Mikrosiebfilter Flusswasser effizient vorfiltern – Best Practice im Industriepark Höchst

Autor / Redakteur: Tobias Jungke* / Dr. Jörg Kempf

Die Betreibergesellschaft des Industrieparks Höchst baut ein neues Flusswasserwerk. Die Vorfiltration des Mainwassers hierfür übernehmen künftig spezielle, besonders leistungsfähige und platzsparende Scheibenfilter. Darüber hinaus arbeitet das System mit einer kontinuierlichen Rückspülung – ein gesondertes Schlamm-Management erübrigt sich damit. Lernen Sie die Neuen kennen.

Firmen zum Thema

Flusswasserentnahme für industrielle Anwendungen: sichere Wasserqualität ist ein Wettbewerbsvorteil.
Flusswasserentnahme für industrielle Anwendungen: sichere Wasserqualität ist ein Wettbewerbsvorteil.
(Bild: Veolia)

Ob Kühlwasser, vollentsalztes Wasser oder Reinstwasser für Pharma-Anwendungen: Wer einen der größten Industrieparks in Deutschland erfolgreich betreibt, der muss sich auch mit unterschiedlichen Wasseranforderungen auskennen. Von der Flusswasseraufbereitung bis zum Betrieb des weltweit größten Netzes für pharmazeutisches Reinstwasser – der Industriepark Höchst stellt die benötigte Versorgungslösung bereit und die Kunden können sich zu jeder Zeit auf höchste Qualität verlassen.

Für die Aufbereitung des aus dem Main gewonnenen Oberflächenwassers ist ein eigenes Wasserwerk zuständig, das jetzt allerdings renovierungsbedürftig ist. „Bestimmte Bereiche im Wasserwerk sind leider nicht richtig einsehbar und können so auch nicht unabhängig saniert werden“, erläutert Achim Boening, Abteilungsleiter des Engineering der Infraserv Höchst. „Deshalb müssen wir hier Ersatz schaffen.“ Das im Jahr 1928 errichtete Werk soll durch einen Neubau ersetzt und unter anderem mit einer neuen Filtertechnik von Veolia Water Technologies ausgestattet werden.

Ergänzendes zum Thema
Einer der größten Forschungs- und Produktionsstandorte der Chemie- und Pharmaindustrie in Deutschland

Die Infraserv Höchst & Co. KG ist die Betreibergesellschaft des früheren Stammwerks der Hoechst AG. Während der Umstrukturierung des Konzerns im Jahr 1997 gegründet, sind auf dem 4,6 Quadratkilometer großen Areal heute mehr als 90 Unternehmen angesiedelt, die rund 22.000 Mitarbeiter beschäftigen. Damit ist der Industriepark einer der größten Forschungs- und Produktionsstandorte der Chemie- und Pharmaindustrie in Deutschland. Als Servicegesellschaft verantwortet die Infraserv Höchst & Co. KG die Infrastruktur für die Ver- und Entsorgung und bietet den Kunden des Parks darüber hinaus Dienstleistungen rund um Umweltschutz, Facility Management, Sicherheit und Logistik an.

Das vorhandene Entnahmebauwerk mit drei Kammern bleibt erhalten, und es wird eine Kammer nach der anderen auf das neue Wasserwerk umgeschlossen. Bisher wurde die Vorfiltration mit einer wartungsintensiven Mikrosiebung durch Trommelfilter und einer anschließenden Sandfiltration bewerkstelligt. Künftig werden 14 kompakte Hydrotech-Scheibenfilter diese Aufgabe übernehmen. Die Inbetriebnahme ist für 2022 geplant.

Technik im Stresstest

Im Vorfeld der Modernisierung der Filtertechnik wurden zunächst Pilotversuche gefahren und Technologien von zwei unterschiedlichen Herstellern auf Herz und Nieren getestet. Dafür wurde dem Wasserwerk ein kleinerer Wasserfilter zur Verfügung gestellt, welcher in einem Versuchsaufbau installiert wurde. „Das war ein unabhängiger Wasserkreislauf, in dem wir unterschiedliche Situationen simulieren konnten“, so Boening. „Dabei haben wir das Wasser zum Beispiel mit zusätzlichen Schlammfrachten belastet, die der Main zu bestimmten Jahreszeiten auch so führt. Damit konnten wir die Filter einem zusätzlichen, realitätsnahen Stresstest aussetzen.“

