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Länderreport Brasilien

Einfuhrvolumen chemischer Produkte in Brasilien stark gestiegen

| Autor/ Redakteur: Gloria Rose, Germany Trade and Invest / Marion Henig

Die wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens verspricht einen steigenden Bedarf an chemischen Erzeugnissen jeglicher Art. Brasilianische Chemieunternehmen können den steigenden Bedarf derzeit nicht decken. Importe gewinnen zusätzlich durch die Aufwertung der Landeswährung Real an Attraktivität.

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Auswahl an Investitionsprojekten der chemischen Industrie in Brasilien (Grafik, Quelle: Germany Trade and Invest)
Auswahl an Investitionsprojekten der chemischen Industrie in Brasilien (Grafik, Quelle: Germany Trade and Invest)

São Paulo, Brasilien – Mit 155 Milliarden Dollar erreichte der Markt für chemische Produkte 2010 wieder sein Vorkrisenvolumen von 2008. Die Importnachfrage wird bei einem starken Real weiterhin zunehmen. Bislang bietet die lokale Industrie kaum Alternativen in Bezug auf pharmazeutische Wirkstoffe und Pflanzenschutzmittel. Die Lieferchancen deutscher Produkte sind aufgrund des hohen Bedarfs an Industriechemikalien in Brasilien sehr gut. Insbesondere als Zulieferer der Kosmetik-und Pharmaindustrie können deutsche Anbieter langfristige Geschäftsbeziehungen aufbauen.

Die brasilianische Chemieindustrie setzte 2010 dem Branchenverband Abiquim zufolge 130,2 Milliarden Dollar um. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Zuwachs von 29,0 Prozent beziehungsweise in der Landeswährung Real 14,5 Prozent. Etwa die Hälfte der Umsätze geht auf Industriechemikalien zurück.

Der Rest wird durch chemische Erzeugnisse erwirtschaftet, die direkt vom Endverbraucher nachgefragt werden. Dies sind hauptsächlich Produkte der Pharmaindustrie, der Kosmetikbranche, Dünge-, Pflanzenschutz- und Reinigungsmittel sowie Farben und Lacke. Die Nachfrage nach Chemikalien für den industriellen Gebrauch war 2009 weit stärker eingebrochen als der Absatz von chemischen Endprodukten.

Vollständige Erholung

Im Jahr 2010 erholten sich die Märkte und Preise vollständig. Die Produktion und die inländischen Verkäufe von Industriechemikalien wuchsen mengenmäßig jeweils um rund 7 Prozent. Die Importmenge stieg viermal so stark. Basisstoffe für die Düngemittelherstellung, diverse organische Stoffe wie Triazole, Pyrazole und Hydrazinderivate, pharmazeutische Wirkstoffe und thermoplastische Harze trugen besonders zur negativen Handelsbilanz des Sektors von 14,3 Milliarden Dollar bei. Im 1. Quartal 2011 registrierte Abiquim einen Rückgang der Produktion und der Verkäufe inländischer Hersteller sowie eine starke Zunahme des Einfuhrvolumens. Dazu trugen vereinfachte Importverfahren und die Aufwertung des Real im Verhältnis zum US-Dollar bei.

Weltweit größter Importeur von Phosphor

Agrarprodukte gehören zu den wichtigsten Exportgütern Brasiliens. Am Markt für chemische Endprodukte nehmen Agrarchemikalien den größten Anteil ein. Brasilien ist der weltweit größte Importeur von Phosphor, zweitgrößter Kaliumabnehmer und drittgrößter Bezieher von Stickstoffverbindungen. Die Produktion von Düngemitteln ist am stärksten importabhängig und verantwortlich für einen Großteil des Außenhandelsdefizits des Sektors. Nach dem Preisverfall 2009 erzielte die Branche 2010 ein Umsatzwachstum von 16 Prozent. Mengenmäßig erreichten Verbrauch, Import und inländische Erzeugung wieder die Ergebnisse von 2008. Das Marktvolumen lag mit 16,4 Milliarden Dollar jedoch weit unter dem Vorkrisenniveau. Abiquim sowie die Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff wollen die Produktion fördern. Für Anbieter von Pflanzenschutzmitteln begann in Erwartung einer besonders niederschlagsarmen Saison das Jahr 2010 mit Umsatzeinbußen, die jedoch später ausgeglichen wurden. Das Marktvolumen belief sich ähnlich wie 2008 auf 9,8 Milliarden Dollar.

