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Dispersionspulver für Bauanwendungen Essigsäure statt Erdöl: Polymere Bindemittel auf Basis nachwachsender Rohstoffe

| Redakteur: Alexander Stark

Unter der Marke Vinneco bietet Wacker künftig ein Dispersionspulver an, bei dem biobasierte Essigsäure in die Herstellung einfließt. Das neue Dispersionspulver eignet sich vor allem für die Produktion von Baustoffen wie Dichtungsschlämmen oder Trockenmörtel für Wärmedämmverbundsysteme.

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In Bauanwendungen, wie Trockenmörteln, Fliesenklebern oder Dichtungsschlämmen sorgen Dispersionspulver von Wacker für ein hohes Maß an Flexibilität und Haftkraft.
In Bauanwendungen, wie Trockenmörteln, Fliesenklebern oder Dichtungsschlämmen sorgen Dispersionspulver von Wacker für ein hohes Maß an Flexibilität und Haftkraft.
(Bild: Wacker )

München – Bei den weltweiten Anstrengungen, den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid zu reduzieren, spielt ökologisches und nachhaltiges Bauen eine zentrale Rolle. Architekten und Bauherren setzen dabei zunehmend auf den Einsatz nachwachsender Rohstoffe. Immer mehr Hersteller von Baustoffen bieten die entsprechenden Lösungen. Auf diesen Bedarf reagiert Wacker mit der Einführung eines Dispersionspulvers auf Basis nachwachsender Rohstoffe.

Bis 2030 sollen 90 % des Portfolios des Münchener Chemiekonzerns aus Produkten bestehen, die als nachhaltig oder mindestens neutral zu bewerten sind. Das polymere Bindemittel Vinneco 5044 N ist Teil dieser Anstrengungen. Mit der Produktlinie sei es möglich, fossile Rohstoffe durch nachwachsende Rohstoffe in der Produktion zu ersetzen, teilt der Hersteller mit.

Bei der Herstellung des neuen Dispersionspulvers setzt das Unternehmen auf biobasierte Essigsäure. Die Substanz entsteht als Nebenprodukt in der Holzindustrie, beispielsweise bei der Bereitstellung von Faserstoffen für die Papierherstellung. Das Holz stammt aus PEFC-zertifizierten Wäldern (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes), die sich im Umkreis von 400 Kilometern zum Standort Burghausen befinden. Die biobasierte Essigsäure weist eine hohe Reinheit und einen niedrigen Wassergehalt auf und ist mit ihrer sehr guten Qualität eine echte Alternative zu fossilen Quellen wie Erdgas oder Erdöl.

Aus der biobasierten Essigsäure und aus Ethylen produziert das Unternehmen Vinylacetat-Monomer, das – wiederum unter Einsatz von Ethylen – zu Vinylacetat-Ethylen (VAE) copolymerisiert wird. So entstehen flüssige Polymerdispersionen, die beispielsweise in der Farbherstellung Anwendung finden. In riesigen Sprühtrocknern stellt Wacker aus den Dispersionen dann Dispersionspulver her. Dazu werden die flüssigen Polymerdispersionen mittels eines Zerstäubers in einen Heißgasstrom geleitet und so in kürzester Zeit zu einem feinen Pulver getrocknet. In Bauanwendungen, wie Trockenmörteln, Fliesenklebern oder Dichtungsschlämmen sorgen diese Bindemittel beispielsweise für ein hohes Maß an Flexibilität und Haftkraft.

In der Produktion kann die biobasierte Essigsäure zur herkömmlichen Essigsäure hinzugemischt werden und ist so direkt an die bestehende Produktionslinie gekoppelt. Die Qualität und die Eigenschaften der Bindemittel seien dabei absolut identisch, unabhängig davon, ob das darin enthaltene VAE mit konventioneller oder mit biobasierter Essigsäure hergestellt wurde, so der Hersteller. Die Verbindung verhalte sich chemisch und physikalisch immer gleich.

Um den Einsatz der biobasierten Essigsäure in der Produktion nachzuweisen, verwendet Wacker das Massenbilanzverfahren. Das Prüf- und Zertifizierungsinstitut Tüv Süd hat das Verfahren nach dem internationalen Standard CMS 71 zertifiziert.

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