Anlagenplanung Exklusivinterview: Erfolgsrezepte für den Anlagenplaner

Autor: Anke Geipel-Kern

Wie ein mittelständischer Engineering-Dienstleister für Chemie- und Pharmaanlagen seine Nische findet – Es gibt nicht nur die spektakulären Neubauprojekte. Auch mit Brownfield-Projekten, Revamps und Optimierungen kann ein Anlagenplaner gut leben und wachsen. Oliver Franke, seit anderthalb Jahren technischer Geschäftsführer beim Engineering-Dienstleister Planting, vertraut auf Regionalität unterstützt durch technische Expertenteams. PROCESS verrät er im Exklusivinterview seine Erfolgsrezepte.

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Oliver Franke ist seit letztem Jahr technischer Geschäftsführer des Engineeringunternehmens Planting.
Oliver Franke ist seit letztem Jahr technischer Geschäftsführer des Engineeringunternehmens Planting.
(Bild: Planting)

Seit anderthalb Jahren ist Oliver Franke technischer Geschäftsführer des Anlagenplaners Planting. Als Ausgründung der Able-Gruppe im Jahr 2010 an den Start gegangen, ist das Unternehmen in den letzten elf Jahren von 60 Mitarbeitern auf über 400 gewachsen und hat sich eine stabile Position im Chemie-, Pharma- und Raffineriegeschäft erarbeitet. Der technische Geschäftsführer, mit nahezu 30 Jahren Erfahrung im Anlagenbau, bezeichnet sich selbst als das technische Gewissen der Planting und setzt auf die technische Kompetenz der Mitarbeiter und persönliche Beziehungen zu den Kunden. Regionalität sieht er als die große Stärke des Dienstleisters, der nach einer umfassenden Umstrukturierung in 2020 noch näher zum Kunden gerückt ist.

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Seitdem gibt es zwei große Bereiche: die regionalen Projects Execution Center (PEC) und die Technical Excellence Center (TEC). Die insgesamt vier TEC leisten zentral den gesamten technischen Support. Es gibt „Plant Process & Safety“, „Plant Design“, „Plant Process Control Technology“ und „Digital Plant & Workspace“. Angegliedert an die fünf Standorte sind die 17 PEC, die regional Kunden und Projekte vor Ort betreuen.

Herr Franke, Anlagenbauer haben es zurzeit in Deutschland nicht leicht. So gut wie keine Neubauprojekte und dann auch noch Corona. Wie ist es Planting im letzten Jahr ergangen?

Oliver Franke: Rein wirtschaftlich gesehen ist es uns ausgesprochen gut gegangen. Wir hatten schon vor Corona unsere Mitarbeiter mit Notebooks und Remote-Zugriffen ausgestattet. Unsere Tools waren bereits so konfiguriert, dass wir von heute auf morgen ins Homeoffice gehen konnten und die Projekte weiter führen konnten. Der Ehrlichkeit halber muss ich aber schon zugeben, dass bei Großprojekten die Effizienz etwas gelitten hat. Aber unterm Strich sind wir, was den Headcount angeht, im Corona-Jahr sogar leicht gewachsen.

Corona hat in Unternehmen kulturell viel verändert. Was bleibt bei Planting, wenn die Covid-19-Pandemie Vergangenheit ist?

Franke: Die Anforderungshaltung der Mitarbeiter ist zweifellos gewachsen. Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass Homeoffice funktioniert. Wir werden sicher nicht zur 100 Prozent Anwesenheit zurückkehren. Momentan diskutieren wir über Wechselmodelle, bei der immer ein Teil der Belegschaft im Büro ist. Eine große Herausforderung für eine Firma, die vom Know-how der Mitarbeiter lebt, ist auch die Frage, wie man Transparenz schafft und das Wissen der Mitarbeiter transferiert. Auch Onboarding-Prozesse, die Einarbeitung neuer Kollegen und Kolleginnen werden sich verändern müssen. Wir diskutieren hier intensiv, wie wir mit den neuen Gegebenheiten umgehen.

Hat die Covid-19-Pandemie die Digitalisierung ihrer Kunden beflügelt?

Franke: In unserer Wahrnehmung sind teilweise Digitalisierungsprojekte sogar zurückgestellt worden. Weil die Geschäftsführungen nicht in Projekte investieren wollten, die keinen unmittelbaren Return-on- Invest versprachen.

Welche Rolle spielt denn für Sie als Engineering-Dienstleister das Thema Digitalisierung?

