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Moderne Arbeitszeitmodelle

Erfolgreiche Szenarien für Arbeit 4.0

| Autor / Redakteur: Robert Horn / Matthias Back

400 Arbeitsplätze für 500 Mitarbeiter

Die freiere Gestaltung der Arbeitszeit bringt weitere Vorteile für Unternehmen – etwa in der Gestaltung des Arbeitsplatzes und den damit verbundenen Kosten. Denn wofür braucht man eine komplette Bürolandschaft, wenn die Angestellten nicht rund um die Uhr vor Ort sind? Auch hier reagieren viele Unternehmen bereits. Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen etwa investiert derzeit 12,5 Mio. Euro in einen Neubau für E-Mobilität am Standort Schweinfurt.

Eingeführt wird dort auch das in der Firmenzentrale bereits angewandte „Bürokonzept 3.0“. Für die 500 Mitarbeiter stehen dann nur noch 400 Arbeitsplätze zur Verfügung. Zudem gibt es je nach Aufgabe und Bedarf verschiedene Zonen für Konzentration (Einzelarbeit), Kommunikation (Meetings) und Kollaboration (Projektarbeit). Jeder Mitarbeiter sucht sich für den Tag den passenden Schreibtisch, abends muss alles wieder geräumt sein.

Lapp setzt in seiner neuen Europazentraler auf ein modernes Open-Space-Konzept.
Lapp setzt in seiner neuen Europazentraler auf ein modernes Open-Space-Konzept. (Bild: Wolfram Scheible/Lapp)

Auch Lapp Kabel verfährt bei seiner jüngst eingeweihten Europazentrale nach einem ähnlichen Muster. Der Kabelhersteller setzt in Stuttgart-Vaihingen auf ein modernes Open-Space-Konzept, bei dem möglichst auf Zugangsbeschränkungen und abgeschlossene Büros verzichtet wird. Das kommt, so das Unternehmen, dem Wunsch der Mitarbeiter nach kollaborativem und mobilem Arbeiten entgegen und soll mehr Kommunikation, Kollaboration, Wissenstransfer und Kreativität fördern. Wer will, so heißt es, kann sogar im Erdgeschoss an der Espressobar oder auf der Dachterrasse arbeiten.

Microsoft als Vorreiter mit dem Vertrauensarbeitsort

Neu ist diese Arbeitsplatzgestaltung freilich nicht. Zudem muss der Mitarbeiter bei jedem Schritt hin zur neuen Arbeitswelt integriert werden – schließlich ist er (oder sie) es, die in den neuen Räumlichkeiten produktiv sein muss. Der Softwareriese Microsoft hat seine neue Deutschlandzentrale in München-Schwabing ebenfalls nach einem offenen Muster ohne feste Arbeitsplätze bauen lassen. Das Konzept dahinter hat der Softwareriese gemeinsam mit dem Fraunhofer-IAO entwickelt und dabei streng darauf geachtet, die Mitarbeiter einzubeziehen.

„Wir haben den Umzug mit einem langfristigen und umfassenden Change Management Prozess vorbereitet und die Mitarbeiter auf dem gesamten Weg kontinuierlich mitgenommen und eingebunden – das fing bei der Wahl selbst des Standorts an und hörte bei der Abstimmung über die Kaffeemaschine auf. Das zahlt sich aus: Die Mitarbeiter haben die neue Umgebung sehr gut aufgenommen.“ verdeutlicht Maren Michaelis von Microsoft.

Alle Beteiligten müssen umdenken

Im Vorfeld verlangte das Konzept von jedem Mitarbeiter, sich zunächst selbst darüber klar zu werden, wie man arbeiten möchte und welche Arbeitsumgebung dafür ideal sei, so Michaelis. Man müsse sich und seine Arbeit bewusst hinterfragen und gewohnte Denkmuster durchbrechen, um das Potenzial der neuen Räumlichkeiten zu nutzen. „Dabei braucht es sicher hin und wieder auch ein wenig Selbstdisziplin, um nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen und beispielsweise immer denselben Platz im Büro aufzusuchen“, mahnt Michaelis. Das erfordert natürlich Veränderungsbereitschaft und ein gemeinschaftliches Mitziehen von Belegschaft und Führungskräften.