Ausschlaggebend für die Entscheidung, das Wasserwerk mit Hydrotech Performance-Scheibenfiltern von Veolia Water Technologies auszurüsten, war unter anderem ein wichtiges technisches Kriterium: „Die Hydrotech-Filter arbeiten mit einer automatischen Rückspülung der angesammelten Partikel“, betont Boening. „Dieses Verfahren hat für uns erhebliche Vorteile gegenüber Systemen, die Schlamm akkumulieren“, erklärt Boening. „Denn das würde dann nochmals eine aufwändige Schlammaufbereitung nach sich ziehen.“

Hohes Filtervolumen

Das Wasserwerk ist dreistufig aufgebaut. Eine erste Grobrechenanlage mit einer Spaltweite von 15 mm fängt die grobe Schmutzlast ab. Darauf folgen weitere Feinsiebe mit 2 mm Maschenweite für kleinere Feststoffe. Daran schließen dann die Hydrotech Mikrosiebfilter von Veolia Water Technologies an. Die Scheibenfilter arbeiten mit einer Feinheit von 20 μm und filtern entsprechende Partikel aus dem Wasser. Mit weltweit über 11.000 installierten Einheiten ist die Marke Hydrotech klarer Marktführer für Trommel- und Scheibenfilter für industrielle und kommunale Anwendungen.

Insgesamt sind 14 Scheibenfilter für das neue Wasserwerk vorgesehen. Jeder Filter kann einen maximalen Zulauf von 1.154 m3/h aufnehmen. Damit ist die gesamte Anlage für eine maximale Kapazität von 15.000 m3/h mit N+1 Redundanz ausgelegt.

Bildergalerie

Wartungsfreundliches Spülsystem

Die Partikel und Feststoffe, die sich während der Filtration am Filtergewebe anlagern, werden über Düsenleisten abgespritzt und in den Spülwasserablauf gefördert. Diese Düsen arbeiten mit einem Druck von 8 bar und nutzen als Spülwasser das eigene Filtrat. Die Filtration muss dadurch während der Rückspülung nicht unterbrochen werden und kann kontinuierlich das Wasser aufbereiten. Scheibenfilter von Hydrotech sind auf eine einfache Wartung ausgelegt, in dem sich die einzelnen Scheibensegmente einfach entnehmen lassen. Auch die Düsen des Sprühsystems können schnell und problemlos gewechselt werden.

Hydrotech-Filter der neuesten Generation benötigen maximal 10 Prozent der Stellfläche eines Sandfilters. Auch die typische anfallende Abwassermenge für die Rückspülung ist geringer. Sie beträgt bei diesen Scheibenfiltern lediglich ein bis drei Prozent, bei Sandfiltern sind es üblicherweise drei bis fünf Prozent. Im Vergleich zum Vorgängermodell ist das Design der Hydrotech Performance-Filter noch kompakter geworden, und die Filterfläche pro Filtereinheit konnte insgesamt verdoppelt werden. Die Systeme funktionieren außerdem drucklos – das führt nochmal zu einem reduzierten Energieverbrauch. Darüber hinaus ist die Verwendung von Flockungshilfsmitteln wie bei Sandfilter nicht mehr erforderlich.

Das aufbereitete Flusswasser des Mains ist vorrangig für die Nachspeisung der Rückkühlwerke vorgesehen. Dabei handelt es sich um große, offene Kühlkreisläufe.

Fazit: Die leistungsfähigen Hydrotech-Scheibenfilter lassen sich mit geringem Aufwand in bestehende Gebäude und Anlagen installieren. Ihr Platzbedarf ist äußerst gering und damit sind sie die ideale Alternative zum Tausch gegen veraltete Sandfilter. Überzeugend ist darüber hinaus das Rückspülsystem mit automatischer Selbstreinigung der Filterelemente. Nicht nur für die anstehende Modernisierung der Flusswasserfiltration des Industrieparks Höchst sind die Mikrosieb-Systeme von Veolia Water Technologies geeignet, auch andere Oberflächengewässer kommen dafür bestens in Frage.

Tipp der Redaktion: Mehr zu diesem Projekt erfahren Sie im Webinar „Wie Sie Oberflächenwasser sicher und effizient aufbereiten“.

* T. Jungke, Unternehmenskommunikation Water Technologies, Veolia Water Technologies Deutschland GmbH, Celle.

(ID:47319172)