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Unterschätzte Rohstoffe Forscher plädieren für Gras und Bäume statt Erdöl, Kohle, Mais und Co.

| Autor / Redakteur: Florian Klebs / Wolfgang Ernhofer

Mehrjährige Pflanzen haben großes Potenzial, den wachsenden Bedarf an nachhaltig produzierter Biomasse in der wachsenden Bioökonomie zu decken – so ein Ergebnis der Perennial Biomass Crops Conference 2015 an der Universität Hohenheim.

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Schilfgras statt Kohle? Forscher diskutieren kontrovers, was machbar ist und wie es funktionieren könnte.
Schilfgras statt Kohle? Forscher diskutieren kontrovers, was machbar ist und wie es funktionieren könnte.
(Bild: CC0 Public Domain)

Hohenheim – Ob als Energieträger, Dämmstoff, Spanplatte, Plastikflasche oder Blumentopf: Mehrjährige Gräser, Bäume und andere Pflanzen rücken im wachsenden Bedarf nach alternativen Rohstoffen weltweit immer mehr in den Fokus. Wissenschaftler und Landwirte sehen in den mehrjährigen Pflanzen jedoch nicht nur eine alternative Ressource zu Erdöl, sondern eine Möglichkeit, versalzene und seit Jahren ungenutzte Böden auf der ganzen Welt sinnvoll zu nutzen und langfristig für die Nahrungsproduktion wieder fit zu machen. Die Produktion dieser alternativen Rohstoffe, die nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion stehen, solle daher unterstützt und ausgeweitet werden.

Mais ist eine der Pflanzen, auf die Landwirte in jüngster Vergangenheit stark setzten. Je nach Sorte dienen Maisprodukte als Lebensmittel, als Tierfutter oder als Energieträger. Pro Hektar kann Mais 20-25 t Pflanzenmasse produzieren. Aufgrund dieser hohen Erträge und seiner guten Verarbeitbarkeit ist er ökonomisch interessant. Doch Mais ist auch stark in die Kritik geraten. Denn er ist anspruchsvoll. Mais

  • braucht Dünger,
  • verlangt gute Böden, die auch für die Nahrungsmittel-Produktion interessant wären, und
  • begünstigt die Erosion, bei der fruchtbarer Oberboden abgeschwemmt oder weggeweht wird.

Riesengräser & Co. sind genügsame Alternativen

Dass es bessere Alternativen gibt, belegen 130 Wissenschaftler und Praktiker auf der Perennial Biomass Crops Conference an der Universität Hohenheim. Sie stellen aktuelle Forschungsergebnisse und Praxisversuche aus ganz Europa vor. Statt auf Mais setzen diese Pioniere auf Gras, Bäume und andere mehrjährige Pflanzen. Ihr Vorteil:

  • Die Wurzeln der Pflanzen reichen tiefer. Sie können deshalb auf Böden gedeihen, deren Oberböden versalzen oder ausgelaugt sind, sowie unter Bedingungen von Trockenstress wachsen.
  • In der Folge kommen sie auch gut mit Böden zurecht, die für Nahrungsmittelproduktion nicht in Frage kommen und müssen deshalb nicht mit ihnen in Konkurrenz treten.
  • Sie benötigen wenig Dünger und Pflanzenschutz und können bei geringem Aufwand einen hohen Biomasseertrag bilden.
  • Außerdem stabilisieren sie die oberen Bodenschichten, verhindern Erosion und bauen wieder gesunden Boden auf.

Chinesisches Schilfgras besonders vielversprechend

Ein besonderer Liebling vieler Arbeitsgruppen: Miscanthus, auch Chinaschilf genannt.

  • Das Riesengras ist anspruchslos und braucht kaum Dünger und Pflanzenschutzmittel.
  • Es gibt stresstolerante Sorten, die auf versalzenen und marginalen Böden wachsen können.
  • Vor allem bringt das doppelt mannshohe Gras tüchtig Masse auf die Waage: Mit bis zu 25 Tonnen pro Hektar ist es kein bisschen weniger produktiv als Mais – und das über Jahre hinweg und ohne die genannten Nachteile.

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