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Wissenschafts- und Konjunkturprogramm EU startet 1,6 Milliarden Euro Programm für Lebensmittel-Sektor

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Es ist ein gewaltiges Wissenschafts- und Konjunkturprogramm für den Lebensmittel-Sektor. Europaweit haben sich 50 Universitäten, Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu einer sogenannten „Knowledge and Innovation Community“ (KIC) zusammengeschlossen. Das Europäische Institut für Technologie und Innovation (EIT) der EU finanziert die Innovationsgemeinschaft unter dem Namen „EIT Food“ 10 Jahre lang mit 400 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere 1,200 Milliarden Euro aus privaten Mitteln.

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Das Europäische Institut für Innovation und Technologie (EIT) ist eine Gründung der EU mit dem Ziel, die Zusammenarbeit der leistungsfähigsten Institute, Universitäten und industriellen Forschungszentren zu stärken.
Das Europäische Institut für Innovation und Technologie (EIT) ist eine Gründung der EU mit dem Ziel, die Zusammenarbeit der leistungsfähigsten Institute, Universitäten und industriellen Forschungszentren zu stärken.
(Bild: gemeinfrei/mcmurryjulie / CC0)

Hohenheim – Bildung, Forschung und 350 Startups für neue Technologien, gesunde Ernährung, weniger Lebensmittelabfälle und weniger Treibhausgas-Emissionen bei der Produktion – das ist das Ziel des Verbundprojekts EIT Food. An Bord des Projekts sind Weltunternehmen wie Robert Bosch, Pepsi, Siemens, und Nestlé. Sie wollen Forschungsergebnisse schneller in marktfähige Technologien, Produkte und Dienstleistungen umzusetzen. Diese sollen sich insbesondere an den Bedürfnissen von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie ökologischen Maßstäben orientieren.

Das Land Baden-Württemberg ist mit 4 von 9 deutschen KIC-Mitgliedern besonders stark vertreten. Prorektor Prof. Jochen Weiss von der Universität Hohenheim übernimmt die Position des Interim Directors of Education. „Als Deutschlands Nr. 1 in Agrarforschung und Food Science will sich die Universität künftig auch stärker im Bereich Innovation und Wissenstransfer engagieren“, begründet der Rektor der Universität Hohenheim, Prof. Stephan Dabbert die Teilnahme an EIT Food. Die Universität Hohenheim freue sich auf 10 Jahre intensive Entwicklung zusammen mit führenden Forschungseinrichtungen wie der University of Cambridge oder der ETH Zürich.

Innovationsschub für den größten produzierenden Sektor der EU

„Der Lebensmittelsektor ist mit 44 Millionen Beschäftigten der größte produzierende Sektor der EU“, erklärt Weiss. „Was Innovationen betrifft, gibt es im Vergleich zu anderen Branchen jedoch erheblichen Nachholbedarf. Die Pharmaindustrie investiert zum Beispiel 10 % ihres Gewinns in Forschung und Innovation. Im Lebensmittelbereich liegt diese Reinvestition gerade einmal bei 0,3 %.“

Dabei stünden Europas Unternehmen in hartem Wettkampf mit der Konkurrenz aus Übersee. Eine Situation, die sich in den kommenden Jahren voraussichtlich noch dramatisch zuspitzen wird. „Investoren haben die Agro-Food-Branche in den USA entdeckt und stellen heute etwa zehnmal so viel Venture Capital bereit wie noch vor 5 Jahren. Es ist daher mit einer Welle von amerikanischen Startups zu rechnen, die etablierte Unternehmen in Deutschland und Europa massiv unter Druck setzen werden“, so Weiss.

Grund für die Aufbruchsstimmung in Übersee seien globale Herausforderungen wie der Klimawandel, wachsende Weltbevölkerung und die zunehmende Erkenntnis vom Wert einer gesunden Ernährung für immer mehr Menschen. „Innovationen, die an diesen Problemen ansetzen, können sich auch als ökonomisch sehr attraktiv erweisen.“ Vor diesem Hintergrund tritt EIT-Food mit hohen Zielen an. Binnen 10 Jahren will der Verbund nicht weniger als eine Revolution erreichen, die sich vor allem auch ökologische und verbraucherorientierte Ziele steckt. Dazu gehören:

  • Neue Technologien im Agrarbereich, die über Ertrags- und Effizienzsteigerung hinaus vor allem Verbraucher-Information im Blick haben (z.B. Digital Food Supply Network);
  • Neue, international wettbewerbsfähige Businessmodelle für den Lebensmittelsektor. Ziel: 350 Startups unterstützen;
  • Neue Lebensmittel-Produkte, die z.B. eine personalisierte, gesunde Ernährung unterstützen und dabei auch einer alternden Bevölkerung Rechnung tragen;
  • Wandel vom bisherigen Modell „Produzieren-Konsumieren-Entsorgen“ hin zu einem bioökomischen Kreislauf mit einer Zero-Waste-Agenda. Ziel: Halbierung von Lebensmittelabfällen in der EU;
  • Weniger Treibhausgas-Emissionen bei der Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln. Ziel: Aktuelle Emissionen um 40% senken;
  • Gesunde Ernährung unterstützen: Ernährungsempfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hinsichtlich Konsum von Salz, Zucker und gesättigten Fettsäuren umsetzen, so dass diese von der Mehrheit der EU-Bevölkerung eingehalten werden können;
  • Verlorengegangenes Vertrauen in die Lebensmittelbranche durch Transparenz und Dialogbereitschaft zurückzugewinnen.

Neun deutsche Institutionen bei EIT Food dabei

Zusammen mit der Technischen Universität München gehört die Universität Hohenheim zu den einzigen zwei Universitäten unter den deutschen Mitgliedern des EIT Food. Als Forschungseinrichtung aus Deutschland ebenfalls dabei sind das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik und die Fraunhofer Gesellschaft zur Förderung der Angewandten Forschung. Um innovative Spitzenforschung und die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu fördern finanziert das EIT seit 2009 mehrere sogenannte „Knowledge and Innovation Communities (KIC)“ zu verschiedenen Themen, für die sich Netzwerke von Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen in einem europäischen Wettbewerb bewerben können. KICs haben eine Laufzeit von sieben bis 15 Jahren.

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