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Schweizer Votum für begrenzte Zuwanderung „Fremdenfeindliche Schweiz hat obsiegt“ – Pharmaunternehmen in Not

| Autor/ Redakteur: Robert Weber / Wolfgang Ernhofer

Das „Ja“ der Schweizer Bevölkerung zur SVP-Initiative „Gegen Masseneinwanderung“ trifft die Wirtschaft der Eidgenossen. Die große Mehrheit der Unternehmen bewertet das Ergebnis als Fehler. Schweizer Pharmaunternehmen treffen die Folgen des Votums besonders, weil sie auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sind.

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(Bild: SVP)

Würzburg – Nach dem Wahlsonntag ist für Prof. Dr. Frank Brinken, CEO der Starrag Group, klar: „Die fremdenfeindliche, bäuerliche, ländliche Schweiz hat gegen den weltoffenen Industriestandort obsiegt.“ Er spricht von einer hauchdünnen „Zufallsmehrheit“ von 19.000 Stimmen. Auch die Maschinen-, Elektro-, und Metall-Industrie (Swissmem) bedauert den Entscheid der Wähler sehr. „Damit wird die Fortsetzung des bilateralen Weges mit der Europäischen Union infrage gestellt“, befürchtet Ivo Zimmermann, Mitglied der Geschäftsleitung von Swissmem.

Ebenfalls betroffen sind viele Chemie- und Pharmaunternehmen, die in der Nähe der Grenze ansässig sind und viele Grenzgänger beschäftigen. Diese wohnen in Österreich, Deutschland, Italien etc. und pendeln jeden Tag über die Grenze. Ganz besonders hart träfe das die Region Basel mit den vielen Pharmaunternehmen, wie z.B. Roche und Novartis. Laut Wirtschaftsblatt und dem Verband Scienceindustries sind in der Pharma- und Biotech-Industrie, der größten Exportbranche der Schweiz, ca. 45 % der 65.000 Beschäftigten EU-Bürger.

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Austausch von Fachkräften wird massiv erschwert

Alle Gesprächspartner betonen die Bedeutung des europäischen Binnenmarkts für die Schweizer Wirtschaft. Rund 60 % aller Exporte der Schweizer MEM-Industrie gehen in EU-Länder.

„Die Auswirkungen sind noch nicht abzuschätzen, vermutlich haben jetzt sogar die rechtsextremen Initianten Angst vor Konsequenzen“, vermutet Starrag-Boss Brinken. Er hofft, dass der Bundesrat eine pragmatische Lösung findet, die dem freien Personenverkehr der Europäischen Union genügen wird. „Sicher ist, dass der Austausch von Fachkräften aus unseren Firmen in Indien, USA und China massiv erschwert wird“, ärgert sich der Schweizer.

Beim Verband Swissmem rechnen die Experten mit neuen bürokratischen Hürden, die zeitraubend für die Unternehmen seien werden. „Die Firmen werden sich damit arrangieren müssen“, heißt es.

Ähnlich sehen das die Verantwortlichen von Sulzer aus Winterthur. „Die nächsten drei Jahre wird sich voraussichtlich nicht viel ändern, mittelfristig wird uns dies aber stärker beschäftigen – mindestens ist damit zu rechnen, dass der administrative Aufwand steigt. Eine Kontingentierung wird uns voraussichtlich weiterhin ermöglichen, EU-Bürger einzustellen, dann leider mit höherem Arbeits- und Kostenaufwand als derzeit“, schreibt das Unternehmen. Als internationaler Konzern sei das Votum enttäuschend.

27 % der Beschäftigten kommen aus dem Ausland

In den Gesprächen wird deutlich: Ausländische Fachkräfte sind für die meisten Unternehmen nicht wegzudenken. Bei Starrag arbeiten 30 % Nicht-Schweizer an den drei Standorten in Genf, Fribourd und St. Gallen. Damit liegen die Werkzeugmaschinenbauer noch über dem Durchschnitt. Laut Statistik beschäftigt die MEM-Industrie 330 000 Menschen, davon kommen 27 % nicht aus dem Alpenland, 13 % von ihnen kommen aus EU und EFTA-Staaten, 9 % sind Grenzgänger und 5 % kommen aus Drittstaaten. Und auch bei Endress+Hauser forschen Mitarbeiter aus der ganzen Welt – hauptsächlich aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz, heißt es.

Der Artikel erschien zuerst auf dem Portal unserer Schwestermarke MM Maschinenmarkt.

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