Aus der Sicht von Microsoft, das schon seit 1998 auf Vertrauensarbeitszeit setzt, besteht das Erfolgsrezept für Arbeit 4.0 aus den drei Faktoren Mensch, Technologie und Ort. Insbesondere der Faktor Mensch – und damit die Unternehmenskultur – werde hier häufig unterschätzt, so Michaelis. „Es reicht nicht, nur die Technologien und Räumlichkeiten bereitzustellen, die eine mobile, flexible, selbstbestimmte Arbeitsweise unterstützen. Das alles geht wiederum auch mit neuen Anforderungen an Führungskräfte einher.“ Bei Microsoft funktioniert das Modell: 90 % der Mitarbeiter nutzen die flexiblen Arbeitsmöglichkeiten, in der Regel sind nur etwa ein Drittel der Mitarbeiter zeitgleich im Büro.

Müssen Arbeitnehmer Angst vor der digitalen Revolution haben?

Studie: Arbeit 4.0

Müssen Arbeitnehmer Angst vor der digitalen Revolution haben?

12.07.16 - Rund drei Viertel der deutschen Führungskräfte in Unternehmen müssen sich mit den Ängsten ihrer Mitarbeiter vor der digitalen Revolution auseinandersetzen. Für besonders wichtig halten die Chefs die Fähigkeit der Arbeitnehmer, offen auf neue Aufgaben zuzugehen (90 %), planerisch zu denken (87 %) und innovativ zu sein (84 %). Das sind Ergebnisse der Umfrage „Human Resources in der digitalen Transformation“ der Management- und HR-Beratung Metaberatung. lesen

Weißbuch der Bundesregierung stößt auf Kritik

Derzeit finden Unternehmen flexible Antworten auf die starren Gesetze mit Hilfe von Betriebsvereinbarungen und in enger Absprache mit dem Betriebsrat. Die Antwort der Politik auf die notwendigen gesetzlichen Änderungen, die dafür sorgen müssen, dass der rechtliche Rahmen an die Digitalisierung angepasst wird, ist bisher nur in Teilen erfolgt. So hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales Ende 2016 das sogenannte Weißbuch Arbeiten 4.0 vorgestellt. Das ist das Ergebnis eines bundesweiten Dialogprozesses, der bereits im April 2015 in Gang gesetzt wurde und wichtige Fragen um das Arbeiten in Zeiten der Digitalisierung beantworten will.

Die darin festgehaltenen Änderungsvorschläge gehen vielen Verbänden aber nicht weit genug. Der Digitalverband Bitkom etwa bemängelt, dass die Möglichkeit der Abweichung von den geltenden Regelungen des Arbeitszeitgesetzes an zu enge Voraussetzungen gebunden ist. Insbesondere das Arbeitszeitgesetz müsse flexibler ausgestaltet werden, auch für den Bitkom ist die elfstündige Ruhepause nicht mehr zeitgemäß.

Auch der VDMA äußerte sich in einer Stellungnahme kritisch zum Weißbuch. So fordert er unter anderem, das Arbeitszeitgesetz stärker in Richtung EU-Arbeitszeitrichtlinie zu öffnen (das unter anderem eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden festlegt). Der Verband der Maschinen- und Anlagenbauer widmet dem Thema Arbeit 4.0 im Zuge seiner 125-Jahr-Feier übrigens eine sehenswerte Online-Reportage.

Ergänzendes zum Thema
 
Aus- und Weiterbildung in der Arbeit 4.0
Die Qualifizierung der Mitarbeiter ist eine wichtige Säule in der zukunftsorientierten Arbeitswelt.

Klare Worte findet auch der eingangs erwähnte VBW: Einem Anspruch auf Wahlarbeitszeit, wie er im Weißbuch Arbeiten 4.0 gefordert wird, erteilte Hauptgeschäftsführer Brossardt eine klare Absage: „Die Pläne sind völlig fern der betrieblichen Realität und Machbarkeit. Wahlarbeitszeit oder auch nur ein befristeter Teilzeitanspruch mit Rückkehrrecht in Vollzeit setzt das Unternehmen insgesamt – aber auch die Kollegen – unnötig unter Druck und raubt ihnen die Flexibilität, die wir heute so dringend brauchen.

Auch der bürokratische Aufwand wäre immens.“ Das Weißbuch der Bundesregierung ist indes vor allem als Diskussionsgrundlage gedacht. Es wird sicher noch viel geredet werden, zumal die in diesem Jahr anstehenden Bundestagswahlen einer raschen Umsetzung dringend benötigter Anpassungen mit Sicherheit im Wege stehen.

Der Beitrag erschien zuerst auf dem Portal unserer Schwestermarke MM Maschinenmarkt.

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