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Engineering in der Datenwolke

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Daten-Management per Migration

Prozessdaten sind ein ‚Asset’, ein wertvolles Gut im Unternehmen. Was aber passiert mit dem Datenbestand über viele Jahre hinweg? Der Lebenszyklus einer Software ist begrenzt. Eine Migration auf moderne Systeme ist also unausweichlich. Bleibt allerdings die Frage, wie das nicht sichtbare Kapital migriert werden kann.

Ein Beispiel aus der Praxis beschreibt ITandFactory: Der Betreiber will 1000 P&ID von einem Unix-CAD-System in die Anlagenplanungs-Software Cadison integrieren. Die Vorgehensweise:

  • Justage der notwendigen Merge-Vorschriften und -Mechanismen,
  • Initial-Konvertierung von 250 P&ID,
  • Der Rest wurde sukzessive durch den Kunden selbst umgesetzt.

Wie sieht die Wirtschaftlichkeit aus? Eine Neuzeichnung erfordert pro P&ID 3 Tage Zeit. Die Migration zu Cadison erfordert pro P&ID 5 min plus eine Nacharbeit von 1 h. Im beschrieben Projekt sparte der Kunde 95 % des konventionell erforderlichen Aufwands. In absoluten Zahlen ist das eine Ersparnis von 1 Million Euro!

Regularienkonformes Dokumenten-Management

Alegri hat bei Roche Diagnostics ein auf Microsoft SharePoint basierendes Dokumenten-Management-Systeme (DMS) eingeführt, das über gesetzliche Vorschriften hinaus strenge hausinterne Richtlinien befolgt.

Als weltweit agierendes Health-Care-Unternehmen unterliegt Roche Diagnostics den Anforderungen der FDA (Food and Drug Administration). Das eingesetzte Dokumenten-Management-System, in dem die interne IT ihre Dokumente verwaltet, folgt dem CFR 21 Part 11 (Code of Federal Regulations), der den Umgang mit elektronischen Datensätzen und elektronischen Signaturen regelt. Dazu zählen u.a. Systemzugriffs-Autorisierung, dokumentierter Audit-Trail, Gültigsetzungsregelungen mit elektronischen Signaturen, validierte Computersysteme und Software. Zusätzlich stellte Roche weitere Anforderungen: das Veröffentlichen ausgewählter Dokumente ins Intranet, die automatisierte Generierung von PDF-Dokumenten (Renditions) mit allen Dokumenten-Metadaten, Verlinkung von entfernten Dokumenten in unterschiedlichen Ablageorten, komplexe Suchmöglichkeiten, automatisierte Generierung von Dokumentenablagestrukturen auf Basis von Vorlagen.

Der Aufwand: Von der Konzeption bis zur Einführung sechs Monate; Umzug von über 100.000 Dokumenten mit ihren jeweiligen Versionsbäumen und zusätzlichen Metadaten (erzeugt, bearbeitet und archiviert von rund 3.000 Mitarbeitern weltweit).

Nutzen und Ergebnis: Die FDA-konforme Dokumenten-Management-Lösung wurde in nur einem halben Jahre realisiert und hat die Auditierung nach Projektabschluss auf Einhaltung der FDA-Richtlinien durch einen unabhängigen Experten bestanden. Die Lösung ist klar strukturiert, projektbezogen und unterstützt den Workflow- sowie den Dokumenten-Lifecycle.

Auch das Prodok-Modul ‚Prüfdokumentation‘ von Rösberg Engineering unterstützt die Verwaltung von Dokumenten, die für Erst- und wiederkehrende Prüfungen erforderlich sind. Auf Basis von sicherheitsrelevanten Objekten sowie Prüfblättern werden Prüfvorgaben und Prüfszenarien festgelegt, die durch Geräte, Prüfinstanzen und frei definierbare Intervalle beschrieben sind. In den Stammdaten werden zu jeder Geräteart Prüfblätter abgelegt, die beim Zuordnen dieses Gerätes zu einer Strukturebene automatisch übernommen werden. Mit Hilfe von Auswertungen kann jederzeit auf die erfassten Daten wie z.B. Prüfergebnisse und Prüfzeitpunkte zugegriffen werden. Das von Rösberg entwickelte Modul basiert auf den Anforderungen mehrerer Anwender, unter anderen hatte sich hier auch die BASF am Standort Ludwigshafen mit einem Pilotprojekt beteiligt.

Mehrsprachiges Engineering ist gefragt

Für den effizienten Bau komplexer Anlagen ist eine zuverlässige Dokumentation Pflicht. Gerade bei internationalen Projekten lohnt sich der Blick auf Systeme mit Funktionen zum mehrsprachigen Engineering.

Beispiel: Lurgi erhielt von einem russischen Kunden den Auftrag zum Bau einer Melamin-Produktion. Dabei war Englisch die Sprache der Wahl für die Projektplanung. Die Enddokumentation sollte jedoch in Russisch erstellt werden. Das Unternehmen benötigte daher eine Software, die eine durchgehende, bilinguale Dokumentationserstellung bietet. Die Wahl fiel auf das Prozessleittechnik-Planungssystem (PLT-CAE) Prodok von Rösberg, das den gesamten Engineering-Prozess in zwei Sprachen unterstützt. Die Dokumentation umfasst im Wesentlichen Instrumentenlisten, Datenblätter und Stromlaufpläne. Klarer Vorteil: Die in zwei Sprachen vorliegenden Dokumente vereinfachen die Kommunikation auch auf der Baustelle: Obwohl sich die Sprachen der Dokumente unterscheiden, sind die Inhalte identisch und können als Gesprächsgrundlage direkt nebeneinander gelegt werden.

Auch das Anlagenplanungs-Werkzeug Tricad MS ist ein Sprachgenie: In deutscher Sprache geplante Projekte werden vor der Übergabe an den internationalen Kunden per Knopfdruck in die Sprache des Kunden übersetzt. Dabei werden alle Zeichnungsattribute entsprechend geändert – die VenturisIT-Entwickler nennen das ‚sprachunabhängige Zeichnungserstellung‘.

Hintergrund: An die Tricad MS-Bauteile (Zellen) sind Attribute angehängt. Diese Attribute werden im ‚Klartext‘ an die Bauteile geschrieben. Einige dieser Attribute sind für die Parametrik der Bauteile wichtig (z.B. Medium, Luftart, Material) und auch für die Listenerstellung relevant (z.B. Bauteilbezeichnung, Material, Bezeichnung). Die Tricad MS-Dateien erhalten einen Sprachstempel – und beim Wechsel der Sprache werden die relevanten Attribute in die neue Sprache überführt.

Fazit: Je detaillierter die Digital Plant wird, desto umfangreicher wird das Datenmaterial. Verantwortliche Projektmanager sollten sich schon früh Gedanken machen, wie sie mit diesen Daten umgehen – aktuell für den erfolgreichen Projektabschluss und auch unter dem Aspekt der Langzeit-Archivierung. ●

* Der Autor arbeitet als freier Fachjournalist für PROCESS.

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