Baustellen-Management Entscheidung auf der Baustelle

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Nachdem der ‚Informationstag Baustellen-Management‘ 2010 auf ein so überaus großes Interesse stieß, befasste sich die Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau des VDMA im Februar diesen Jahres wieder mit diesem wichtigen Bereich des Anlagenbaus. Themen waren u.a. die koreanische Erfolgsgeschichte, HSE (Health, Safty, Environment)-Management auf internationalen Baustellen, die Rekrutierung und Entwicklung von Fachkräften sowie das Lean Construction-Management.

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Die Bau- und Montagephase entscheidet erheblich mit über die Wertschöpfung eines Anlagenbauprojekts. (Uhde)
Die Bau- und Montagephase entscheidet erheblich mit über die Wertschöpfung eines Anlagenbauprojekts. (Uhde)

Mit 135 Teilnehmern war der 2. Informationstag Baustellen-Management sehr gut besucht – das Thema brennt der Branche offenbar auf der Seele.

Eine Kostenbetrachtung des VDMA offen-bart den Hintergrund dazu: Auf die Bau- und Montagephase entfällt demnach ein erheblicher Teil der Wertschöpfung von Projekten des Industrieanlagen- und Maschinenbaus. Je nach Branche und Projekttyp sind das zwischen 20 und 50 Prozent des Auftragswertes. Betrachtet man die Verteilung der Risiken auf die unterschiedlichen Phasen der Auftragsausführung, zeigt sich ein noch deutlicheres Gewicht: Nahezu 50 Prozent der Projektrisiken sind in der Bau- und Montageabwicklung angesiedelt.

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Dies zeigt, wie erfolgskritisch eine professionell geplante und durchgeführte Bau- und Montageabwicklung ist – und welches Erlöspotenzial hier steckt. Doch haben deutsche Anlagenbauer ausgerechnet hier deutliche Schwächen. Davon profitieren Anbieter aus Asien.

Angstgegner Südkorea?

Asien ist für den deutschen Großanlagenbau von zentraler Bedeutung – als Markt ebenso wie unter Wettbewerbs-Aspekten. Bereits geraume Zeit gilt das für Engineering-Anbieter aus China.

Bemerkenswert ist das mittlerweile massive Auftreten südkoreanischer Anlagenbauer. Vom Partner des deutschen Anlagenbaus haben diese sich zum Wettbewerber entwickelt. In den vergangenen beiden Jahren stieg deren Anteil im Weltmarkt auf etwa zehn Prozent.

Zwar liegt der regionale Auftragseingang der südkoreanischen Großanlagenbauer derzeit noch mit 80 Prozent primär im Mittleren Osten (Asien 15 Prozent, übrige Welt fünf Prozent), doch das mag sich rasch ändern, wie Volker Stroh von der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im VDMA die Lage einschätzt: „Kurz- bis mittelfristig ist eine Verstärkung der Marktpräsenz in weiteren Regionen wie etwa Nordafrika und den USA zu erwarten.“

Unternehmen wie Samsung, Hyundai oder GS E&C haben speziell über Erfolge im Bau- und Montageteil weitere Stufen der Wertschöpfungskette übernommen und treten mittlerweile häufig als Generalunternehmer bei Großprojekten auf. Was aber macht die Koreaner so erfolgreich?

Die Erfolge basieren vor allem auf folgenden Faktoren:

  • hohe Bau- und Montagekompetenz im eigenen Haus,
  • niedrige Baustellenkosten,
  • hoher Integrationsgrad der Unternehmen,
  • breite Zuliefererbasis in Südkorea,
  • umfangreiche und günstige regionale Engineering-Kapazitäten,
  • arbeitgeberfreundliche Rahmenbedingungen,
  • Werte wie Arbeitsdisziplin, Fleiß und Pflichterfüllung.

Die jüngsten Wettbewerbserfolge koreanischer Anbieter, die viele Projekte insbesondere über ihre Construction-Kompetenzen gewonnen und erfolgreich abgewickelt haben, offenbaren die große Hebelwirkung eines erfolgreichen Bau- und Montagemanagements. „Während wir Sales-Leute ins Land schicken, ist Korea bereits mit Montage-Personal vor Ort vertreten, das früh mit Behörden und Sub-Kontraktoren Kontakt aufnimmt“, beschrieb ein Teilnehmer des Informationstags die Lage. Und ein anderer: „Wir denken noch an die Technik, wenn die Koreaner schon deren Umsetzung planen.“

Dabei profitieren koreanische Anlagenbauer vor allem von ihrem hohen Integrationsgrad mit eigenem Personal. Nicht nur das: Auch Sub-Kontraktoren werden regelrecht durchdrungen, wie in Frankfurt zu hören war: „Die werden geführt wie eigenes Personal.“ Zudem rüsten die Koreaner ihre Sub-Kontraktoren mit einheitlichem Technik-Equipment aus – und sie organisieren und überwachen die Baustellen penibel.

Die Resultate überzeugen, durch zahlreiche internationale Referenzen haben die Südkoreaner das Image als Billiganbieter abgestreift; sie sind mittlerweile ein Wettbewerber auf Augenhöhe: „Always on time, on budget and on quality“, so Volker Stroh.

Die Strategie dieser Firmen ist offenbar gänzlich anders als in Deutschland, wie ein Firmenvertreter in Frankfurt einräumt: „Während wir uns häufig auf Einzelprojekte konzentrieren und diese eher isoliert betrachten, denkt der koreanische Wettbewerb langfristig: Rund um ein erstes Projekt wird eine Infrastruktur aufgebaut, um mit lokaler Präsenz attraktive Folgeprojekte schneller identifizieren zu können.“ Und weitere Wettbewerber – Unternehmen aus Indien oder Russland – werden dem Beispiel der Südkoreaner folgen.

Wie kann der deutsche Großanlagenbau sich hier besser positionieren? Auf jeden Fall müssen die Bau- und Montagekompetenzen verbessert werden. In Frankfurt wurden dazu erste Beispiele für ein Lean Construction-Management vorgestellt: Ein neuer Ansatz der Kombination von Planung, Gestaltung und Ausführung von Bauprojekten. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Prozesse in der Planung und Ausführung, aber auch der Schnittstellenprozesse zwischen Planung und Ausführung (Schlagworte: Fließfertigung, Taktzeitplanung, Zieh-System, Nullfehler-Prinzip).

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Fazit: Die wichtigsten Erfolgsfaktoren der neuen Wettbewerber aus Südkorea sind niedrige Kosten und ausgeprägte Bau- und Montagekompetenzen. Der deutsche Großanlagenbau hält u.a. durch den Ausbau internationaler Wertschöpfungs-Netzwerke und der Verstärkung seines Construction-Know-hows dagegen. Der fehlende Ingenieursnachwuchs ist dabei allerdings hinderlich.

* Der Autor ist freier Mitarbeiter bei PROCESS.

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