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Siemens Erneuerbare Energien und Akquisitionen beflügeln US-Geschäft von Siemens

Redakteur: Ken Fouhy

Für seinen neugegliederten Industriebereich erwartet Siemens in den nächsten Jahren weiterhin starkes Wachstum. Heinrich Hiesinger, der im zentralen Vorstand von Siemens den Industrie-Sektor verantwortet, erwartet, dass sein Geschäftsbereich mindestens das zweifache des globalen BIP-Wachstums erreicht, das laut Siemens bis 2010 bei einem jährlichen Wert zwischen 1,9 und 3,6 Prozent liegen wird.

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„Es ist nicht eine Frage, ob wir wachsen werden, sondern nur eine Frage, wieviel Wachstum wir erreichen werden“, meint Siemens-Zentralvorstand Heinrich Hiesinger, der den Bereich Industrie leitet. Bild: Fouhy
„Es ist nicht eine Frage, ob wir wachsen werden, sondern nur eine Frage, wieviel Wachstum wir erreichen werden“, meint Siemens-Zentralvorstand Heinrich Hiesinger, der den Bereich Industrie leitet. Bild: Fouhy
( Archiv: Vogel Business Media )

Vor allem die zunehmende Ressourcen-Knappheit und der weltweite Boom bei den alternativen Energien werden die Nachfrage nach technischen Produktivitätslösungen von Siemens Industrie beflügeln, zeigte sich der Siemens-Manager auf einer Pressekonferenz Mitte Juli 2008 überzeugt. Die Märkte für erneuerbare Energien werden bis 2010 jährlich um 14 Prozent wachsen, so die Prognose. Hiesinger baut aber auch auf starkes Wachstum in den USA, um seine Industrieziele zu erreichen.

80 Prozent der 24 Milliarden Dollar, die Siemens in den vergangenen fünf Jahren in Akquisitionen investiert hat, wurden für nordamerikanische Firmen ausgegeben. Unter anderem hat Siemens während dieser Zeit US Filter, Wheelabrator, UGS und Robicon aufgekauft. Das Ergebnis: Seit zwei Jahren ist das Land für den deutschen Elektro-Konzern der weltweit wichtigste Einzelmarkt mit einem Umsatz von 19,8 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Etwa die Hälfte des US-Umsatzes wird dort im Industriebereich erwirtschaftet.

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Siemens baut in Elgin Produktionswerk für Schwergetriebe

Und es wird von Siemens weiter in Produktions- und Vertriebskapazität investiert. Derzeit baut Siemens in Elgin im Bundesstaat Illiniois ein neues 17000 m² großes Produktionswerk für Schwergetriebe — hauptsächlich für Windenergieanlagen. Nach der Fertigstellung im März 2009 wird Siemens, das diesen Geschäftsbereich vor drei Jahren durch die Übernahme von Flender erst erschlossen hat, seine Produktionskapazität verdoppeln. Die Getriebe, die bei mittleren Leistungsklassen von 1,5 bis 3 MW etwa 16 t wiegen, kosten etwa 100 000 Dollar/MW.

Nach eigener Aussage hält Siemens bei den Getrieben für Windenergieanlagen weltweit einen Marktanteil von 50 Prozent und in den USA sogar von 65 Prozent. Derzeit liegt der Weltmarkt für solche Getriebe nach Siemens-Aussage bei etwa 2,5 Milliarden Dollar. Siemens-Manager Hiesinger erwartet eine jährliche Wachstumsrate von 20 Prozent bei den Schwergetrieben für Windenergie. Begrenzt werden könne dieses Wachstum nur von der Produktionskapazität. Durch die Erweiterung in Elgin entstehen 300 neue Stellen in der Produktion und 50 im kaufmännischen Bereich. In den USA sind zur Zeit Windenergiekapazitäten von 17000 MW installiert. Bis 2030 sollen diese nach den Plänen der Regierung auf 300000 MW ausgebaut werden.