Franke: Wenn Sie fragen, ob wir digitale Werkzeuge einsetzen, dann selbstverständlich ja: CAE-Tools, 3D-Modellierung, Building Information Modelling, Laserscanning, KI – alles das nutzen wir in Kundenprojekten. Im Bereich Virtual und Augmented Reality werden wir noch 2021 die ersten branchenbezogenen Kundenprojekte abwickeln. Gerade im Life- Science-Bereich finden viele Erweiterungen in bestehenden Gebäuden statt. Da geht es dann darum, ob die Abfüll- oder Verpackungsmaschine in den Bestand passt. Augmented Reality wird sich hier durchsetzen, davon bin ich überzeugt. Auch mit Datenmodellen beschäftigen wir uns. Zum Beispiel setzen wir BIM-Projekte um und integrieren Gebäudeplanung mit verfahrenstechnischer Planung bis hin zur digitalen Animation im 3D-Modell. Wir sind oftmals Teil von Digitalisierungsprojekten, die gesamtheitlich von spezialisierten Dienstleistern durchgeführt werden und bringen hierbei unser Know-how aus dem klassischen, betriebsnahen Planungsgeschäft mit ein.

Was heißt das genau?

Franke: Machbarkeitsstudien, Konzept-, Basic- und Detail-Engineering, Beschaffung, Montage- und Bauleitung sowie Inbetriebnahme und natürlich Projektsteuerung – das sind unsere Kernkompetenzen. Das bedeutet viel Brownfield, Revamps, Modernisierungsprojekte, Debottlenecking und zwar sowohl für Chemie und Petrochemie als auch für Pharmaunternehmen. Haupttreiber der Brownfield-Projekte sind Ausfallsicherheit und die Erhöhung der Anlagenproduktivität.

Der digitale Zwilling ist also noch kein Thema für Planting?

Franke: Wir führen natürlich Gespräche mit Kunden über das Thema digitaler Zwilling. Einige Kunden vollziehen gerade einen Strategiewechsel hin zu einem einheitlichen Datenmodell und tauschen deshalb ihre Engineering-Software aus. Als Engineering- Dienstleister gehen wir diesen Softwarewechsel mit und arbeiten, wenn gewünscht, in den digitalen Zwilling hinein. Trotzdem ist der digitale Zwilling für die Mehrzahl unserer Kunden aktuell noch kein Thema. Da geht es um Schnittstellen und Datenbrüche innerhalb von Gewerken und verschiedenen Softwaretools.

Stichwort Datenbrüche: Wie gehen Sie als Engineering-Dienstleister mit den unterschiedlichen Tools ihrer Kunden um.

Franke: Wir müssen die Tools der Kunden verstehen. Es herrscht leider keine Einigkeit bei den Werkzeugen, die der Kunde einsetzt. Wir treffen hier auf drei große Welten: Aveva, Hexagon und Autodesk. Mit dieser Vielfalt müssen Sie als Dienstleister einfach umgehen können.

Klingt fast wie die Quadratur des Kreises …

Franke: Um in Deutschland erfolgreich Anlagenbau zu betreiben, nutzen wir interne Synergien und standardisierte Workflows bei der Projekt­abwicklung. Nur so bekommen Sie die vom Kunden gewünschte Schnelligkeit hin und können hohe Qualität abliefern.

Interne Standards beheben aber nicht das Problem fehlender externer Standards.

Franke: Das ist tatsächlich nach wie vor eine große Herausforderung. Wir bekommen immer noch Fließbilder in Papierform. Die Entwicklung standardisierter Schnittstellen ist z. B. mit ein Grund, weshalb wir heute Namur-Mitglied sind und uns im Enpro-Projekt engagieren. Hier geht es u. a. darum, Schnittstellen zwischen Gewerken und Engineering-Tools so zu definieren, dass Daten ohne Bruch übernommen werden können.

Wie schaffen Sie es, im deutschen Markt – in dem es kaum Neubauprojekte gibt – zu wachsen?

Franke: Wir sind in der betriebsnahen Planung unterwegs und wachsen in der Regel im Capex-Bereich. Das funktioniert gut in Chemieparks, in Branchen, wo der Kunde viel Opex hat: Öl/Gas, Petrochemie und Chemie. Beispiel ist der Industriepark Höchst. 2016 sind wir hier mit einem Mitarbeiter an den Start gegangen. Jetzt betreiben wir dort ein Büro mit ca. 30 Mitarbeitern. Ganz wesentlicher Faktor dabei ist das Vertrauensverhältnis zum Kunden, das wir uns über die Jahre erarbeitet haben. Wir sind über die Region getrieben – bei den Kunden, die uns dieses betriebsnahe Planungsgeschäft ermöglichen. Und wir sind branchengetrieben, wo Wachstum über Einzelprojekte möglich ist. Das gilt z. B. für die Pharma­branche. Unser Umsatzanteil ist hier in den letzten Jahren regional betrachtet auf bis zu 40 Prozent gestiegen und soll weiter wachsen.

Herr Franke, wir danken für das Gespräch.

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Über den Autor

 Anke Geipel-Kern

Anke Geipel-Kern

Leitende Redakteurin PROCESS/Stellvertretende Chefredakteurin PharmaTEC, PROCESS - Chemie | Pharma | Verfahrenstechnik