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Rettet Automatisierung die Energiewende?

Expertenrunde betont Bedeutung der Automatisierung für Energieeffizienz

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Dabei ging es nicht nur um die große Politik, sondern um ganz konkrete Lösungen: „Ich habe den Eindruck, dass in deutschen Betrieben gerade in der Verfahrenstechnik einiges passiert“, widersprach Michael Ziesemer, COO von Endress + Hauser und designierter ZVEI-Präsident, dem Eindruck der Tatenlosigkeit. Trotzdem sei Technik nicht alleine selig machend, so der Automatisierungsspezialist: Man müsse sich vielmehr die Frage stellen, ob die Energiefrage nicht zuallererst eine organisatorische sei. Energie müsse – ebenso wie andere Betriebsassets – eigenen Managementprozessen unterliegen.

Nur managen reicht nicht um die energiewende zu schaffen

Aber reicht das schon aus? „Ein Energiemanagement ist lediglich eine Grundvoraussetzung. Sie brauchen die Prozesse dahinter – Einsparungen sichtbar machen, dauerndes Monitoring und, als wichtigster Schritt, die entsprechende Management Attention“, erklärte Dr. Eckhard Roos, der bei Festo das globale Process Industry Segment leitet. Erst sei dass Management zu sensibilisieren, dann das Thema in den Betrieben auszurollen, erklärte der Manager und Leiter des ZVEI-Arbeitskreises Energieeffizienz.

Die Praxis sieht häufig anders aus, wie Ex-Bayer-Manager Dr. Norbert Kuschnerus weiß: „In eine Chemieanlage können sie nicht hineinschauen!“ Die komplexen Reaktionen hingen von hunderten Parametern ab, und reagierten mit einiger Verzögerung auf Veränderungen. Daher, so Kuschnerus, würden in den Betrieben viele Verfahren weit außerhalb des theoretischen Optimums betrieben.

Raus aus der Komfortzone - Automation macht Betrieb im Grenzbereich möglich

Dadurch, dass man den prozesstechnisch optimalen, aber aufwändigen Grenzzustand meide, ließen sich Anlagen im „Komfortbereich“ mit einer Mischung aus Erfahrung und Bauchgefühl fahren. Was in der Vergangenheit durchaus erfolgreich war, sei als Modell für die Zukunft jedoch nicht überlebensfähig: „Das Benchmark für uns sollte nicht die Konkurrenz sein, sondern der thermodynamisch und verfahrenstechnisch ideale Prozess“, so Kuschnerus.

Nur mit der nötigen Technik und einer Prozessanalytik, die auch Produkteigenschaften und nicht nur Prozessparameter bestimmt, sei ein Arbeiten im Grenzbereich möglich. Praktisch ergeben sich drei Ansatzmöglichkeiten zur Energieeffizienz in Großverfahren: die Verfahren selbst, die Anlage und die Prozessführung.

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