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Explosionsschutz – Wirksamer Schutz oder Kostentreiber?

| Autor / Redakteur: Andreas Kühn / Sabine Mühlenkamp

Die Taktschleuse lässt sich in der Regel aufgrund ihrer leichten und kompakten Bauform problemlos in bestehende Anlagen integrieren, ohne aufwändige Stützkonstruktionen oder zusätzliche elektrische Versorgungsleitungen installieren zu müssen.
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Die Taktschleuse lässt sich in der Regel aufgrund ihrer leichten und kompakten Bauform problemlos in bestehende Anlagen integrieren, ohne aufwändige Stützkonstruktionen oder zusätzliche elektrische Versorgungsleitungen installieren zu müssen. (Bild: Ebro)

Betreiber einer Anlage, die seit vielen Jahren sicher läuft, sollten sich nicht in Sicherheit wiegen. Gerade im Hinblick auf den Explosionsschutz ist es nötig, dass Schutzmaßnahmen regelmäßig überprüft und an den neuesten Stand der Technik angepasst werden. Nicht immer führt dies zu höheren Kosten, vielmehr ist damit häufig sogar eine Prozessverbesserung verbunden.

Weltweit begegnet man immer noch Anlagenbetreibern, die die Ansicht vertreten, dass ihre bereits seit vielen Jahren erfolgreich betriebene Pulver-Produktionsanlage auch ohne zusätzliche Maßnahmen hinreichend sicher sei. Schließlich läuft der Betrieb seit Generationen ohne nennenswerte Störfälle. Oft wird auf „weitaus gefährlichere“ Betriebsbedingungen in der flüssigkeits- oder gasverarbeitenden Chemie verwiesen. Die Europäer mit ihrem Hang zu übereifriger Regulierung werden daher immer noch gern belächelt. Hiesige Anlagenbauer sehen sich zudem erheblichem Kostendruck ausgesetzt, wenn sie in Ländern anbieten müssen, die weitaus geringere Anforderungen hinsichtlich der Sicherheitsstandards haben. Explosionsschutz ist teuer. Oder?

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Die Präambel zur Atex-Richtlinie weist deutlich auf unsere gemeinsame Verantwortung hin: „Die Mitgliedstaaten haben die Aufgabe, in ihrem Hoheitsgebiet für die Sicherheit und den Schutz der Gesundheit von Personen und gegebenenfalls von Haustieren sowie für die Sicherheit von Gütern zu sorgen.“ [1] Natürlich kann und darf sich diese Verpflichtung für international tätige Anlagenbauer und Produzenten nicht nur auf den europäischen Raum beschränken. Aber auch in Europa wurde die Richtlinie in vielen Unternehmen zunächst äußerst zögerlich umgesetzt. Der Erklärungsbedarf erschien oft unangemessen hoch, der Verwaltungsaufwand ebenfalls. Bewährte Verfahrensweisen mussten hinterfragt und sauber dokumentiert werden. Dabei fiel auf, dass viele alteingefahrenen Wege im Licht der Atex nicht mehr gangbar waren und der Revision bedurften. In vielen Gesprächen wurde seitens verantwortlicher Mitarbeiter im Produktionsbetrieb darauf verwiesen, dass die Produktion bisher doch sicher und ohne entsprechende Ereignisse abgelaufen sei.

Bittere Erkenntnis

Oft erst im Nachgang zu schweren Explosionen wird ersichtlich, welch hohen Stellenwert der Schutz von Menschenleben hat. Am 7. Februar 2008 kam es um 7:15 Uhr in Port Wentworth, Georgia/USA zu einer zerstörerischen Explosion in der seit 1917 bestehenden örtlichen Zuckerfabrik. 14 Personen fanden den Tod, weitere 36 Menschen erlitten zum Teil schwerste Verletzungen. Dabei wurden die viergeschossige Verpackungshalle, die Loseverladung für Lkw und Schienenfahrzeuge, die 32 Meter hohen Silos und wesentliche Teile der Raffinerie vollständig zerstört.

Am 24. September 2009 veröffentlichte die zuständige Behörde CSB [2] ihren abschließenden Untersuchungsbericht. Hierbei wurde festgestellt, dass die massive Zerstörung auf eine initiale Explosion im Transportsystem unterhalb der Siloanlage zurückzuführen war, die weitere Sekundärexplosionen in weiten Teilen der Anlage nach sich zog. Das Transportband verlief in einer geschlossenen Umhausung, entließ aber genügend Material in die Umgebung, um im umgebenden Arbeitsbereich eine beachtliche Schicht Zuckerstaub anwachsen zu lassen. Innerhalb der Blechumhausung des Bandes konnte sich ein Staub-Luft-Gemisch bilden, das durch eine „unbekannte Zündquelle“ zur Explosion gebracht wurde. In der Folge wurde der auf den Flächen der Werkhalle und der Maschinen abgelagerte Staub durch die Druckwelle aufgewirbelt und bildete nun seinerseits eine explosionsfähige Atmosphäre, deren Explosion sich in die einzelnen jeweils angrenzenden Anlagenteile fortsetzte.

Hierbei wurde festgestellt, dass die einzelnen Bereiche der Fabrik bautechnisch unzureichend gegeneinander abgegrenzt waren. Auch die mangelnde Wartung und Säuberung der Anlagen stand im Fokus der Ermittlungen, da die Staubablagerungen wesentlich zu den nachfolgenden Explosionen und Bränden beitrugen. Eine geeignete Entstaubungsanlage war nicht vorhanden. Da das Material mit einer Vielzahl von nur unzureichend gewarteten Becherwerken, Förderbändern und -rinnen sowie Förderschnecken zu den einzelnen Verpackungsanlagen transportiert wurde, sorgten entsprechende Leckagen für permanent auftretende Anreicherung von Zuckerstaub in den Werkhallen. Tatsächlich war aber über einen Zeitraum von 90 Jahren kein nennenswerter Störfall aufgetreten. Jede Fabrik des Betreibers wurde durch einen besonders eingewiesenen Mitarbeiter (Safety and Security Manager) überwacht. An diesem Beispiel lässt sich die erforderliche Betrachtung der Gefahrenquellen gut ablesen.

Ergänzendes zum Thema
 
Wo finden sich Zündquellen?

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