Markt für Arzneimittel entwickelt sich positiv

Die Nachfrage nach Pharmaerzeugnissen sowie Kosmetikartikeln in Brasilien nimmt mit der Kaufkraft der Bevölkerung zu und brach selbst 2009 nicht ein. Der Verkauf in Apotheken und Drogerien stieg 2010 dem Fachverband Abrafarma zufolge um 18 Prozent auf 17 Milliarden brasilianische Reais (R$; rund 9,7 Milliarden Dollar, jahresdurchschnittlicher Devisenkurs 2010: 1 Dollar = 1,75 R$). Für 2011 rechnet Abrafarma mit einem Plus von etwa 20 Prozent. Laut der Unternehmensberatung Lafis wurden 2010 im Handel mit Medikamenten mehr als 35 Milliarden R$ umgesetzt. Bei einem jährlichen Wachstum von 9 Prozent ist für 2011 ein Umsatz von rund 40 Milliarden R$ zu erwarten. Knapp ein Fünftel der Arzneimittel sind Generika.

Aufgrund dieser Produkte kann die lokale Industrie bereits 45Prozent des inländischen Bedarfs decken, ist dabei jedoch weiterhin auf die Einfuhr von Wirkstoffen angewiesen.

Gutes Ergebnis bei Kosmetik und Körperpflegemittel

Das jährliche reale Wachstum des Kosmetik- und Körperpflegemittelabsatzes betrug laut dem Branchenverband Abihpec in den letzten 15 Jahren durchschnittlich 10,4Prozent. Mit einer Umsatzsteigerung von 11,9 Prozent auf 27,3 Milliarden R$ erzielte der Sektor 2010 erneut ein sehr gutes Ergebnis. Erstmals seit 2002 verzeichnete der Zweig ein leichtes Handelsbilanzdefizit, welches 2011 laut Abihpec-Prognose weit höher ausfallen soll. Im internationalen Vergleich ist der Absatzmarkt bereits der drittgrößte nach den USA und Japan.

Die Nachfrage nach Reinigungsmitteln sowie nach Farben und Lacken wird zum Großteil über im Inland produzierte Güter gedeckt. Angesichts der boomenden Bauwirtschaft ist mit einem stark zunehmenden Bedarf an Farben und Lacken sowie Baumaterial zu rechnen.

Produktion/Branchenstruktur

Die brasilianische Chemiebranche trägt mehr als 10 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der verarbeitenden Industrie des Landes bei. Unter den wichtigsten Chemienationen nahm Brasilien 2009 bereits Rang 7 ein. Abiquim erwartet mittelfristig die Etablierung unter den fünf wichtigsten Chemienationen. Weitere Ziele des vom Verband formulierten „Pacto Nacional de Industria Quimica“ sind eine dominante Position in der „grünen Chemie“ sowie Handelsbilanzüberschüsse. Berechnungen von Abiquim zufolge ist bis 2020 eine Verdopplung der lokalen Produktion auf 260 Milliarden Dollar notwendig, um die inländische Nachfrage zu stillen und einen positiven Handelsbilanzsaldo zu erzielen.

Der Verband schätzt die notwendigen Investitionen bis 2020 auf 167 Milliarden Dollar. Braskem ist Monopolist auf dem lokalen Polypropylen- und Polyethylen-Markt und strebt die Stellung als fünftgrößtes Petrochemieunternehmen der Welt und als Marktführer in nachhaltiger Chemie an. Nach der Inbetriebnahme der weltgrößten Produktionsanlage von „grünem“ Polypropylen Ende 2010 in Triunfo/RS beschloss Braskem den Bau eines weiteren Werks. Bei Agrarchemikalien dominieren die inländischen Hersteller Vale Fertilizantes und Heringer sowie die internationalen Konzerne Syngenta, Yara und Mosaic Fertilizantes. Wichtige multinationale Branchenfirmen im Land sind BASF, Bayer, Dow Brasil und Du Pont.

Außenhandel

Die Einfuhr von Chemieerzeugnissen nach Brasilien lag 2010 mit 33,4 Milliarden Dollar um 28,1 Prozent höher als im Jahr zuvor. Deutschland blieb mit einem Einfuhrvolumen von 3,2 Milliarden Dollar zweitwichtigstes Lieferland nach den USA mit 7,4 Milliarden Dollar und vor der VR China mit 2,5 Milliarden Dollar.

* Quelle: Germany Trade and Invest

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