrie-Technik in Betrieb gesetzt. Seit vier Jahren läuft die Anlage in einem Drei-Schicht-Dauerbetrieb. Sie ist in eine Produktionskette eingebunden, die nur zu Wartungen und regelmäßigen Reinigungen kurzzeitig heruntergefahren wird.

* Der Autor ist Vertriebsleiter bei Emde in Nassau.

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