In Iowa entsteht Siemens-Werk für Windkraft-Technik

Siemens investiert deshalb außer in Elgin noch weitere 33 Millionen Dollar in einen Produktionsbetrieb für die Herstellung von Flügeln für Windkrafträder in Fort Madison im Bundesstaat Iowa. Dort werden 300 neue Arbeitsplätze in der Produktion entstehen. Insgesamt beziffert Hiesinger den Umsatzanteil von umwelttechnischen Produkten bei Siemens auf derzeit 23 Prozent. Bis 2011 erwartet er jährlich ein überdurchschnittliches weltweites Wachstum von 10 Prozent in diesem Bereich.

Aber auch in den traditionellen Industriebereichen in Nordamerika macht Siemens Fortschritte. Nach Aussage von Siemens-Vorstand Hiesinger werden 90 Prozent der US-Post von Siemens-Anlagen sortiert. Ferner erhält das Unternehmen in den Bereichen Gebäudetechnik und Bahntechnik immer mehr Aufträge, sodass die Marktanteile kontinuierlich zulegen. Sogar auf dem sonst in den USA stark umkämpften Markt für Prozessleitsysteme kann Siemens gegen die marktführenden Konkurrenten ABB, Honeywell und Invensys Erfolge verbuchen. Bei neuen Anlagen für Ethanolproduktion hat das PCS-7-Prozessleitsystem mittlerweile einen Marktanteil von 60 Prozent erreicht, so der US-Vorstandsvorsitzende im Industriebereich, Dennis Sadlowski. Zwischen 200 und 300 PCS-7-Systeme sind in USA mittelerweile in Betrieb.

Siemens verzahnt mit PLM-Software Konstruktion und Fertigung seiner Kunden

Es war aber vor allem die Akquisition des PLM-Software-Herstellers UGS im vergangenen Jahr, die Siemens die Möglichkeit eröffnet hat, viel enger als bisher Konstruktion und Produktionsprozesse seiner Kunden zu verzahnen. „Einen bahnbrechenden Schritt, der Siemens von allen anderen Automatisierungsanbietern absetzt“, nannte Andy Chatha, Präsident der Marktforschungs- und Beratungsfirma ARC, die UGS-Akquisition auf der Pressekonferenz in Chicago. VW, Audi und Canon haben bereits auf die neue integrierte Lösung, genannt Teamcenter, standardisiert, wie Hiesinger berichtete. Eine Reduzierung der „Time to Market“ (Zeit für die Entwicklung, Produktion bis zur Markteinführung) für neue Produkte von 50 Prozent – das verspricht Siemens mit der PLM Lösung.

Mit einer mobilen Hausmesse auf 1000 m², genannt Exiderdome, versucht Siemens Industrie die Produktivitätsvorteile durch seine aufeinander abgestimmten Produkte deutlich zu machen. Konzipiert wurde das Exiderdome, das in 55 Frachtcontainern installiert ist, von der Kölner Agentur OSK. Der vor drei Jahren für geschätzte 4,5 Millionen Euro in Shanghai gebaute Exiderdome hat nach Siemens-Aussage bisher bereits 130 000 Besucher in 8 Ländern begrüßt.

Mobile Siemens-Hausmesse „tingelt“ durch die USA

Insgesamt neun US-Standorte wird die Ausstellung besuchen, teilweise festinstalliert auf einem Hochseefrachter wie in Chicago oder später als LKW-Konvoi in Orlando, Denver, Los Angeles und Houston. Siemens erwartet, dass etwa 10 000 Industrieentscheider den Exiderdome in den USA besuchen werden. Von der Zielsetzung sei der Exiderdome ähnlich wie der Siemens-Stand auf der Hannover-Messe konzipiert, meinte Projektleiter Matthias Ernst. Nach den USA wird die mobile Siemens-Ausstellung bis 2009 weiter Station in Südamerika und dann wieder in Asien machen. Die geschätzten Gesamtkosten für das außergewöhnliche Marketing-Projekt liegen bei 40 bis 45 Millionen Euro.

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