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Abwasserwiederverwendung

Energie aus dem Klosett

| Redakteur: Dr. Jörg Kempf

Das dringende Geschäft als „Quelle“ für wertvolle Ressourcen? Forscher sehen hier durchaus Potenziale.
Das dringende Geschäft als „Quelle“ für wertvolle Ressourcen? Forscher sehen hier durchaus Potenziale. (Bild: gemeinfrei / pixabay.com / CC0)

Sie müssen mal? Dann könnten Sie in Zukunft einen wertvollen Beitrag zur Ressourcenschonung beitragen. Denn aus Toilettenwasser könnten nicht nur Biogas und Dünger, sondern auch wertvolle Ressourcen gewonnen werden, die bisher ungenutzt im wahrsten Sinne des Wortes den Bach runtergehen.

Karlsruhe – Abwasser steht im Geruch, zu nichts Nutze zu sein – zu Unrecht, wenn es nach den Experten der „Wasser-Energie-Gruppe“ am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) geht. Obwohl etwa 72 Prozent der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, eignen sich nur 0,3 Prozent davon als Trinkwasser.

„Angesichts dessen ist Abwasser kein Abfall. Es enthält thermische Energie, chemische Energie in Form von Kohlenstoffverbindungen und wertvolle Pflanzennährstoffe. Jetzt gilt es, Verfahren zu entwickeln, die es erlauben, diese Ressourcen zu nutzen“, sagt Helmut Lehn vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS).

Die Abwärme häuslichen Abwassers könne z.B. mittels Wärmetauschern in Kanalrohren verwertet werden. „Noch effektiver ist es, das warme Abwasser aus Waschmaschine und Bad direkt im Haus zu nutzen, um etwa frisches Wasser zum Duschen vorzuwärmen“, ergänzt Witold Poganietz, der gemeinsam mit Lehn die Forschungsgruppe am KIT leitet. Eine solche Anlage sei in einem Berliner Wohnblock bereits in Betrieb.

Man trenne Schwarz von Grau

Eine Grundvoraussetzung, um die Ressource Abwasser intelligent auszuschöpfen, sei die Trennung der Abwasserströme aus Toilette (Schwarzwasser) und Bad sowie Küche (Grauwasser), erläutert Lehn. Würden Exkremente separat und unverdünnt abtransportiert – z.B. durch Vakuumtoiletten wie im Flugzeug oder ICE – ließen sich aus einem Liter Abwasser drei Liter Biogas gewinnen.

„Durch die Zugabe von Biomüll könnte die Energieausbeute sogar noch gesteigert und die Biotonne im Haushalt eingespart werden“, sagt Lehn. Darüber hinaus sei „Urin ein idealer Pflanzendünger. Denn es enthält Stickstoff, Kalium und Phosphor.“ Da Letzteres als nicht-erneuerbare Ressource gilt, die im Übrigen vermutlich noch vor Kohle und Erdöl zur Neige gehe, werde intensiv daran geforscht, es aus kommunalem Abwasser und Klärschlamm zurückzugewinnen. So ließe sich auch die Nachfrage nach Kunstdünger, dessen Herstellung sehr energieintensiv ist, vermindern.

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Während bei bestehender Infrastruktur die gemischten Abwässer wohl weiterhin aufwendig gereinigt werden müssten, biete sich die Trennung der Abwasserströme bei Neubaugebieten an, meint Franka Steiner vom ITAS. Gleiches gelte für die immer weiter wachsenden Ballungsräume in Schwellen- und Entwicklungsländern. „Denn hier gibt es oft überhaupt noch keine Sanitärsysteme“, sagt die Geoökologin, die wie Lehn weltweit unterwegs ist, um Akteure wie Stadtverwaltungen bei der Planung von Abwassersystemen zu beraten.

Ein Trennsystem, das sowohl Energie als auch Nährstoffe aus dem Abwasser mehrerer tausend Einwohner gewinnt, erprobt zur Zeit die Stadt Hamburg in einem Konversionsgebiet. Ein Projekt, das die ITAS-Forscher mit großem Interesse verfolgen.

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