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Unterschätzte Rohstoffe

Forscher plädieren für Gras und Bäume statt Erdöl, Kohle, Mais und Co.

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Ein kleiner Versuchsanbau liegt in Sichtweite von Schloss Hohenheim, wo die Wissenschaftler und Praktiker sich derzeit austauschen: Seit 20 Jahren wiegen sich dort die vier Meter hohen Halme im Wind. Gepflanzt hat sie Prof. Dr. Iris Lewandowski. Damals promovierte die Agrarwissenschaftlerin der Universität Hohenheim zu diesem Thema. Heute hat sie als Professorin den internationalen Kongress nach Hohenheim geholt.

Gras & Co. können Rohstoff- und Nahrungsprobleme nicht lösen – aber lindern

Die mehrjährigen Pflanzen können das Tank/Teller-Problem zwar nicht endgültig lösen, sagt die Expertin ausdrücklich am Rande der Konferenz: „Die Gräser und andere Pflanzen können die fossilen Rohstoffe nicht vollständig ersetzen. Und auf guten Böden sollte Lebensmittelanbau immer Vorrang haben.“ Aber „die mehrjährigen Gräser und Pflanzen können einen Beitrag zur Rohstoffversorgung leisten. Und unser Ziel ist es, marginale Böden sinnvoll zu nutzen und wieder für die Nahrungsmittelproduktion fit zu machen.“

Die richtigen Anreize zur Unterstützung des Anbaus mehrjähriger Pflanzen setzen

Dabei gäbe es durchaus noch Forschungsbedarf. Drei Aspekte nennt Prof. Dr. Iris Lewandowski als besondere Herausforderungen:

  • Neuzüchtungen für verschiedene Standorte: Bislang gäbe es z.B. von Miscanthus nur eine einzige verwendbare Sorte. „In allen Ländern sind deshalb Forscher dabei, Neuzüchtungen auszuprobieren, die die vielversprechenden Pflanzen für verschiedene Standorte optimieren.“
  • Günstigerer Anbau: Gräser wie Miscanthus gehören zu den Pflanzen, die keine Samen produzieren. Das bedeutet, dass dieser zeit- und kostenaufwendig über Pflanzenteile vermehrt werden muss. „Gerade an der Universität Hohenheim sind wir dabei, eine Sorte zu prüfen, die auch über Samen vermehrt werden kann.“
  • Risikominimierung für Landwirte: Gerade Landwirte richten sich stark nach dem Markt. Sie entscheiden jedes Jahr kurzfristig, welche Feldfrucht bei der Ernte den höchsten Gewinn verspricht. „Diese Flexibilität gibt es bei mehrjährigen Pflanzen nicht. Hier muss sich der Landwirt für wenigstens 20 Jahre festlegen. Auch Bepflanzungs-, Produktions- und Ernteverfahren müssen noch optimiert werden.“

Deswegen sehen Prof. Dr. Lewandowski und die Teilnehmer der Perennial Biomass Crops Conference 2015 auch die Politik gefordert: „Diese Art der Biomasseproduktion braucht Unterstützung bei der Entwicklung kostengünstiger Anbauverfahren sowie bei der Produktion.“

Mehr Informationen zu Forschungsprojekten von mehrjährigen Pflanzen unter www.biomass2015.eu.

* Der Autor arbeitet in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Universität Hohenheim

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